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Sprache der Herzen

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Neu-Anspach ist für die aus Schweden stammenden passionierten Wanderer und Mitglieder des Taunusklubs, Maria und Jörgen Norlén, zur Heimat geworden. © Red

Neu-Anspach. »Neu-Anspach gefällt uns nach über 20 Jahren immer noch, wir kennen hier viele Leute und fühlen uns wohl«, sagen Maria und Jörgen Norlén. Ihr schwedischer Akzent ist nicht zu überhören. Das ist auch schon alles, woran man erkennt, dass sie Ausländer sind. Das Ehepaar und seine drei Töchter Emma (26 Jahre alt), Hanna (24) und Ebba (21) sind ein Paradebeispiel für gelungene Integration.

Maria Norlén erinnert sich noch gut daran, als die Familie 1985 nach Bad Soden-Neuenhain zog, weil ihr Vater im Rhein-Main-Gebiet arbeitete. An der S-Bahn-Station fragte die damals 18-Jährige auf Englisch nach der richtigen Verbindung und wurde belehrt: »Wir sind hier in Deutschland, hier sprechen wir Deutsch.« Sie lernte die Sprache schnell, gibt aber auf charmante Art zu: »Ich kann es leider immer noch nicht ganz richtig.«

An mehreren Stellen Anschluss gefunden

Als ihre Eltern 1988 zurück nach Schweden gingen, blieb sie in Deutschland. »Damals war hier alles anders als in Göteborg, viel internationaler«, begründet sie ihren Entschluss, den sie nie bereut habe. Dann hat sie ganz zufällig in Deutschland einen Schweden kennen und lieben gelernt. Ihr heutiger Mann kam 1990 beruflich als ITler nach Deutschland, beide sind aber bis heute schwedische Staatsbürger. Sie gründeten eine Familie, zogen 1999 von Bad Homburg nach Neu-Anspach.

Maria Norlén engagierte sich beim internationalen Frauenfrühstück, wo der von ihr selbst zubereitete Glögg, ein schwedischer Glühwein, immer der Renner gewesen sei. Auch in den Elternbeirat der Kita ließ sie sich wählen. Solange die drei Töchter klein waren, konzentrierte sich Maria Norlén auf ihre Familie. Danach war sie halbtags in einem Neu-Anspacher Bekleidungshaus tätig. Inzwischen arbeitet sie im Design House Stockholm in Frankfurt, wo es Möbel und andere skandinavische Wohnideen mit den typischen klaren Linien und dem Ausdruck der lässigen schwedischen Lebensart gebe.

Letztere machte es auch den Norléns einfach, sich in einem anderen Land in bestehende Gemeinschaften einzubinden. »Auf Festen haben wir in Neu-Anspach immer schnell Anschluss gefunden«, erzählt Maria Norlén und stellt fest: »Dabei sein, Leute kennenlernen und alles mitmachen ist wichtig für die Integration.«

Zum Oktoberfest der Handballer geht sie heute in Dirndl, er in Lederhosen, beim Bierkrugstemmen halten sie locker mit. »Fasching in Neu-Anspach ist auch immer gut«, ergänzen sie. Beim Taunusklub sind beide schon lange aktiv. Jörgen Norlé arbeitet als Beisitzer im Vorstand mit und betätigt sich auch als Wanderführer. Für dieses Jahr plant er wieder eine anspruchsvolle Hüttentour. Die Alpen haben es den Nordlichtern nämlich schon lange angetan.

Aber ein bisschen Schwedisches muss trotzdem immer sein - auch in Anspach. Beide gehören dem schwedischen Kirchenverein Frankfurt an, wo Maria Norlén seit 2020 Vorsitzende der schwedischen Frauen ist. »Weihnachten feiern wir immer schwedisch, das ist ein absolutes Muss«, erzählen beide. Am schwedischen Nationalfeiertag, dem 6. Juni, gibt es traditionell eingelegte Heringe mit kleinen Kartoffeln und saurer Sahne, als Nachtisch immer reichlich Erdbeeren mit viel Sahne, und es wird gegrillt. Die magische Mittsommernacht zelebrieren die beiden ebenfalls.

Mit anderen Spaß haben können

»Auch unsere Töchter lieben die schwedische Küche sehr, aber sonst sind wir ziemlich deutsch«, erzählen die Norléns. Das liege daran, dass die Schweden generell ein offenes Volk seien und von sich aus leicht auf andere zugehen. »Wenn man fröhlich ist und mit anderen Spaß haben kann, ist Integration eigentlich ganz einfach«, sind sie überzeugt und dennoch stolz und glücklich, dass sie Schweden sind und als solche hier auch akzeptiert werden.

Was Maria Norlén als Neugierde für anderes bezeichnet, ist vor allem auch das Interesse an anderen Menschen. »Wir haben einen tollen Bekanntenkreis«, stellen sie fest. Und sie wissen: »Es ist wichtig, dass man die gleiche Sprache spricht.« Dann knüpft Maria Norlén daran an, was sie anfangs schon gesagt hat und meint: »Es kommt nicht darauf an, dass ich perfekt Deutsch spreche.« Viel wichtiger sei die Sprache der Herzen. Die beherrschen beide in ihrer sympathischen Art perfekt. Wenn beim Taunusklub im Wanderheim die ersten gehen, holen sich die beiden noch einen Schoppen und setzen sich an den nächsten Tisch. So einfach kann Integration manchmal sein.

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