Weltenbummler

Wo es Cappuccino mit Goldstaub gibt

Manfred und Roswitha Herrmann sind wahre Weltenbummler. Vor Kurzem haben die beiden Steinbacher die arabische Halbinsel bereist. Dort erlebten sie eine Welt, in der Reichtum und Armut ganz nah beieinander liegen. Denn der Blick hinter die Kulisse gehört für sie dazu.

„Auf der ganzen Welt zu Hause“ steht auf der Visitenkarte von Manfred und Roswitha Herrmann, und wenn die beiden von ihren Reisen erzählen, dann glaubt man ihnen das auch ohne weiteres. Das Steinbacher Ehepaar hat in ihrem Leben – verstärkt seit Renteneintritt vor 21 Jahren – mehr als 60 Länder auf allen Kontinenten der Erde bereist, über 70 Prozent davon mit ihrem Reisemobil. Zuletzt haben sie mehrere Monate lang die arabische Halbinsel erkundet.

Was sie da so unterwegs erlebt haben, davon berichtet Manfred Hermann am Donnerstag, 2. November, von 19 Uhr an im Bürgerhaus Steinbach. Mit einer Fotoreportage will er die Besucher in den Orient entführen und nimmt sie mit auf Entdeckungstour durch Dubai, Abu Dhabi, Sharjah, Fujairah und in den Oman. Dabei geht es den Herrmanns jedoch nicht nur darum, die Sehenswürdigkeiten der Länder zu zeigen sondern darum, Einblicke hinter die Kulissen zu geben, Land und Leuten wirklich zu begegnen.

„Durch unsere Art des Reisens in touristisch wenig erschlossene Gebiete, lernen wir eine Region und ihre Bewohner wirklich kennen“; erläutert der 81-jährige Herrmann, der mit der aktuellen Reportage bereits seinen siebten Reisebericht präsentiert. Er betont: „Uns interessieren die Hintergründe, das Soziale, die Gesellschaft und ihre Kultur.“ So zählten die Vereinigten Arabischen Emirate rund 9 Millionen Einwohner, davon seien 85 Prozent Ausländer, die aus Ländern wie Indien, Bangladesch, Pakistan und Afghanistan kommen und in den Emiraten arbeiten. „Das sind zum Großteil Männer, ihre Frauen und Kinder bleiben daheim. Sollte der Mann für einen Monat arbeitslos sein, verliert er sein Aufenthaltsrecht. Wir haben mit einem Busfahrer gesprochen, der mit zwölf anderen Männern in zwei Zimmern lebt“, erzählt Manfred Herrmann. Das sei eben die andere Seite der Medaille, das, was hinter dem vordergründigen Prunk und Reichtum stehe.

Aber natürlich haben sich die Herrmanns auch die prunkvollen Seiten angeschaut. „Wir waren im Hotel Emirates Palace, in dem eine Übernachtung im kleinsten Zimmer 1170 Euro kostet, das teuerste Zimmer ist für 21 400 Euro zu haben“, so der 81-Jährige. Dort könne man einen Cappuccino mit Goldstaub trinken oder an einem Automaten Gold kaufen. Auch vom Besuch eines Skiresorts in der Wüste wird Manfred Herrmann erzählen: „6000 Tonnen Schnee bei einer Außentemperatur von 45 bis 50 Grad, das ist verrückt. Was das an Energie kostet.“ So dürfe man bei einer Berichterstattung auch den Umweltaspekt nicht vergessen. Man verbrauche insgesamt auf der Halbinsel unglaublich viel Energie und Wasser, ein Großteil davon werde durch Meerwasserentsalzung gewonnen. „Irgendwann wird einmal der Zeitpunkt kommen , an dem eine Entsalzung nicht mehr möglich ist“, ist sich der Steinbacher sicher.

Auf seinen Reisen an seiner Seite ist immer seine Frau Roswitha. In ihrem kleinen Reisemobil haben sie alles, was sie unterwegs benötigen bei sich: Dusche, WC, Waschbecken, einen Küchenzeile, Bett und Tisch und sogar eine selbstgebaute Klimaanlage. „Mehr brauchen wir nicht“, sagen die beiden. Sie würden sich auch immer den Gegebenheiten des Landes anpassen. „In Ländern wie in den Emiraten trage ich selbstverständlich Kopftuch“, erklärt die 79-Jährige. Es sei wichtig, sich an die Spielregeln vor Ort zu halten.

Und wo hat es den Herrmanns am besten gefallen? „Man kann die Länder nicht miteinander vergleichen, denn sie sind zu unterschiedlich“, lautet die diplomatische Antwort von Manfred Herrmann. „Aber leben, leben möchte ich nur in Steinbach“, betont seine Frau.

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