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Unternehmer, Politiker, Hobby-Fußballer - und junger Vater: Lars Knobloch (50) ist oft von früh bis spät engagiert und unterwegs.  

Interview mit Lars Knobloch

"Ich sehe im Ehrenamt eine Erfüllung"

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Erster Stadtrat Lars Knobloch (FDP) spricht über seine Zeit als Interims-Bürgermeister und schaut auf die Kommunalwahl 2021.

Steinbach – Lars Knobloch gehört zu den führenden Akteuren in Steinbach: Er ist Vorsitzender der FDP und hat als Erster Stadtrat und Bürgermeister-Vertreter gerade acht Monate lang die Geschicke im Rathaus geleitet. Zudem ist er Geschäftsführer des Fisch-Unternehmens Krone. Am heutigen Dienstag wird Lars Knobloch 50 Jahre alt. Im Gespräch mit TZ-Redakteurin Stefanie Heil erzählt er unter anderem, wie er die Arbeit im Rathaus erlebt und was er mit den Liberalen vorhat:

Herr Knobloch, Sie werden am heutigen Dienstag 50 Jahre alt. Was hat Sie in Ihrem Leben am meisten geprägt?

Stark geprägt haben mich natürlich meine Eltern. Von beiden habe ich die Leidenschaft für den Beruf übernehmen dürfen. Meine Mutter hat sich ja auch sehr stark gesellschaftlich engagiert - dieses Gen habe ich wohl von ihr.

Sie sind in Steinbach ein "Player" in der Stadtgesellschaft: Kommunalpolitiker, Unternehmer, in Vereinen engagiert. Als was würden Sie sich bezeichnen?

Als jemand, der Freude hat, sich ehrenamtlich für diese Stadt zu engagieren und mit anderen etwas zu bewegen - und der auch bereit ist, dafür Zeit zu investieren.

Etwa acht Monate haben Sie als Erster Stadtrat die "Bürgermeister-Lücke" zwischen Ihrem FDP-Kollegen Stefan Naas und Steffen Bonk (CDU) überbrückt und die Geschäfte im Rathaus geführt. Wie fällt Ihre Bilanz dieser Zeit aus?

Das müssten Sie eher die Steinbacherinnen und Steinbacher fragen . . . Aus meiner Sicht haben wir die großen Projekte, die vor uns lagen, alle erfolgreich auf den Weg gebracht, die Beteiligung am Wassernetz, die Machbarkeitsanalyse Feuerwehrgerätehaus und Rathaus sowie die Standortanalyse für die neue Kita. Sehr wichtig war für mich auch unser Wohnungsbauprojekt, das wir zusammen mit dem Volks-Bau-und-Sparverein entwickelt haben - am Hessenring entstehen bezahlbare Wohnungen für Senioren und junge Familien. Das waren die großen Themen, und die sind alle gelungen.

Wie fassen Sie die Bilanz in einem Satz zusammen?

Ich glaube, dass wir so gut regiert haben, dass niemand gemerkt hat, dass Steinbach keinen hauptamtlichen Bürgermeister hat.

Was war Ihre überraschendste Erkenntnis?

Es ist ja nicht so, dass ich ins kalte Wasser gesprungen bin, ich war ja zuvor schon Erster Stadtrat. Insgesamt muss ich sagen, dass es eine sehr schöne Zeit war, weil wir einen tollen Teamgeist im Rathaus und auch in der Kommunalpolitik einen sehr guten Umgang haben.

Und was hat Sie am meisten ernüchtert?

Dass es immer Grenzen gibt. Mit dem kleinen Team in der Stadtverwaltung leisten wir schon Unglaubliches. Aber manches kann man nicht umsetzen, weil es personell unmöglich ist.

Hat Sie diese Aufgabe erfüllt?

Ja, unbedingt. Erfüllung ist ein sehr schönes Wort. Das habe ich durchaus gespürt in diesen acht Monaten. Es gibt positive Rückmeldungen von Bürgern, und es ist schön, wenn man zusammen etwas in dieser Stadt gestaltet.

Da ist es doch schwer, hinter Steffen Bonk wieder ins zweite Glied zu rücken, oder?

Steinbach ist meine Heimatstadt, die mir viel bedeutet und am Herzen liegt. Es ist kein Geheimnis, dass ich mich gern um das Amt des Bürgermeisters beworben hätte, wenn es beruflich möglich gewesen wäre. Steffen Bonk ist der gewählte Bürgermeister, und ich bleibe Erster Stadtrat.

Wie ist jetzt die Aufgabenverteilung zwischen Ihnen?

Ich schätze Steffen Bonk persönlich sehr und werde mit ihm eng und vertrauensvoll zusammenarbeiten. Ich werde auch in Zukunft an allen relevanten Sitzungen in Verwaltung und Politik teilnehmen und kann mich dadurch in gleichem Maße wie unter Bürgermeister Stefan Naas einbringen.

