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"Außer Sport gibt es hier nichts für uns"

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Von: Manuela Reimer

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Laura Jungeblut, Inoa Hildebrandt und Dominik Weigand (v.l.) haben eine Umfrage unter Steinbacher Jugendlichen gemacht, um zu erfahren, wie diese ihre Freizeit in Steinbach verbringen wollen. Das Ergebnis soll auch in die politische Arbeit einfließen.
Laura Jungeblut, Inoa Hildebrandt und Dominik Weigand (v.l.) haben eine Umfrage unter Steinbacher Jugendlichen gemacht, um zu erfahren, wie diese ihre Freizeit in Steinbach verbringen wollen. Das Ergebnis soll auch in die politische Arbeit einfließen. © Jochen Reichwein

125 Jugendliche aus Steinbach beteiligen sich an Online-Umfrage. Die Ergebnisse sollen in die politische Arbeit der FDP einfließen

Steinbach. -Laura Jungeblut (21) und Dominik Weigand (24) machen Kommunalpolitik in Steinbach, sitzen für die FDP im Stadtparlament. Die beiden sind aber auch junge Menschen, denen in ihrer Heimatstadt etwas auffiel: "In den vergangenen Jahren wurde hier nicht so viel für Jugendliche und junge Erwachsene gemacht." Bei dieser Feststellung sollte es nicht bleiben: Jungeblut, Weigand und Inoa Hildebrandt - der ohne Parteibuch ist - kam im Sommer die Idee, eine Umfrage zu starten. Thema: die Freizeitgestaltung vor Ort.

"Es ging uns darum, erst mal ein Stimmungsbild zu haben", sagt Jungeblut beim Treffen mit dieser Zeitung im weihnachtlich geschmückten Elternhaus. Gesagt, getan. Nach den großen Ferien entwickelte das Trio innerhalb von zwei Wochen einen Online-Fragebogen, in dem es um bestehende wie gewünschte Freizeitorte und -einrichtungen, Vereinsmitgliedschaften und zielgruppengerechte Informationskanäle ging. Die 13 Fragen, die zwischen Ende September und Ende November über ein Portal im Internet abruf- und beantwortbar waren, richteten sich an alle in Steinbach "zwischen 13 und 25 plus", so Jungeblut.

Die Aktion kam an: "Wir hatten fast 500 Klicks", berichtet der angehende Jurist Hildebrandt, der gemeinsam mit seiner Freundin, einer Psychologiestudentin, die technische Umsetzung übernommen hatte. Davon schlossen 123 junge Frauen und Männer den Fragebogen ab. "Da sind wir stolz", strahlt Jungeblut. Das "ehrgeizige Ziel", das manch älteren Parteifreund erstaunte, seien 100 Rückmeldungen gewesen. Eine Marke, die dann sogar übertroffen wurde. Umso wichtiger: "Da war nirgends ein Parteilogo drauf, wir wollten alle jungen Menschen in unserer Stadt ansprechen", betont Weigand, der ebenfalls Jura studiert. Um ein möglichst repräsentatives Ergebnis zu erhalten, sei der Fragebogen über diverse Kanäle verbreitet worden, nicht nur im eigenen Freundeskreis oder über den Instagram-Auftritt der Steinbacher Liberalen.

Die meisten, die mitgemacht hätten, seien zwischen 18 und 20 Jahre alt, berichtet Jungeblut. Gemeinsam mit ihren Mitstreitern hat sie die Umfrage vor wenigen Tagen ausgewertet. 66 Personen - also mehr als die Hälfte - hätten angegeben, ihre Freizeit schon in Steinbach und nicht in umliegenden Städten zu verbringen. Als Treffpunkte seien hauptsächlich das Feld, der Bolzplatz, Spielplätze und ähnliche Orte genannt worden, wie die angehende Grundschullehrerin aufzählt.

"Eine Antwort war: ,auf der Straße, es gibt ja sonst nichts' - das ist doch ein ganz klarer Auftrag!", meint Jungeblut, die auch stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende ist. "Die Plätze sind alle draußen - bis auf die Sporthalle und das eine Café." Insgesamt 40 Teilnehmer gaben an, in Vereinen aktiv zu sein. "Auch bei den Freizeitangeboten und Veranstaltungen, die wahrgenommen werden, wurde hauptsächlich Sport genannt: Fußball, Tennis, Handball, Tanzen und so weiter."

Open-Air-Kino

wenig attraktiv

Nur jeweils ein einziges Mal seien die Mädchengruppe JuSt Girls sowie das Open-Air-Kino aufgetaucht. "Aber da gibt es ja auch keine Filme, die uns reizen", meint Weigand. Und Jungeblut sagt: "Eine Aussage war, dass alles außer Sport fehlt. Darüber haben wir lange gesprochen." Es gebe zwar den Jugendraum der evangelischen Kirche, der im Winter den Jugendlichen als Treffpunkt zur Verfügung stehe, aber Jungebluth ist da skeptisch, das sei einfach nicht attraktiv für die Altersgruppe 16 und älter, kommentiert Jungeblut. "Für diese Jugendlichen gibt es keinen Ort - mein Bruder ist 18, im Sommer trifft er sich regelmäßig mit seinen Freunden. Im Winter überhaupt nicht."

Was die Nachwuchspolitiker bestärkt: Über 100 junge Menschen hätten angegeben, dass sie hingehen würden, wenn es in Steinbach eine Bar oder Lounge für ihre Altersgruppe gäbe. "Vielleicht kann man ein Angebot schaffen, das es an einem Abend im Monat gibt. Günstige Getränkepreise wären wichtig", überlegen Jungeblut und Weigand. Wahrscheinlich müsse die Bar ehrenamtlich betrieben werden. Fest steht: "Sie muss cool sein", sagt Jungeblut. "Und man muss da unter Gleichaltrigen sein, sonst ist man gehemmt." Jetzt will das Trio überlegen, wie sich ein solches Angebot organisieren ließe. Kleinere Wünsche - beispielsweise eine neue Sitzbank im Feld - könne man über Anträge im Parlament regeln.

Was ebenfalls fehlt: ein überparteilicher Instagram-Auftritt, über den sich die jungen Menschen über Veranstaltungen und Angebote in der Stadt informieren könnten. "Ein Großteil bevorzugt diese Plattform", betont Jungeblut. Darüber gehe man nun ins Gespräch mit der Stadt und den anderen Parteien, sagt Weigand, der stellvertretender FDP-Chef in Steinbach ist.

Und im Sommer will das Trio all jene einladen, die unter der letzten Frage ihre Kontaktdaten angegeben haben. Weigand verspricht: "Wir kommen da nicht mit Mitgliedsanträgen. Wir grillen zusammen. Und vielleicht kommen uns dabei noch ganz neue Ideen."

Von Manuela Reimer

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