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Protest-Plakat gegen das geplante Frankfurter Neubaugebiet am Ortseingang von Weißkirchen

Statteil-Gegner

Bürgerinitiative kämpft gegen Frankfurts Expansionspläne

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Die Bürgerinitiative "Unser Heimatboden vor Frankfurt" kämpft gegen Frankfurts Pläne, einen neuen Stadtteil beiderseits der A5 zu schaffen. Die Gegner haben bereits 6000 Unterschriften gesammelt - und hoffen auf Unterstützung aus der Politik.

Sie haben mit beklebten Brötchentüten auf sich aufmerksam gemacht, sie werben in Videos auf Youtube – zu finden unter den Schlagworten „Feldpartisan“ und „Frankfurter Landraub“ – für ihre Positionen, und sie verteilen an Frankfurter Haushalte Zettel mit der Frage „Frischluftschneise zubetonieren?“ Die Aktiven der Bürgerinitiative „Unser Heimatboden vor Frankfurt“ kämpfen auf mehreren Ebenen für ihr Ziel, und das heißt: den geplanten Frankfurter Stadtteil nahe Oberursel-Weißkirchen und Steinbach verhindern.

Vor einem Jahr hat Frankfurt seine Stadtteil-Idee öffentlich gemacht (siehe kleinen Text), wenig später hat sich in Weißkirchen die Initiative zusammengefunden, die mit dem Schutz von Klima und Natur argumentiert. „Wir sehen uns als Lobby für die Ackerflächen“, sagt Sprecher Karl-Josef Rühl.

6000 Unterschriften gegen das Vorhaben hat die Gruppe um Rühl nach eigenen Angaben bislang gesammelt. „Wir sind von einer Schneeflocke zum Schneeball geworden“, lautet Rühls Zwischenbilanz. Gut 20 Mitglieder arbeiten aktiv mit. Weitere Unterstützer werden gesucht, sagt Heinz Rühl. Er ist der Bruder von Karl-Josef Rühl und engagiert sich ebenfalls in der Bürgerinitiative, die an diesem Wochenende beim Steinbacher Stadtfest auf der Bahnstraße anzutreffen ist.

„Wir sind nicht gegen Wohnungsbau, wir sind für Natur“, betont Mitstreiterin Uta Vetter. Denn die Bürgerinitiative wehrt sich gegen weitere Flächenversiegelung, plädiert stattdessen für die Stärkung des ländlichen Raums, aus dem Leute mangels Infrastruktur wegziehen, und für Nachverdichtung in den Städten. Die unlängst aufgekommene Idee, auf Flachdächer von Lebensmitteldiscountern Wohnungen draufzusetzen, findet die Sympathie der Weißkirchener. Sie haben für sich auch definiert, was sie für „bezahlbaren Wohnraum“ halten: 5,50 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter.

Die zentralen Forderungen sind in einer Broschüre nachzulesen, die die Aktiven vor kurzem fertiggestellt und in einer Auflage von 300 Exemplaren haben fertigen lassen. „Erheben Sie Ihre Stimme“, steht auf dem in Farbe gedruckten Heft im Din-A4-Format, und „Feld statt Beton“ – Letzteres ist ein Slogan, mit dem die Initiative arbeitet. Die Broschüre wurde an Meinungsbilder geschickt, vor allem an Politiker im Land und auf regionaler Ebene. Den Kontakt zur Politik zu bekommen ist wichtig, weiß Vetter.

In den für die Flächenplanung zuständigen regionalen Gremien – in der Verbandskammer des Regionalverbands und in der Regionalversammlung – wird letztlich entschieden, ob Frankfurt seinen Plan umsetzen kann. Heißt: Die Städte und Gemeinden der Region, also auch Oberursel und Steinbach, reden mit.

So sind denn auch die Verantwortlichen dort angeschrieben worden. In Oberursel und Steinbach zum Thema nachgehakt, heißt es, dass die Broschüre der Bürgerinitiative bei den Regionalpolitikern durchaus Beachtung finde. „Sehr professionell aufgemacht“, sagt Oberursels Erster Stadtrat Christof Fink, der für die Grünen in der Regionalversammlung Südhessen sitzt.

Steinbachs Bürgermeister Dr. Stefan Naas (FDP) gehört sowohl der Verbandskammer als auch der Regionalversammlung Südhessen an und sagt über das Heft: „Man sieht, dass da ein bisschen Wumms dahinter ist.“ Er hat den Kampf gegen die sogenannte Josefstadt – zumindest gegen eine Bebauung westlich der Autobahn – früh für sich als Thema besetzt, führt Hintergrundgespräche. Klar ist, dass Naas nicht nur als Steinbacher Bürgermeister agiert, sondern auch als Landtagskandidat. Und dieser plant dem Vernehmen nach vor der Wahl Ende Oktober auch noch eine gemeinsame Aktion mit der Heimatboden-Gruppe.

Naas’ Liberale in der Regionalversammlung hatten sich ans Regierungspräsidium (RP) Darmstadt gewandt und gefragt, ob das Frankfurter Vorhaben mit einem sogenannten Zielabweichungsverfahren realisiert werden kann, oder ob die Neuaufstellung des Regionalen Flächennutzungsplans abzuwarten ist. Die Antwort des RP liegt dieser Zeitung vor. Allein: Eine klare Aussage wird darin nicht getroffen.

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