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»Starke Sieben« für die Region

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Werbung für den zu gründenden LEADER-Verein und die Teilnahme an der Zukunftsgestaltung: Moderatorin Viola Krieger (stehend, rechts) befragt Dr. Nikolaus Bretschneider-Hermann und Dr. Ulrich Wendt (links) von Bischoff und Partner. © Red

Hochtaunuskreis. Die Abkürzung ist zum Glück einfacher als der Name: »Liaison Entre Actions de Développement de l’Économie Rurale«, kurz LEADER, ist eigentlich nichts anderes als ein europäisches Programm zur Verbindung von Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft. Es geht auch noch einfacher: Bringt den ländlichen Raum mit Bürgerbeteiligung auf Trab.

Und genau dies war am Mittwoch in Usingen das große Thema für die sieben Kommunen Usingen, Neu-Anspach, Wehrheim, Weilrod, Grävenwiesbach, Schmitten und Glashütten. Das auch »starke Sieben« genannte Bündnis will sich nämlich am Fördertopf der EU laben, um die Region anzuschieben. Und wie, das hatten in den vergangenen Monaten Workshops, Befragungen und Aktionen ergeben, alles unter der Anleitung des Fachbüros Bischoff und Partner aus Limburg.

Mit dem Treffen im Saal der Usinger Christian-Wirth-Schule (CWS) fand diese Vorbereitung nun ihren Abschluss. Dieser ist mit eine Voraussetzung, damit der Antrag an die EU geschickt werden kann. Alle Beteiligten zeigten sich vor rund 60 Bürgern zuversichtlich, dass man auch in den Genuss des Programms kommt. Denn was die beteiligten Bürger aus allen Kommunen ausgearbeitet und an Ideen eingebracht haben, kann sich sehen lassen. Für jede Kommune stehen nur Maßnahmen auf einer Liste, die am jeweiligen Ort wirtschaftlich, sozial oder kulturell, aber auch touristisch ein Fortschritt wären.

Vier große Themenbereiche

Aufgeteilt und vorgegeben sind mögliche Maßnahmen in »Gleichwertige Lebenssituationen und Daseinsvorsorge«, »Entwicklungsräume für Naherholung«, »Wirtschaftliche Entwicklung« und »Bioökonomie/nachhaltiges Konsumverhalten«. Über allem steht aber, dass alle Maßnahmen in der Region miteinander vernetzt sind, die Kommunen Hand in Hand arbeiten, sich ergänzen, helfen und über Grenzen hinweg Chancen für die Entwicklung nutzen sollen.

Um nun auch entsprechende Vorschläge machen zu können, mussten natürlich auch Zahlen auf den Tisch. Da hatte Bischoff und Partner gut vorgearbeitet und viele Daten und Fakten über die Region zusammengetragen. Etwa, dass es im Hochtaunus 1800 Vereine gibt, dass die Region einen Zuwachs von vier Prozent an Bürgern verzeichnet (2011 bis 2023), das Durchschnittsalter von 45 jetzt auf 48 2035 steigen wird, 46 Ortsteile eingebunden werden müssen, 65 000 Einwohner vorhanden sind, der Wald mit 53 Prozent die größte Fläche stellt, Gewässer nicht mal ein Prozent umfassen und Siedlung und Straßen 16 Prozent.

Entwicklungspotenzial sehen die Bürger an vielen Stellen. In Glashütten etwa mit einem Begegnungscafé für alle Generationen, in Merzhausen mit einem Sport- und Fitnesspark, einer Multisport-Arena in Michelbach, einer Dirt-Bike-Strecke in Neu-Anspach, einer Pump-Truck-Strecke in Obernhain, einem Mehrgenerationenhaus in Weilrod und vielem mehr.

Für Touristen wäre ein ökologischer Wald-Wohnmobil-Platz in Niederlauken möglich. Auch am Hattsteinweiher Usingen könnten Camper eine Heimat finden, wo auch eine barrierefreie Toilette auf der Agenda steht.

Bei der Wirtschaft ist die Liste kürzer, aber vorstellbar wären Initiativen wie die Gründung einer Privatbrauerei in Wehrheim. Was die Bioökonomie betrifft, liegt der Schwerpunkt auf der Direktvermarktung der heimischen Produkte und Angebote, um kurze Lieferketten zu haben und die Region zu stärken. - regionale Wertschöpfung eben.

Spannend war bei der Vorbereitung eine Umfrage unter Jugendlichen - mit durchwachsener Bewertung für die Region. Viele sehen in der Heimat wenig Entwicklungschancen für sich selbst, es gab aber auch zahlreiche Vorschläge. Die reichten von der Einrichtung von Skaterbahnen über Mountainbike-Strecken bis hin zu Treffs und Sportmöglichkeiten. Moniert wurde aber auch, dass die Jugend zu wenig Mitspracherecht habe - etwa in Jugendgremien.

Zwei Millionen Euro in fünf Jahren

Das alles ist vorerst nur Theorie, nun muss die LEADER-Region Hoher Taunus erst einmal ins Förderprogramm aufgenommen werden. Dann gäbe es für fünf Jahre insgesamt zwei Millionen Euro Fördergelder. Wie dies auf die Projekte verteilt wird, entscheidet ein noch zu gründender Verein zusammen mit dem Regionalmanagement der LEADER-Region. Die Politik ist übrigens außen vor - in diesem Fall haben die Bürger das Sagen, so sie sich denn in dem Verein engagieren.

Für den konnte man sich am Mittwoch bereits in Listen eintragen. Der ehemalige Leiter des Amtes für ländlichen Raum, Dr. Nikolaus Bretschneider-Herrmann, wurde »zwangsverpflichtet«, den Verein nach den Sommerferien organisatorisch anzugehen.

Mit der Bewerbung um die Anerkennung als LEADER-Region ist das Ganze nicht abgeschlossen - im Gegenteil. So forderten die Vertreter von Bischoff und Partner alle Bürger auf, sich weiter mit Ideen für ihren Ort oder für ihre Region zu beteiligen.

Viola Krieger und Sonja Dimter moderierten den Abend und wiesen immer wieder darauf hin, dass auch nach Anerkennung der Prozess mit Ideen und Änderungen von Projekten längst nicht abgeschlossen sei. Roland Seel (CDU), der als Bürgermeister von Grävenwiesbach die Einleitung übernommen hatte und die wegen Corona ausgedünnten Reihen der Bürgermeister vertrat, betonte, dass es mit der einen Bewerbung um die LEADER-Region nicht getan sein müsse. »Wir können uns in fünf Jahren wieder bewerben und dann die Projekte angehen, für die im ersten Durchgang keine Zeit oder kein Geld vorhanden war.«

Aufruf zum Mitmachen

Den Abschluss bildete ein kurzes Gespräch mit Bretschneider-Herrmann und dem Chef von Bischoff und Partner, Dr. Ulrich Wendt, die gemeinsam noch einmal darum warben, dem Verein beizutreten, sich bei den bereits aufgelisteten Projekten einzubringen, neue zu kreieren und auch bei der Wahl der Reihenfolge zu helfen. Gerade Letzteres wird Diskussionen auslösen, denn zwei Millionen Euro für fünf Jahre lassen nicht zu, alle Projekte anzugehen, zumal dann sicher auch die Stadtkassen gefordert sein werden.

Wichtig: Die Bewerbung muss nun bis Ende Mai raus. Dann steht die Entscheidung an. Klappt’s, startet die LEADER-Region Hoher Taunus am 1. Januar 2023 - weitere Bewerbungen sind nicht ausgeschlossen. Bis dahin muss dann auch der besagte Verein gegründet sein.

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