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Michael Farquharson beim Dreschen. Der gefiederte Fan-Club kann nicht genug von den kleinen Quinoasamen bekommen.

Steinbacher Landwirt

Anbau auf über 9000 Quadratmetern: Quinoa-Projekt geht in Runde zwei

Es geht weiter mit dem Quinoa-Anbau des Kelkheimers Michael Farquharson. Die Ernte vom vergangenen Jahr wird gerade gedroschen. Deren Samen werden mit Unterstützung des Steinbacher Landwirt Gottfried Windecker im Frühjahr an insgesamt drei Standorten ausgebracht.

Steinbach - Die Dreschmaschine rattert und knattert. Michael Farquharson stopft lange Stängel der von ihm vergangenes Jahr in Steinbach geernteten Quinoa-Pflanzen bündelweise in die vorgesehene Öffnung. Auf der anderen Seite rieseln winzige Körnchen auf ein bereitgelegtes Tuch. Die Szene spielt sich in einem Gewächshaus in Kelkheim ab, dort wo Farquharson wohnt. Zu sehen ist sie auf dem eigens eingerichteten You-Tube-Kanal „Farmboy Taunus“, auf dem der gebürtige Schotte sein Anbau-Projekt mit einzelnen Filmen dokumentiert.

Zur Erinnerung: Auf der Suche nach einer glutenfreien Nahrungsalternative hat der gelernte Filmemacher auf einem gepachteten Steinbacher Gartengrundstück „Auf der blauen Erd’“ von ihm vorgezogene Quinoa-Pflänzchen gesetzt (wir berichteten). Über den Sommer wurden daraus hohe Büsche, denen die heißen Temperaturen nichts ausmachten. Das Pseudogetreide ist robust, braucht nicht viel Wasser und wächst normalerweise in den Hochlagen der südamerikanischen Anden.

„Bis jetzt habe ich etwa 60 Prozent der Ernte gedroschen. Ich denke, ich werde insgesamt auf ungefähr 30 Kilo Quinoa-Samen kommen“, rechnet Farquharson im Gespräch mit dieser Zeitung vor. Leider habe zwischenzeitlich die in China gekaufte Dreschmaschine schlapp gemacht. Die bestellten Ersatzteile hingen zunächst noch einige Zeit beim deutschen Zoll fest. In der Zwischenzeit müssten die Teile bei ihm eingetroffen sein. Das wird auch das Federvieh auf dem Dreschplatz in der Kelkheimer Gärtnerei freuen. „Die Jungs wollen mich schon adoptieren. Die stehen voll auf Quinoa“, so Farquharson über seinen Fan-Club. Zurzeit läuft bei ihm eine Testphase, um herauszufinden, ob die Samen überhaupt keimen. Und es sieht gut aus: Nach drei bis vier Tagen bei 20 Grad treiben die Winzlinge in den Töpfen tatsächlich aus: „Wie es aussieht werden ich auf etwa zehn Kilo keimfähigen Samen kommen“, freut sich Farquharson.

Aufs große Feld

Die Menge sollte für die 9000 Quadratmeter reichen, auf denen er sie nach dem Winter ausbringen will. Das Feld stellt ihm der Steinbacher Landwirt Gottfried Windecker, der längst auf die Quinoa-Ambitionen des Schotten aufmerksam geworden ist und der ihm das „Herz eines Bauern“ bescheinigt, zur Verfügung. Außerdem kommt noch ein Feldstreifen in der Nähe neuen Gewerbegebietes an der Bahnstraße dazu und auch das Gartengrundstück „Auf der blauen Erd’“ wird wieder dabei sein.

Im Moment recherchiert Michael Farquharson fleißig im Internet über Anbau und Verarbeitung des Quinoa, spricht mit Experten und macht sich weiter schlau. Und er sitzt an seinen Filmen, die er kontinuierlich veröffentlichen wird. Auch seine Küchenexperimente laufen weiter, denn er will später vermarktbare Produkte entwickeln, über die er im Moment aber nichts weiter verraten möchte. Man darf also gespannt sein, was er aus den Minisamen herausholen wird. Auch aus den Blättern will der Quinoa-Liebhaber etwas machen.

Sicher ist, dass Farquharson auf den verschiedenen Feldern drei unterschiedliche Quinoa-Sorten ausbringen wird. Alles soll möglichst „Bio“ sein, also ohne Spritzmittel wachsen und gedeihen. Auf dem großen Feld wird Gottfried Windeckers Traktor zum Einsatz kommen. Für die kleinen Grundstücke wird er sich eine mechanische Schubkarren artige Saatmaschine bei Windeckers ausleihen und mit ihr seine Runden ziehen. „Das wird lustig“, freut sich Michael Farquharson schon jetzt auf die neue Quinoa-Saison in Steinbach.

VON GABRIELE CALVO HENNING

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