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Der Drogerie-Markt hat im Februar eröffnet. Doch die 34 Wohnungen an der Eschborner Straße/Ecke Im Taubenzehnten sind nicht fertig - und die Baustelle ruht.

Eschborner Straße

Bauarbeiten am Steinbacher Ortseingang ruhen - Projektentwickler hat Insolvenzantrag gestellt

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Ein Baustoff-Silo, Steine und Paletten sind noch da - Bauarbeiter nicht. Die Baustelle an der Eschborner Straße wurde stillgelegt. Der Projektentwickler, die "AZP Projekt Steinbach GmbH", hat Insolvenzantrag gestellt und wirft dem zuständigen Architekturbüro Planungsfehler vor.

Steinbach - Wohnen mit Blick auf die Skyline: Damit hatte der Investor bei der Vorstellung seines Bauvorhabens "Steinbacher Terrassen" an der Ecke Eschborner Straße/Im Taubenzehnten Anfang 2016 geworben. Gut drei Jahre später schauen die Käufer der 34 Eigentumswohnungen in die Röhre. Das Bauprojekt ist immer noch nicht abgeschlossen - und wann sie einziehen können, wissen sie nicht.

Vergangene Woche wurde die Baustelle stillgelegt. Denn der zuständige Projektentwickler, die "AZP Projekt Steinbach GmbH", hat am 6. Mai Insolvenzantrag beim Amtsgericht Frankfurt gestellt. Dr. Hans Georg Deckert, Geschäftsführender Gesellschafter der "AZP Holding GmbH", nennt als Gründe zum einen den plötzlichen Tod eines Geschäftsführungskollegen, eines ausgebildeten Architekten, durch den Know-how verlorengegangen sei, zum anderen Fehler des zuständigen Architekturbüros.

"Das Anfang Februar fristlos gekündigte und auch mit der Bauleitung beauftragte Architekturbüro für das Projekt hat eine massive Kostensteigerung und zudem erhebliche Planungsmängel am Bau verursacht", heißt es in einem Schreiben Deckerts an die Wohnungskäufer, das dieser Zeitung vorliegt. Weiter ist da zu lesen: "Nach Sichtung der Unterlagen und der Aufnahme der Mängel durch einen Gutachter übersteigen die Kosten bis zur Fertigstellung die Einnahmen, so dass die wirtschaftliche Perspektive nicht mehr gegeben ist, die Gesellschaft aus eigenen Kräften weiterzuführen."

Auf Nachfrage dieser Zeitung heißt es, ursprünglich sei eine Investition von etwa 13,4 Millionen Euro geplant gewesen. Zurzeit werde mit einer Kostensteigerung von drei bis vier Millionen Euro gerechnet. Eine exakte Aussage bezüglich der Kostensteigerung werde gerade erarbeitet.

Architekt wehrt sich

Nach Darstellung Deckerts werden dem Architekturbüro Mängel nicht nur in der Planung, sondern auch in der Ausführung und Bauleitung vorgeworfen. Zudem seien "durch die widerrechtliche Leerräumung unseres Bauleiterbüros inklusive aller Unterlagen erhebliche Schäden" entstanden.

Das beschuldigte Architekturbüro - es handelt sich um ein anderes Unternehmen als in der Anfangsphase des Projekts - weist die Vorwürfe auf Anfrage dieser Zeitung zurück: "Die gegen unser Architekturbüro gerichteten Behauptungen sind unbegründet."

Deckert, der auch Geschäftsführer des vermarktenden Immobilienunternehmens Blumenauer in Kronberg ist, hat einen Fragenkatalog dieser Zeitung schriftlich, in Absprache mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Dr. Stephan Laubereau, beantwortet.

Nachdem Lösungsversuche in den vergangenen Wochen gescheitert seien, signalisieren Deckert und der Insolvenzverwalter, das Projekt in Steinbach gleichwohl fertigstellen zu wollen. Zum Zeitpunkt machen sie jedoch keine Angaben. Ziel sei, die Arbeiten "in den nächsten Wochen" wieder aufzunehmen und die Gebäude "zeitnah" fertigzustellen. 80 bis 85 Prozent des Baus seien fertig, erklärt Deckert.

Die 34 Wohnungen waren zu Quadratmeterpreisen ab rund 3200 Euro angeboten und an 32 Käufer veräußert worden. Die Käufer möchten sich offiziell noch nicht in der Presse äußern. Dass die verspätete Fertigstellung der Immobilie manch einen vor große Probleme stellt, der aus seinem alten Zuhause ausziehen muss, liegt nah. Möglich ist auch, dass die Käufer finanziell nachlegen müssen.

Außer den Wohnungskäufern sind auch Kapitalgeber von der Insolvenz betroffen. Über eine Investing-Plattform hatten 522 Anleger der Gesellschaft 966 000 Euro geliehen. Die Verzinsung sollte bei jährlich sechs Prozent liegen.

Hoffen auf Versicherung

Deckert und der Insolvenzverwalter erwarten seitens der Versicherung des Architekturbüros "einen erheblichen Mittelrückfluss". Der mögliche Überschuss solle zur Begleichung offener Forderungen "wie zum Beispiel auch von den Investoren" eingesetzt werden. Das werde aber "einen erheblichen Zeitraum beanspruchen", und die Höhe sei "noch überhaupt nicht bezifferbar".

Dass die Baustelle am Rande des Neubaugebiets Taubenzehnter I ruht, gefällt auch der Stadtverwaltung nicht. "Wir haben großes Interesse, dass das Bauprojekt fertiggestellt wird", sagt Erster Stadtrat Lars Knobloch (FDP). Schließlich handelt es sich um das Stadt-Entrée aus Richtung Eschborn kommend. Dort möchte niemand einen unfertigen Bau stehen haben. Die Stadt sei deshalb in engem Kontakt mit dem Beirat der Erwerbergemeinschaft, dem Insolvenzverwalter und Deckert.

Bleibt die Frage, welche Folge Insolvenz und Bauverzögerungen für die Rossmann-Drogerie haben, die bereits im Februar im Erdgeschoss des Gebäudekomplexes eröffnet wurde. "Der ansässige Drogeriemarkt ist durch die Insolvenz nicht betroffen", teilt Deckert mit.

Die "AZP Projekt Steinbach GmbH" ist auch für ein Bauvorhaben gar nicht weit entfernt von Steinbach verantwortlich. Sie entwickelt das Gelände des früheren Nassauer Hofs im Kronberger Stadtteil Oberhöchstadt - und hält offenbar an diesen Plänen fest.

Die Traditionsgaststätte war im vergangenen Jahr abgerissen worden. Dort sollen Eigentumswohnungen plus Gewerbeeinheit entstehen.

"Die Baugenehmigung liegt vor", erklärt Geschäftsführer Dr. Hans Georg Deckert auf Anfrage dieser Zeitung. Die Architektenpläne seien fertiggestellt, beauftragt sind die Architekten, die anfangs für Steinbach zuständig gewesen waren - nicht die dort jetzt gekündigten. "In den nächsten Wochen erwarten wir den Start der Erdarbeiten, abhängig von der Klärung des Steinbacher Projektes", sagt Deckert. Reservierungen von Interessenten lägen bereits vor.

Auch für dieses Projekt war Kapital über eine Investing-Plattform generiert worden. Die Rede ist von 897 000 Euro von 453 Anlegern. Verzinsung: jährlich 6,5 Prozent.

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