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Sebastian Walther organisiert und koordiniert die notwendige Waldwege-Sanierung für das Forstamt Weilrod.

Für Waldwirtschaft und Tourismus

Städte und Staatsforst lassen sich Wegebau einiges kosten

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Spaziergänger, Wanderer und Radfahrer gehen in den Wald, um der Allgegenwart der Autos zu entkommen und dort Erholung zu finden. Warum aber werden im Forst einst beschauliche Waldwege zu breiten Pisten ausgebaut?

Rechts und links des Waldweges rankten noch vor kurzem Brombeerhecken, Springkraut und Farne. Bienen gingen auf den Blüten emsig ihrer Arbeit nach, und auch Insekten ohne Zahl tanzten dort am Wegesrand im schräg stehenden Licht der Abendsonne.

Waldromantik pur, von der eine Woche später nichts mehr da ist: Plötzlich steht man vor einer weiten Rollbahn aus Erdreich, Staub und feinem Schotter. Der vor kurzem noch idyllische Waldweg führt nun als breite Schneise vom Feldrand mitten in den Wald hinein. Irgendwie sieht das wie eine Wald-Autobahn aus. Selbst der Hund zeigt sich beim Gassigehen verstört.

„Alle zehn bis 15 Jahre müssen die Waldwege saniert und instand gehalten werden“, teilt dazu Usingens Forstamtmann Karl-Matthias Groß auf TZ-Anfrage mit. „Das ist notwendig, um die Waldwege zu erhalten. Nur durch ein deutlich gewölbtes Profil kann Regenwasser in die Gräben am Wegrand abfließen. Ohne Wegeunterhaltung würden sich Schlaglöcher und Rinnen auf dem Weg bilden. Die Instandhaltung der Wege ist für die Waldeigentümer zugleich Vermögenserhaltung.“

Doch muss dabei gleich so krass und so massiv in das Ökosystem Wald eingegriffen werden? Auch diese Frage wird Revierförstern immer wieder gestellt. Die Antwort darauf ist klar: „Der Waldwegebau erfolgt langfristig. Im Usinger Stadtwald zum Beispiel bewirtschaften wir 1928 Hektar Wald. Schnell wird vergessen, dass Waldwege ursprünglich nicht zu Erholungszwecken angelegt wurden, sondern Wirtschaftswege sind“, erklärt Groß. „Nach dem Holzeinschlag wird das Stammholz an die Wegesränder gerückt. Dort wird es von den Holztransportern dann abgeholt.“

Der Wegebau werde aus den Erträgen der Holzwirtschaft finanziert. Würde man das nicht machen und den Wald sich selbst überlassen, gäbe es im Usinger Stadtwald vielleicht gerade einmal zwei Waldwege – mehr nicht. Für die Erhaltung des 82 Kilometer umfassenden Waldwegenetzes gibt die Stadt Usingen jährlich 50 000 Euro aus.

„Das sind sogar 20 Prozent mehr, als notwendig wären, weil man sich der Bedeutung des Waldes zur Erholung bewusst ist“, sagt Groß, der vor vier Jahren von der Stadt Usingen eingestellt wurde, um den Stadtwald in Eigenregie zu bewirtschaften.

Gleiches gilt für die Stadt Bad Homburg. „Nicht nur der Hardtwald und der Hirschgarten haben einen großen Erholungswert für die Menschen in der Kurstadt. Deshalb pflegen wir die Wege dort ganz besonders“, sagt Revierförster Günter Busch. Fast 60 Kilometer Wegenetz müssen im Bad Homburger Stadtwald erhalten werden. Je nach Dringlichkeit gebe die Stadt zwischen 20 000 und 40 000 Euro pro Jahr für den Wegebau aus. Man versuche, die Wegearbeiten, so Busch, aber nicht im Frühling und Sommer, wenn alles blüht, in Angriff zu nehmen, sondern erst im Herbst. „Dann kommt den Menschen der Eingriff nicht so brutal vor“, sagt Busch.

Das Forstamt Weilrod und das Forstamt Königstein bewirtschaften die Wälder im Auftrag anderer Hochtaunus-Städte und Kommunen, aber auch den Staatswald sowie Privatwälder. Dabei gilt es, im Usinger Land (außer Usingen und Schmitten) – dem Zuständigkeitsbereich der Weilroder – rund 700 Kilometer an Waldwegen zu erhalten. Rund um den Feldberg im Forstamtsbezirk Königstein sind es noch einmal annähernd 500 Kilometer fester Waldwege.

„Alleine im Staatswald, der rund die Hälfte unseres Forstamtsbezirkes ausmacht, geben wir 100 000 Euro für den Wegeerhalt aus. Das ist nur der Materialeinsatz. Hinzu kommen noch die Kosten für den Maschineneinsatz“, sagt Königsteins Forstamtsleiter Ralf Heitmann. „Das ist deutlich mehr, als notwendig wäre. Doch wegen des großen Erholungsdrucks rund um den Feldberg sowie zwischen Altkönig und Fuchstanz müssen die Wege dort in besonders gutem Zustand erhalten werden.“

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