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Ein Facebook-Auftritt ist Pflicht – alle drei Bürgermeisterkandidaten sind mit Seiten im sozialen Netzwerk vertreten.

Wahl im März

So präsentieren sich die Steinbacher Bürgermeisterkandidaten im Netz

Die Zeiten, in denen Politiker im Wahlkampf allein auf Plakate und Flyer setzen konnten, sind vorbei. Heute zählt es, in sozialen Netzwerken präsent zu sein. 

Astrid Gemke (FDP) war gerade zu Besuch im EU-Parlament in Brüssel, Moritz Kletzka (SPD) hat wieder an Haustüren geklingelt, und Steffen Bonk (CDU) lädt zum Kaffeetrinken ein. Zu lesen ist das – und mehr – bei Facebook. Dort präsentieren sich die drei Bürgermeisterkandidaten, die sich bei der Wahl am 24. März um die Nachfolge des in den Landtag gewählten Dr. Stefan Naas (FDP) bewerben, mit eigenen Seiten.

Dass eine Homepage als digitale Präsenz nicht mehr reicht, würde wohl kaum ein Wahlkämpfer infrage stellen. Bonk, Gemke und Kletzka sind sich einig: Der Wahlkampf muss breit angelegt sein, um alle Wähler und Generationen zu erreichen. Deshalb wollen sie da sein, wo die Leute sind. Im realen Leben zum Beispiel vor dem Supermarkt, in der digitalen Welt in sozialen Netzwerken. 

Moritz Kletzka hat Social-Media-Fachleute in seinem Wahlkampf-Team

„Ich habe das auch schon vorher gemacht“, sagt Kletzka, der mit 26 Jahren der Jüngste der drei Bewerber ist, über digitale Aktivitäten. Er hat Social-Media-Fachleute in seinem Wahlkampf-Team, will „mit dem Trend gehen“. Als Einziger aus dem Kandidaten-Trio ist Kletzka auch auf Instagram aktiv, zudem verschickt er Status-Meldungen per WhatsApp. Letzteres macht auch Astrid Gemke. Die 51-Jährige schickt WhatsApp-Statusmeldungen mal schnell von unterwegs, auf Facebook wird meist morgens und abends gepostet. Vor allem die 40- bis 60-Jährigen könnten so erreicht werden, meint Gemke, die sagt: „Ich poste nach Thema.“ Sie sieht Facebook als Teil von Bürgernähe.

„Man muss jede Spielwiese nutzen“, meint Steffen Bonk. Schließlich gehe es um die Frage, wie man an die Leute rankomme. Der 38-Jährige glaubt in Bezug auf die sozialen Netzwerke aber auch: „Das wird überbewertet.“

Zwar äußern sich die Kandidaten auf Facebook auch politisch-inhaltlich und berichten über ihre Begegnungen und Workshops mit Bürgern, erkennbar ist aber: Es geht um die kurze Nachricht – und vor allem ums Bild. Die Botschaft: Der Kandidat oder die Kandidatin ist in der Stadt unterwegs und im Gespräch mit Menschen. Kandidat geht zur Fastnacht – Foto! Bewerber besucht die Chefin des neuen Cafés – Foto! Kandidat geht zur Eröffnung der Rossmann-Drogerie – Foto mit Eselmaskottchen!

Rathauschef Stefan Naas: 2009 lief der Wahlkampf noch ganz anders

„Am Ende geht es um die Sympathie“, weiß der bisherige Rathauschef Stefan Naas, der aus Sicht des Politikers stets die Bedeutung von Bildern betont. Als er 2009 erstmals zum Bürgermeister gewählt wurde, lief der Wahlkampf noch anders. „Kein Vergleich mit heute“, meint Naas. „Da war noch viel analog dabei“, sagt Michael Dill. Der heutige AfD-Politiker war damals noch als CDU-Bewerber Naas in der Stichwahl unterlegen und sagt: „Da war an Facebook noch nicht zu denken.“ Die Veränderung binnen zehn Jahren, da sind sich Dill und Naas einig, ist enorm.

Als Naas vergangenes Jahr für den Landtag kandidierte, hat er digitale Kanäle stark bespielt, auch Filme professionell erstellen lassen. Die Kosten für Social Media hätten „bestimmt die Hälfte“ des Wahlkampfbudgets beansprucht.

Bilder haben auch auf den Homepages große Bedeutung – zumindest bei den männlichen Bewerbern. Während Gemkes Website im FDP-Design gehalten ist, setzen Kletzka und Bonk nicht auf Partei-Layout. CDU-Mann Bonk, der aus Flörsheim stammt, wird vor Steinbacher Kulisse in Szene gesetzt, und Sozialdemokrat Kletzka zeigt sich ebenfalls in verschiedenen Szenerien im Ort.

Plakate werden im Wahlkampf auch noch eingesetzt

Dort wie auch auf seinen Plakaten kann Kletzka damit werben, dass er eine Wahlempfehlung der Grünen hat. Zur Erinnerung: Eine Handvoll Grünen-Mitglieder hatte sich im Januar getroffen und mehrheitlich für eine Empfehlung pro Kletzka gestimmt.

Zum Abschluss ein Blick auf die guten, alten Wahlplakate. Traditionell grüßen die Bewerber überall im Stadtbild. Nach neuer Plakatierungssatzung sind im öffentlichen Raum 40 Plakate pro Kandidat erlaubt. Dass die Zahl eingehalten wird, werde kontrolliert, sagt Erster Stadtrat Lars Knobloch (FDP). Kommt es zu Verstößen, werde der- oder diejenige angeschrieben. Einen Verstoß habe es gegeben, bestätigt Knobloch auf Anfrage. Wer das war, will er jedoch nicht sagen.

Info: Bewerber auf dem TZ-Podium

Bei aller Bedeutung des digitalen Wahlkampfs: „Ganz analog“ präsentieren sich die drei Bürgermeisterkandidaten bei der Podiumsdiskussion, zu der die Taunus Zeitung für Mittwoch, 13. März, in den großen Saal des Bürgerhauses einlädt. Beginn ist um 19 Uhr, Einlass bereits von 18.30 Uhr an. Der Eintritt ist selbstverständlich frei. Die Kandidaten Steffen Bonk (CDU), Astrid Gemke (FDP) und Moritz Kletzka (SPD) stellen sich den Fragen von TZ-Redakteurin Stefanie Heil. Darüber hinaus hat das Publikum ausreichend Gelegenheit, Fragen zu stellen und den Bewerbern auf den Zahn zu fühlen. Wer möchte, kann Fragen gern auch schon vorab per E-Mail an die Adresse tz-steinbach@fnp.de schicken. Bitte sagen Sie uns, was Sie wissen möchten, welche Themen Ihnen wichtig sind. Und bitte seien Sie so nett und schreiben auch Ihren Namen dazu.

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