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Mit Taschenlampe und Gummistiefeln: Bauamtschef Alexander Müller steigt ins alte Bachgewölbe unter dem Freien Platz.

Wasserknappheit

Der Blick in den Kanal in Steinbach

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Die Bäche im Taunus fallen trocken oder stehen kurz davor (siehe Bericht auf Seite 9). Eine Besonderheit gibt es beim Steinbach: Während der sonst im Sommer oft trocken war, hat er jetzt noch immer etwas Wasser. Warum das so ist, dazu hat Steinbachs Bauamtsleiter Alexander Müller eine Theorie – und überprüft sie mit dieser Zeitung.

Wer wissen will, warum es plätschert, muss erst mal in die Steinbacher Unterwelt hinabsteigen. Oder anders ausgedrückt: Wer sich fragt, warum der Steinbach anders als sonst in regenarmen Sommern noch Wasser im Bett hat, muss in die Kanäle gucken.

Alexander Müller, der Leiter des städtischen Bauamts, hat eine Idee, warum der Bach noch leise plätschert. Sie hat mit den Arbeiten am Neubaugebiet Alter Cronberger Weg zu tun, aber dazu später mehr.

„Haben Sie Gummistiefel?“ So beginnt seine Anfrage an diese Zeitung: Denn Müller will die Reporterin mitnehmen ins historische Bachgewölbe unter dem Freien Platz, das rechtlich ein Regenkanal ist. Also rein in Gummistiefel und die alte Jeans. Kurt Trieb vom Bauhof hat den Kanaldeckel schon geöffnet und lässt Müller samt Presse hinabklettern.

Das Forschungs- und Rechercheteam – Bauamtschef, Reporterin, Fotograf – watschelt in der Hocke durchs Gewölbe. Stehen ist nicht drin, es ist zu niedrig. Eine Taschenlampe macht Licht. Zu sehen: Wasser! Die Gummistiefel waren tatsächlich nötig. Der erste Erfolg.

Aber wo kommt das Nass her? Das muss an anderen Stellen in der Nähe überprüft werden. Wieder die Leiter raufklettern, Rücken strecken und weitergehen. Trieb macht einen Kanaldeckel in der Kirchgasse auf. Der Kanal hier kommt vom Alten Cronberger Weg, und der Blick in die Tiefe zeigt: Da fließt’s. Müller freut sich.

Wenn jetzt noch . . . , ja, wenn jetzt noch beim Blick in den Kanal in der Bornhohl nichts zu sehen ist, das den Namen Wasser verdient, dann scheint sich Müllers Theorie zu verfestigen. Wieder Deckel auf. Und tatsächlich: In diesem Kanal, der aus Richtung Am alten See kommt, steht nur noch Matsch.

Heißt: Die Annahme, dass der Wasserstand des Steinbachs mit dem Alten Cronberger Weg zu tun hat, könnte stimmen. Was es damit konkret auf sich hat? Im Zuge der Bauarbeiten für das kürzlich entstandene Neubaugebiet ist eine Drainage „umgeklemmt“ worden, weiß Müller. Es sei keine Drainage im eigentlichen Sinn, die der Entwässerung von Äckern dient, wie er erklärt. Sondern eine tiefer liegende. Das Wasser darin komme nicht aus dem Neubaugebiet, sondern aus Richtung des benachbarten Niederhöchstadt.

„Ich vermute, dass die Drainage irgendwo eine wasserführende Schicht kratzt und einen der früheren Quellzuflüsse des Steinbachs fasst, der durch den Bau einer Verbandswasserleitung in den 1960er Jahren unterbrochen worden ist“, erklärt der Bauamtsleiter.

Im rechtlichen Sinn als Bach gilt der Steinbach übrigens erst ab der Stelle hinter der früheren neuapostolischen Kirche und heutigen Igelbau-Kita, wo er aus der Verrohrung kommt. Nahe der Kita Am Weiher und am Apfelweinbrückchen schauen Müller und Zeitung lieber noch mal nach. Ja, es ist immer noch Wasser im Bach . . .

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