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58 Sozialwohnungen in Steinbach bleiben Sozialwohnungen

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Von: Manuela Reimer

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Wirtschaftsstaatssekretär Jens Deutschendorf (2. v. r.) übergibt den Förderbescheid an Jörg Schumacher vom Vorstand der VBS eG. Darüber freuen sich auch (v. l.) Erster Stadtrat und VBS-Aufsichtsratsmitglied Lars Knobloch (FDP), Ex-Bürgermeister und MdL Dr. Stefan Naas (FDP) sowie Rathauschef Steffen Bonk (CDU).
Wirtschaftsstaatssekretär Jens Deutschendorf (2. v. r.) übergibt den Förderbescheid an Jörg Schumacher vom Vorstand der VBS eG. Darüber freuen sich auch (v. l.) Erster Stadtrat und VBS-Aufsichtsratsmitglied Lars Knobloch (FDP), Ex-Bürgermeister und MdL Dr. Stefan Naas (FDP) sowie Rathauschef Steffen Bonk (CDU). © mrm

Der hessische Wirtschaftsstaatssekretär übergibt einen Förderbescheid über 950 000 Euro für den Erhalt der Sozialbindung in der Berliner Straße 40 für die kommenden zehn Jahre an die Wohnungsbaugenossenschaft VBS.

Eine preisgünstige Bleibe oder Sozialwohnung zu finden, ist im Ballungsraum zunehmend schwierig: In den Kommunen in der Rhein-Main-Region kann das Angebot nicht mit der Nachfrage Schritt halten, auch im Hochtaunus, und dass Jahr für Jahr öffentlich geförderte Wohnungen aus der Sozialbindung fallen, verschärft das Problem. Ein Thema, über das man sich auch in Wiesbaden den Kopf zerbricht - wo man gegensteuern will: "Die Verlängerung auslaufender Sozialbindungen bereits bestehender Wohnungen trägt entscheidend zur Sicherung bezahlbaren Wohnraums bei", sagt Wirtschaftsstaatssekretär Jens Deutschendorf (Grüne). "Die Mittel für die Wohnraumförderung wurden erheblich aufgestockt und die Förderkonditionen deutlich verbessert", weiß Deutschendorf am Donnerstag bei einem morgendlichen Besuch in Steinbach zu berichten.

Im Gepäck hat der Stadtplanungsingenieur aber nicht nur warme Worte, sondern auch eine knapp eine Million Euro schwere Förderzusage, die er vorm Wohnhaus Berliner Straße 20 an Jörg Schumacher übergibt, Mitglied im Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft Volks- Bau- und Sparverein Frankfurt am Main (VBS eG).

Als größter Wohnungsbaugenossenschaft in Frankfurt gehören der VBS eG 4300 Wohnungen in der Mainmetropole und Steinbach, darunter 960 Sozialwohnungen; 270 davon befinden sich in Steinbach. Den Erhalt jener 58 Sozialwohnungen, die sich im Haus Berliner Straße 20 befinden, sichern die insgesamt 950 000 Euro aus Wiesbaden - die Landesmittel machen eine Verlängerung der Sozialbindung um zehn Jahre möglich. Greifen wird sie von 2024 an, Ende 2023 würden die Wohnungen - zusammen 3200 Quadratmeter Wohnfläche - ohne das Fördergeld aus der Bindung fallen. Die Wohnungen in Steinbach waren Ende der Sechzigerjahre mit einem Landesbaudarlehen hochgezogen worden. "Der Zuschuss des Landes Hessen trägt maßgeblich dazu bei, dass die Mieten bezahlbar bleiben", unterstreicht VBS-eG-Vorstandsmitglied Schumacher. Die Durchschnittsmiete liege bei rund fünf Euro, "und dank der Sozialbindung wird es dabei bleiben". Schumacher: "Das ist ein starkes Signal nach außen, auch für eine Genossenschaft. Wir haben uns bewusst entschieden, in die Verlängerung zu gehen."

Baugenossenschaft hofft

auf Nachahmer

Der politische Wille, Sozialbindungen zu verlängern, passe "ideal" zur genossenschaftlichen Philosophie, bezahlbare Wohnungen für breite Bevölkerungsschichten bereitzustellen, und sei gerade in Zeiten "explodierender Baukosten" eine gute Alternative, entsprechenden Wohnraum sicherzustellen. Über den Bewilligungsbescheid freue man sich deshalb "total", so Schumacher. Gleichzeitig hofft die Wohnungsbaugenossenschaft auf Nachahmer: "Wir wollen ein Beispiel geben, gerade hier in Rhein-Main, wo es an bezahlbaren Wohnungen mangelt."

Auch Staatssekretär Deutschendorf hofft, dass sich andere die VBS eG zum Vorbild nehmen. "Wir haben die Mittel für den Erwerb von Belegungsrechten verdreifacht", erklärt Deutschendorf. Auch 2022 stünden 14 Millionen Euro für Bindungsverlängerungen im hessischen Haushalt.

Deutschendorf geht davon aus, dass das Geld komplett verausgabt wird: "Derzeit sind wir dabei, es in der Wohnungswirtschaft unterzubringen." 2021 habe man nach Jahrzehnten erstmals geschafft, dass die Zahl der geförderten Wohnungen in Hessen gestiegen sei, um 800 auf 80 500. Deutschendorf: "Das hat Hessen gegen den Trend in Deutschland erreicht."

Das Ziel sei klar: "Jeder Hesse und jede Hessin soll eine bezahlbare Wohnung finden." In der Legislatur flössen dafür 2,2 Milliarden Euro Fördergeld, und zwar auch in den Bau neuer Wohnungen im Ballungsraum - Stichwort: Großer Frankfurter Bogen.

Weil Steinbach am gleichnamigen Landesprogramm teilnimmt, über das in den per Schiene angebundenen Kommunen rund um Frankfurt bis zu 200 000 neue Wohnungen entstehen sollen, hat Wiesbaden auch den kommunalen Finanzierungsanteil an der Bindungsverlängerung übernommen: 190 000 Euro, die in den 950 000 Euro schon enthalten sind.

"Für eine klamme Stadt wie Steinbach ist das viel Geld", freut sich Rathauschef Steffen Bonk (CDU). Dass die Wohnungen gefördert blieben, sei für die Mieter toll. "Unter sechs Euro, so nah an Frankfurt, das ist super!", meint Bonk, der die VBS eG als "verlässlichen Partner" lobt, der auch in seine Wohnungen investiere.

Stadtweit, so Bonk, zähle man noch knapp 500 Sozialwohnungen. In den Siebzigern waren es 1800. "Aber die, die rausgefallen sind, sind auch noch preisgedämpft, da reden wir von sechs bis acht Euro. Auch dieses Segment ist enorm wichtig", betont Bonk. Werde heute neu gebaut - wie es die VBS eG am Thüringer Park tut -, seien Mieten unter zwölf Euro kaum möglich, selbst ohne Grundstückskosten.

Bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und zu erhalten, sei eine der "großen Aufgaben der Zeit", sind sich Bonk und Erster Stadtrat Lars Knobloch (FDP) einig. Doch wenn es überall in Rhein-Main so viele bezahlbare Wohnungen wie in Steinbach geben würde, sagt Knobloch, "hätte die Region dieses Problem nicht".

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