Viele Steinbacher - nicht nur FDP-Anhänger - hätten Sie gern als Kandidaten gesehen . . .

Ich würde sagen, dass es spürbare Sympathien für eine Kandidatur von mir gab. Aber am Ende bin ich eben aus Verantwortung meinen Mitarbeitern gegenüber nicht angetreten.

Können Sie sich vorstellen, bei der nächsten Bürgermeisterwahl zu kandidieren?

Wir haben einen Bürgermeister, der gerade sein Amt angetreten hat. Wir tun alle gut daran, uns jetzt mit ihm zusammen zum Wohle der Stadt Steinbach zu engagieren und nicht darüber zu spekulieren, wer in sechs Jahren zur Wahl antritt. Das ist im Moment kein Thema.

Wie hat die FDP das Ausscheiden ihrer Bürgermeisterkandidatin Astrid Gemke im ersten Wahlgang mittlerweile analysiert?

Für uns war das ein großer Schock, das war ja am Wahlabend spürbar. Wir hatten alle mit einem anderen Ergebnis gerechnet, und Astrid Gemke hätte es aufgrund ihres guten, engagierten Wahlkampfs verdient gehabt. Aber ein Wahlergebnis kommt nicht aus dem Nichts. Es gibt viele Dinge, die dazu führen. Wir haben das in Ruhe analysiert und schauen jetzt nach vorne.

Sie hatten für Ihre Vertretung im Rathaus den FDP-Parteivorsitz ruhen lassen, nun haben Sie ihn wieder übernommen. Was sind jetzt die dringendsten Aufgaben für den Parteichef?

Ich will daran mitarbeiten, dass wir als FDP eine offenere und modernere Partei werden, und zwar als FDP allgemein und als Ortsverband Steinbach - und dass wir den Leuten interessantere Angebote machen, sich zu beteiligen. Ich glaube, dass die Parteienlandschaft in Deutschland vor unglaublichen Umwälzungen steht, darin liegt für uns als FDP eine große Chance. Man sieht ja, welche Probleme die Volksparteien haben. Die Menschen wollen keine Politik mehr, die in Hinterzimmern gemacht wird, die Ergebnisse aus dieser Art von Politik kann man ja gerade in Brüssel sehen. Wir müssen noch viel mehr darauf hören, was die Leute beschäftigt, und ihnen die Möglichkeit geben, sich zu beteiligen. Und wir müssen Antworten auf die großen Fragen unserer Zeit finden.

Was heißt das für Steinbach?

Dass wir bei der Gestaltung des Wahlprogramms für die Kommunalwahl 2021 die Bürger stärker einbinden werden.

Was heißt "Bürger einbinden" konkret?

Lassen Sie sich überraschen, da wird einiges passieren.

Nach 39 Prozent bei der Kommunalwahl 2016 ist die Fallhöhe für die Liberalen 2021 hoch . . .

Wir wollen weiter regieren. Wir streben ein Wahlergebnis an, das eine Beteiligung der FDP möglich macht.

Wie soll sich die FDP Ihrer Ansicht nach gegen die Mitbewerber behaupten? Es kommt ja noch die AfD hinzu.

Wir müssen darauf hinweisen, was wir erreicht haben. Die Entwicklung der Stadt Steinbach in den letzten zehn Jahren ist eine Erfolgsgeschichte, daran haben wir als FDP einen entscheidenden Anteil. Den Weg, den wir eingeschlagen haben, wollen wir fortsetzen.

Nennen Sie mal Beispiele!

Wir wollen die Entwicklung der Stadt, die sich im baulichen und im sozialen Bereich widerspiegelt, weiter vorantreiben. Ganz wichtig ist, dass wir bis 2023 die Maßnahmen des Städtebauprogramms Soziale Stadt erfolgreich abschließen und dass wir die sozialen Errungenschaften über die Soziale Stadt hinaus erhalten. Da müssen wir uns als Stadt engagieren, aber es muss eben auch übers ehrenamtliche Engagement funktionieren.

Geben Sie als Ziel aus, dass die FDP 2021 wieder stärkste Kraft wird?

Ich gebe das Ziel aus, dass die FDP wieder mitregiert. Wenn wir dann noch die stärkste Partei werden, wäre das schön.

Mitregieren hieße unter Umständen, der kleinere Partner zu sein. Das wäre ja ein Schritt zurück . . .

Ich glaube, dass wir auch als kleinerer Partner viele Jahre erfolgreich Politik gemacht haben. Wichtig ist es, weiter gestalten zu können und die eigenen Themen auf den Weg zu bringen. Es geht um Inhalte.

