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Was kostet das Trinkwasser? Das ist eine der Fragen, um die es in Steinbach geht.

Unglaubliche Hitze

Rekordhitze: Für Bürger wird das Wasser erst mal billiger

Das Thema beschäftigt die Steinbacher Stadtpolitik seit Jahren, nun steht es vor dem Abschluss. Der Haupt- und Finanzausschuss hat einstimmig dafür votiert, dass die Stadt die Mehrheit der Anteile an der Wasserversorgung Steinbach GmbH kauft. Damit wird die Struktur nach mehr als 20 Jahren geändert.

Steinbach - Der Hochsommer kommt mit knapp 40 Grad daher - da stehen die Pulle Trinkwasser oder eine kühlende Dusche ziemlich weit oben auf der Liste der beliebten Erfrischungen. Aus Verbrauchersicht gilt dann: Je weniger er fürs Wasser zahlen muss, umso besser.

Von daher dürften sich die Steinbacher freuen, dass ihr Trinkwasser billiger werden soll. Zurzeit kostet der Kubikmeter 2,71 Euro netto, von Januar an dann 2,61 Euro. Das haben die Stadt Steinbach und die Wasserversorgung Steinbach GmbH, bislang eine alleinige Tochter der Stadtwerke Oberursel, als Teil eines umfassendes Vertragskonstrukts ausgehandelt: Rückwirkend zum 1. Juli dieses Jahres übernimmt die Stadt Steinbach 51,1 Prozent der Anteile an der Wasserversorgung Steinbach GmbH.

Parlamente gefragt

Dafür hat der Haupt- und Finanzausschuss des Steinbacher Stadtparlaments am Mittwochabend einstimmig votiert. Davon, dass das Parlament am 19. August ebenfalls sein Okay gibt, ist auszugehen. Die Oberurseler Stadtverordneten sollen am 19. September zustimmen.

Zurück zum Preis: Die Senkung ist noch vom neu zu besetzenden Aufsichtsrat, dessen Vorsitzender kraft Amtes Bürgermeister Steffen Bonk (CDU) ist, abzusegnen. Dem Vernehmen nach soll das - weil Teil der Abmachung - auch geschehen. Allein: Ob der niedrigere Preis von langer Dauer ist, ist fraglich.

Keine eigenen Quellen

Denn: "Ich habe zwar gesagt, dass eine Senkung des Preises machbar ist, aber ich habe es nicht befürwortet", sagte Jürgen Funke, Geschäftsführer der Stadtwerke Oberursel und der Wasserversorgung Steinbach, in der Ausschuss-Sitzung. "Ich glaube nicht, dass wir das lange durchhalten." Einen Preis zu senken, sei leicht, ihn wieder anzuheben schwerer. Trotzdem könnte das notwendig werden. Darauf wollte er rechtzeitig hingewiesen haben, betonte Funke.

Zu dieser Zeitung sagte er, dass der Vertrag zwischen dem Wasserbeschaffungsverband Taunus, von dem Steinbach sein Wasser bekommt, und der Hessenwasser GmbH Ende 2020 ausläuft. Sprich: Mit steigenden Beschaffungskosten könnten auch die Preise für Verbraucher nach oben gehen. Zumal Steinbach keine Quellen hat und laut Funke "zu 100 Prozent fremdbeliefert" wird. "Steinbach hängt voll am Tropf", sagte der Geschäftsführer.

Die Preisfrage ist das, was Bürger an der Neuorganisation der Wasserversorgung interessieren dürfte. Gleichwohl hat diese noch weitere Aspekte: Nachdem Steinbach zum Jahresbeginn 1998 sein Wassernetz an die Oberurseler Stadtwerke verkauft hatte, hatte in den vergangenen Jahren der damalige Bürgermeister Dr. Stefan Naas (FDP) einen Rückkauf des Netzes vorangetrieben. Lange sah es auch so aus, als werde die Politik dem folgen.

Doch seit einigen Monaten hatte sich der Anteilsankauf als Alternative entwickelt. "Das ist auf CDU-Linie", zeigte sich Holger Heil für die Christdemokraten erfreut. Die Union hatte einen Kauf des gesamten Netzes 2018 abgelehnt, nun stimmte sie mit der FDP/SPD-Koalition und den Grünen.

Die Stadt Steinbach hat die Option, die übrigen Anteile nach zehn Jahren noch zu erwerben. Jetzt zahlt sie für ihre 51,1 Prozent rund 920 000 Euro. Außerdem fallen Transaktionskosten an, die sich aus Honoraren für die eingeschalteten KPMG-Wirtschaftsprüfer und Notarkosten zusammensetzen. Wie Rathauschef Bonk auf Nachfrage dieser Zeitung sagte, handelt es sich bei den Transaktionskosten um einen sechsstelligen Betrag, der allerdings unter den einst als Zahl kursierenden 350 000 Euro liege.

Nach der Neuorganisation bekommt Steinbach eine Konzessionsabgabe von jährlich 40 000 Euro und ist außerdem anteilsgemäß am Gewinn beteiligt, dessen Höhe Funke unlängst mit 100 000 bis 200 000 Euro jährlich angegeben hatte. "Wir hoffen, dass wir Geld verdienen, um Ihren Haushalt bedienen zu können", sagte er jetzt im Ausschuss.

von Stefanie Heil

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