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Stadtverordnete stimmen für Kreisel

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Neuausrichtung des Lidl-Marktes bildet gutes Argument gegen Vier-Wege-Kreuzung

Usingen -Die Usinger Stadtverordneten haben entschieden: Die Kreuzung Bahnhofstraße/Westerfelder Weg soll einen Kreisel bekommen. Die Variante wurde mehrheitlich angenommen,;acht Stadtverordnete stimmten dagegen (2 FDP, 2 SPD, 4 Grüne). Die Parlamentarier sprachen sich zudem ebenfalls mehrheitlich bei vier Enthaltungen dafür aus, dass in eine im Zuge des ISEK-Förderprogramms erstellte Machbarkeitsstudie der Bahnhofstraße die Anregungen des ADFC aufgenommen und mögliche bauliche Maßnahmen mit dem Fahrradclub abgestimmt werden sollen. Zudem soll der Magistrat ermächtigt werden, die notwendigen Grundstücksverhandlungen für den Kreisel mit den Anliegern zu führen.

SPD gibt Abstimmung frei

Der Abstimmung vorausgegangen war eine intensive Diskussion. Denn selbst in den einzelnen Fraktionen herrschte mitunter Uneinigkeit darüber, ob ein Kreisel sinnvoll wäre oder nicht. Dabei wurden städtebauliche als auch verkehrstechnische Begründungen genannt.

Die SPD hatte sogar die Abstimmung für die Fraktionsmitglieder freigegeben - zu unterschiedlich seien die Positionen selbst innerhalb seiner Fraktion, sagte Bernhard Müller (SPD), der sich selbst zu derjenigen Mehrheit seiner Fraktion zählte, die den Kreisel befürworte. Aus diesem Grund bat er, über die drei Punkte der Vorlage getrennt abzustimmen. Argumente gegen einen Kreisel waren neben den zu investierenden 600 000 Euro, die der Kreisel (ohne Zuschüsse durch ISEK, 120 000 Euro mit ISEK-Zuschüssen) kostet, sowohl für Birgit Hahn (SPD) als auch für Ralf Müller (FDP) der Punkt, dass die von der CDU angeführte Wartezeit am Westerfelder Weg praktisch überhaupt nicht ins Gewicht falle. "Ich bin so oft in der Stadt unterwegs und niemals warte ich dort länger als zwei, drei Minuten", sagte Hahn.

Während Hahn und Müller (FDP) zudem anführten, dass ein Kreisel durch den Platzcharakter die Blickachse der künftig noch umzugestaltenden Bahnhofstraße stören würde, so betonte Alexander Jackson (CDU) die Notwendigkeit einer Neubewertung des Verkehrs an der Kreuzung. Gerade im Hinblick darauf, dass der Lidl-Markt nun doch näher an die dort bereits stehenden Reihenhäuser heranrückt, musste die Einfahrt des Supermarkts ohnehin weiter in Richtung Westerfelder Weg und somit in Richtung Kreisel oder Kreuzung verlegt werden.

Die Integration in einen Kreisverkehr anstelle einer Vier-Wege-Kreuzung sei, so Jackson, eine sinnvolle Maßnahme, um das (von Ralf Müller in etwa errechnete) Verkehrsaufkommen von etwa 400 Autos pro Tag auffangen zu können.

"Wir haben uns bewusst für ein Fachmarktzentrum in der Stadt und nicht auf der grünen Wiese entschieden, damit alle Usinger dort auch zu Fuß einkaufen gehen können." Deswegen müsse nun auch für eine Verkehrsleitung gesorgt werden, so Jackson. Da sich durch die Verlegung sowohl der Kreisel als auch die Aufweitung der Kreuzung nur marginal in den Kosten unterscheiden, der Verkehrsfluss an dieser Stelle mit einem Kreisel aber viel kontrollierter ablaufe, warb Jackson, der Vorlage zuzustimmen. "Außerdem vermindert ein Kreisel ja auch die Geschwindigkeit auf der Bahnhofstraße und erhöht damit die Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer", so der CDU-Politiker. Diese Argumente unterstützten sowohl die FWG als auch die AfD.

Grünen-Kritik an Prestigeprojekten

Auch auf die immer wieder vorgebrachte Kritik des ansteigenden Verkehrsaufkommens im Westerfelder Weg ging Jackson ein. "Der Westerfelder Weg wie auch die Stadt Usingen hat sich historisch weiterentwickelt. Die Kernstadt hat mittlerweile alleine 10 000 Einwohner. Der resultierende Verkehr muss über neue Straßen geführt werden." Jannik Richter (Grüne) wiederum verfolgte mit seiner Ablehnung einen ganz anderen Ansatz: Er war der Ansicht, dass die Stadtverordneten dafür gewählt wurden, die wirklichen Probleme der Stadt anzugehen und nicht, um Prestigeprojekte abzusegnen und Supermarktketten die Zufahrten zu ihren Parkplätzen zu ebnen.

Die Stadtverordneten stimmten übrigens ebenfalls bei vier Gegenstimmen der Bauleitplanung zur Neuerrichtung des Lidl-Marktes zu, wenngleich sich beispielsweise Ralf Müller (FDP) gewünscht hätte, dass der Markt vielleicht doch hätte mit Wohnungen überhaupt werden können (was die Supermarktleitung bereits im Vorfeld ausgeschlossen hatte). In Anbetracht der Nähe zu den Reihenhäusern und der schieren Masse einer zwei bis dreistöckigen Wohnbebauung mahnte Jackson, dem Supermarkt keine zusätzlichen Auflagen mit auf den Weg zu geben.

Auch die Auflage, eine Brücke zwischen dem bisherigen Fachmarktzentrum und dem neuen Supermarkt zu errichten, wurde noch nicht zementiert. "Wir sind uns alle einig, inklusive Lidl, dass wir eine Brücke dort haben wollen. Wenn wir das Fass jetzt noch einmal aufmachen, dann muss Lidl noch zwei weitere Jahre warten" mahnte Bürgermeister Steffen Wernard.

Supermarkt in Holzbauweise?

Der Vorschlag von Ellen Enslin (Grüne) wäre sicherlich eine optische Bereicherung: Sie führte das Beispiel eines Lidl-Marktes in Altenstadt an, der vollständig in Holzbauweise mit Photovoltaikanlagen, einem begrünten Dach, Regenwasserrückhaltung, Insektenhotels und einer effizienten Energiespeicherung ausgestattet worden sei. So hätten zumindest die Anwohner der Bahnhofstraße, wenn sie schon ein großes Gebäude direkt vor die Nase gesetzt bekommen, ein gewisses Maß an Grün im Blickfeld.

Michele Chiarlo (AfD) gab den Hinweis, dass am kompletten Fachmarktzentrum Abstellflächen für Motorräder fehlten und bat, dies in die Gespräche mit den Supermärkten mitzunehmen.

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