Treten Sie selbst wieder an?

Ja. Ich werde sicher Teil einer starken FDP-Liste sein.

Die Freien Demokraten bilden im Stadtparlament eine Koalition mit der SPD. Wie fällt Ihre Zwischenbilanz aus?

Wir haben Steinbach sehr erfolgreich und verantwortungsbewusst regiert und werden das bis zum Ende der Wahlperiode weiter tun. Wir haben viele Themen, die wir angekündigt haben, schon umgesetzt.

Wie viel Arbeit und gutes Zureden des Parteichefs sind nötig, um die natürlichen Differenzen zwischen Freien und Sozialdemokraten zu überbrücken?

Viel weniger, als die meisten denken. In einer gut funktionierenden Koalition wie der unsrigen ist es wie in einer Familie. Da ist man mal anderer Meinung und diskutiert, aber am Ende geht man einen gemeinsamen Weg.

Ist liberal-sozial auch ein Modell für die kommende Wahlzeit?

Natürlich ist es eine Option, diese erfolgreiche Koalition fortzusetzen.

Würden Sie mit der AfD zusammenarbeiten?

Das schließe ich vollkommen aus.

Blicken wir auf Ihr Unternehmen Krone-Fisch, in dem Sie gemeinsam mit Ihrer Frau Mirjam Knobloch und Ralph Ziegelmeier die Geschäfte führen: Wie ist die wirtschaftliche Lage zurzeit? Das ist ja auch interessant, weil Sie einer der größten Gewerbesteuerzahler der Stadt sind.

Wir befinden uns in einem schwierigen Umfeld, weil sich der Markt sehr stark konsolidiert. Für uns ist das eine herausfordernde Zeit, aber wir haben uns immer gut behauptet am Markt. Wir sind für den "Lieblingslachs" 2018 als beste Neueinführung in ganz Deutschland ausgezeichnet worden und machen jetzt einen Marken-Relaunch. Die Marke Krone-Fisch wird neu und moderner aussehen. Wir gehen selbstbewusst in die Zukunft, aber wir wissen auch, dass es aufgrund der Marktsituation für uns nicht leichter wird. Wir haben uns entschieden, uns auf Bereiche zu konzentrieren, in denen man innovativ sein kann. Wir verabschieden uns jetzt von den Heringsprodukten, da man in diesem Bereich kein Geld mehr verdienen kann. Wir setzen jetzt stärker auf das Lachs- und Garnelen-Sortiment.

Gehen Ihre Umsätze zurück?

Insgesamt sind sie bei uns stabil. Wenn man so einen großen Bereich wie den Hering abgibt, hat das Auswirkungen. Aber wir gewinnen im Lachs-Bereich dazu.

Vor vier Jahren hieß es, Sie denken über Erweiterung, Anbau oder Neubau nach, dann hat man davon nichts mehr gehört. Warum?

Weil wir es geschafft haben, über eine bessere Logistik und Standorte, die wir zusätzlich mieten konnten, Raumbedarfe abzudecken.

Sind mittelfristig Investitionen in Steinbach geplant?

Im Moment nicht.

Können Sie versprechen, in Steinbach zu bleiben?

Ja. Ganz sicher.

Unternehmensführung, Kommunalpolitik, außerdem sind Sie im Januar Vater geworden und sind in Vereinen aktiv. Kommen Sie noch zum Schlafen?

Regelmäßig. Ich brauche nicht viel Schlaf. Ich gehe spät ins Bett und stehe morgens sehr früh auf.

Wie viel Zeit bringen Sie für Beruf und Ehrenamt auf?

Ich gehe morgens um 7 Uhr aus dem Haus und komme oft abends spät nach Hause. Ich habe aber zum Glück eine sehr verständnisvolle und tolerante Frau, die mich stark unterstützt. Das Ehrenamt macht sicher viel Arbeit, aber es macht auch große Freude. Ich sehe im Ehrenamt eine Erfüllung und erlebe schöne Momente. Dafür bin ich sehr dankbar.

Am 50. Geburtstag zieht man Zwischenbilanz und blickt voraus: Was wollen Sie unbedingt noch erreichen?

Beruflich ist mein Ziel, dass Krone die stärkste Fisch- und Feinkostmarke in Deutschland wird. Kommunalpolitisch möchte ich mich so für Steinbach engagieren, wie ich es in der Vergangenheit getan habe. Ich möchte aber auch die FDP über Steinbach hinaus weiter unterstützen. Privat kann ich mir nur wünschen, dass es so bleibt, wie es ist. Ich bin sehr glücklich verheiratet und möchte erleben, wie meine Tochter zu einem glücklichen und selbstbewussten Menschen heranwächst.

Die Menschen wollen keine Politik mehr, die in Hinterzimmern gemacht wird.

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