Kita und Kultur unter einem Dach

Stadt will zwei Betreuungsgruppen in der Gaststätte der Taunushalle unterbringen

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Die Weichen sind gestellt: Ins ehemalige Restaurant Taunusblick an der Taunushalle in Oberstedten sollen in wenigen Monaten bis zu 46 Kindergartenkinder einziehen. Auch für die Halle selbst hat die Stadt Pläne. Der Ortsbeirat Oberstedten indes fühlt sich übergangen.

Dass die Situation für junge Familien, die Kinder und Job unter einen Hut bekommen möchten, in Oberursel schwierig ist, ist bekannt. Zuletzt sprach die Stadt von allein 230 Kindergartenplätzen, die fehlen, aber auch Krippenplätze für unter Dreijährige sind rar. .

Generell, so die Verwaltung, gingen die Prognosen für die kommenden Jahre von einem „weitgehend unverändert hohen Platzbedarf“ aus. Um gegenzusteuern haben die Stadtverordneten Ende August eilig den Aktionsplan Kinderbetreuung verabschiedet, der mehrere rasch umsetzbare Maßnahmen enthält – eine davon die Idee, die leerstehende Gaststätte Taunusblick an der Taunushalle in Oberstedten zu nutzen. Die nimmt jetzt konkrete Formen an, und zwar in Beschlussvorlagen, die die Verwaltung am Dienstag mit in den Ortsbeirat Oberstedten gebracht hat.

Das ehemalige Restaurant soll von April an zwei neue Gruppen der wenige Meter entfernten Kita des VzF Taunus beherbergen; insgesamt könnten bis zu 46 Mädchen und Jungen zwischen drei und sechs Jahren einziehen. Auch für die Halle selbst hat die Stadt Pläne (siehe weiteren Text).

Die früheren Gastronomieräume, erklärte Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD), böten ideale Voraussetzungen für die Schaffung neuer Betreuungsplätze. „Wir nehmen uns hier einer Pflichtaufgabe an, und das günstig.“ Den Umbau der Gasträume – zu beiden Seiten soll jeweils ein Gruppenraum entstehen, im langen Flur die Garderobe, im hinteren Bereich ein Funktionsraum und die Toiletten für die Kinder und Erzieher – fördert das Land laut Vorlage zu 90 Prozent. Von rund 274 000 Euro investivem Aufwand für Baumaßnahmen und Einrichtung blieben 33 000 Euro an der Stadt hängen, inklusive eines kleinen Puffers für unvorhersehbare Posten.

In der Folge werden dem Träger VzF die jährlichen Betriebskosten überwiesen, rund 236 000 Euro. Durch den Anschluss an die VzF-Kita lassen sich, heißt es in der Vorlage, Synergien nutzen – so entfielen Kosten für die Einrichtungsleitung, außerdem könnten die beiden Gruppen vom Haupthaus aus mit Essen versorgt werden.

Die Suche nach einem Pächter für die Gaststätte, die alternativ verfolgt worden sei – auf Anregung des Ortsbeirats hin –, habe sich schwierig gestaltet, berichtete Brum. Die Räume seien „extrem renovierungsbedürftig“, Kostenpunkt 250 000 Euro aufwärts; von den angesprochenen Gastronomen sei nur ein einziger bereit gewesen, sich an den Kosten zu beteiligen. Insgesamt habe wenig Interesse an dem Objekt bestanden. „Keiner würde es machen“, sagte Brum. In Zeiten des Kneipensterbens sei das Risiko zu hoch.

Die Pächterfrage war auch jene, die im Ortsbeirat die Gemüter erhitzte. Gegen die Pläne für Gaststätte und Halle votierte Michael Planer (FDP), der die Stadt scharf kritisierte. „Harakiri wird das Ding hier durchgeschossen.“ Er fühle sich nicht ernst genommen. „Wir haben ein Verfahren festgelegt. Die Gastronomie wird ausgeschrieben, und dann besprechen wir das. Jetzt bekommen wir hier solche Beschlussvorlagen gemailt, gestern Abend“, monierte Planer, der darüber hinaus den Bedarf an zusätzlichen Betreuungsplätzen bezweifelte. „Ich gehe durch den Ort und höre anderes.“ Unter anderem wolle die Grundschule die verpflichtende Eingangsstufe einführen. Und bei kurzfristigem Bedarf komme eine Containerlösung infrage.

Die übrigen Fraktionen schlossen sich der Kritik an. „Wir fühlen uns veräppelt“, sagte Christian Steffek (CDU), der das Ganze eine „Posse“ nannte. „Hier wurde nicht richtig nach einem Pächter gesucht. Es wurde als gegeben angesehen, dass da die Kita reinkommt.“ Der Magistrat indes wies die Vorwürfe zurück. Der Ortsbeirat wisse seit vier Monaten, dass man an dem Thema dran sei, sagte Erster Stadtrat Christof Fink (Grüne). „Hätten wir hier was durchdrücken wollen, hätte ich im August eine Vorlage mitgebracht und könnte in zwei Wochen mit glücklichen Familien Eröffnung feiern.“ Richtig sei zwar, dass die Kita-Idee im Juli überraschend aufkam. „Aber Gelegenheiten, die sich bieten, müssen wir nutzen. Wir denken an ganz Oberursel.“ Fest stehe jedenfalls, dass Plätze, die heute geschaffen würden, auch in Zukunft noch benötigt würden.

Das sahen CDU, SPD und Grüne genauso. „Wir sind nicht gegen neue Betreuungsplätze“, stellte Jutta Niesel-Heinrichs (SPD) klar. Allein: „Wir wollten unser Taunusblick dafür nicht hergeben.“ Zur Bedingung ihrer Zustimmung haben die Fraktionen denn auch gemacht, dass die Nutzung der Räume alle fünf Jahre überprüft wird. Vielleicht werde eine Rückgabe an die Halle möglich, so Steffek. Das letzte Wort hat am 15. November das Stadtparlament.

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