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Skeptische Blicke erntete Mike Josef (2. von links) in der Sitzung des Steinbacher Bauausschusses einige.

Petition in Vorbereitung

Bürger und Politiker stemmen sich gegen Frankfurter Stadtteil

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Gegenwind ist Frankfurts Planungsdezernent Mike Josef (SPD) in diesen Tagen gewohnt, wenn es um das Megaprojekt geht, das er auf die Schienen setzen will: den neuen Stadtteil der Mainmetropole, der zu beiden Seiten der Autobahn 5 entstehen soll – direkt vor Steinbachs Haustür. In den Steinbacher Bauausschuss wagte sich Josef am Dienstag trotzdem. Die Sorgen der Stadtverordneten und der mehr als 200 Bürger, die gekommen waren, konnte er aber nicht ausräumen.

Die Angst, übergangen zu werden – so lässt sich das diffuse Gefühl der Menschen in Steinbach in Worte fassen. Der geplante Frankfurter Stadtteil an der A 5 bereitet vielen Sorgen. Frankfurts Planungsdezernent Mike Josef (SPD) sagte am Dienstagabend im Bauausschuss zwar ausdrücklich, dass der westliche Teil der Bebauung mit den drei Anrainerkommunen gemeinsam entwickelt werden solle – allein: „Uns fehlt der Glaube“, gab Bürgermeister Dr. Stefan Naas (FDP) unumwunden zu.

Josef indes stellte die Gründung einer gemeinsamen Gesellschaft in Aussicht, in der die betroffenen Kommunen dann einen festen Sitz hätten und so auf die Planungen einwirken könnten, die noch weit in der Zukunft lägen – machte aber erneut klar: „Das ist Frankfurter Gebiet.“

Die Steinbacher blieben skeptisch. „Es geht jetzt um die Wurst, nicht in zehn Jahren“, sagte Naas. Jetzt brauche Frankfurt Verbündete, damit im Regionalverband die Flächennutzungsplanänderung beschlossen werden könne. „Danach stellen Sie Pläne auf und hören uns an. Mehr nicht!“

Auch die Angst vor neuem Verkehr und den damit verbundenen Belastungen treibt die Steinbacher um. Josef präsentierte als „gemeinsame Entwicklungsmöglichkeit“ die Südumgehung. „Das ist doch dann nur eine Zufahrtsstraße für ein Frankfurter Wohngebiet“, gab Sabine Schwarz-Odewald (Grüne) zu bedenken. Auch die Planungsskizzen, die Josef mitgebracht hatte, sagten den Steinbachern nicht zu: „Ihre Südumgehung geht mitten durch die Steinbachaue, und der neue S-Bahn-Halt soll auch da hin. Das ist doch dann keine renaturierte Aue mehr“, hielt ihm Schwarz-Odewald vor und erntete Applaus.

„Da gibt es städtebauliche Möglichkeiten“, entgegnete Josef, der betonte, dass die verkehrliche Erschließung Teil der Voruntersuchungen sei, die noch im Dezember von der Politik beschlossen werden und dann bis zu zwei Jahre dauern sollen. „Wir werden die Frage der Verkehre klären, bevor wir bauen.“ Außerdem sitze man „im selben Boot“. „50 Prozent der Steinbacher arbeiten in Frankfurt.“ Aber die Kritik im Saal blieb: „Wir geben Grün ab, damit Sie Ihre Leute da rein- und rauskriegen!“

Eng mit dem Thema Verkehr verbunden ist auch die Angst vor einer geringeren Lebensqualität: „Östlich dürfen Sie entwickeln, wie Sie möchten – aber der Bereich westlich der Autobahn ist entscheidend für die Lebensqualität der Steinbacher Bürger“, unterstrich Rathauschef Naas.

„Dichte“ – im Sinne einer dichten Bebauung – „ist per se weder gut noch schlecht“, meinte hingegen Josef. Es gehe darum, wie man den öffentlichen Raum gestalte. „Die Lebensqualität, die jetzt da ist, wird wegfallen“, gab Michael Holthaus aus dem Frankfurter Stadtplanungsamt zu. Allerdings, so Holthaus, werde eine neue entstehen. Auch klimatisch, gestand er ein, „wird es durchs Bauen nicht besser“.

Mit der geplanten Bebauungsdichte zu tun hat auch die Angst vor einem sozialen Ungleichgewicht. „Es wird dort keine Wohnhochhäuser geben“ – das sicherte Josef den Steinbachern zu. FDP-Fraktionschefin Astrid Gemke aber machte eine einfache Rechnung auf: „Die bebaute Fläche wird in etwa so groß sein wie die Fläche Steinbachs. Im neuen Stadtteil sollen aber dreimal so viele Menschen leben – wie soll das ohne Hochhäuser gehen?“

„Blöcke sind die Lösung, wenn man flächensparend bauen will“, erklärte Stadtplaner Holthaus. Vier, fünf Geschosse, eventuell plus Staffelgeschoss, würden ausreichen – pro Grundstück. Die Ängste der Steinbacher ausräumen konnte er damit nicht. „Diese Struktur passt nicht in die Vordertaunusstruktur. Wir bauen zurzeit nur Reihen- und Einfamilienhäuser, um den Mix wieder herzustellen“, sagte Rathauschef Naas. Steinbach habe eine hohe integrative Kraft – aber mit so vielen zusätzlichen Menschen an der eigenen Stadtgrenze? „Das schafft unser Sozialwesen nicht“, sagte ein Bürger. Die Bürger waren es auch, die wissen wollten, ob im neuen Stadtteil ein eigenes Polizeirevier vorgesehen ist. „Das können wir nicht allein entscheiden“, so Josef.

Geht es am Ende nur ums Geld? Auch diese Frage treibt die Steinbacher um. Würde sich das ganze Projekt überhaupt tragen, wenn man nur östlich baut, wollte Dr. Karl-Heinz Heimes (CDU) wissen. Über Entwicklungskosten könne man jetzt noch nichts sagen – aber: „Beide Seiten wären uns sehr recht. Wir brauchen eine kritische Masse“, sagte Holthaus. „Sie können nicht alle Ihre Wohnungsprobleme vor unserer Haustür lösen“ – das blieb der Tenor im Ausschuss.

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