Betretene Gesichter: Nicht nur Constanze Weimann, Gabriele Klapka und Christine Jasset (von links) warteten über eine Stunde an der Bushaltestelle Pijnacker-Platz auf einen Bus nach Eschborn.
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Betretene Gesichter: Nicht nur Constanze Weimann, Gabriele Klapka und Christine Jasset (von links) warteten über eine Stunde an der Bushaltestelle Pijnacker-Platz auf einen Bus nach Eschborn.

Steinbachs neue Buslinie

Erster Arbeitstag nach Fahrplanwechsel: Busverkehr in der Kritik

  • vonMatthias Pieren
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Gestern sollte Steinbachs neue Buslinie, die 91, zum ersten Mal fahren. Grund für die TZ, einsteigen und mitfahren zu wollen. Allein: Der Bus kam nicht – und auch auf den anderen Linien in der Stadt gab es Probleme.

Das war nicht so, wie Perry Brooke es sich vorgestellt hatte. Die Lehrerin an der Steinbacher Phorms-Schule fuhr zur Arbeit bislang morgens mit der S-Bahn von Frankfurt-West nach Oberursel, nahm dort den Bus 261 Richtung Königstein und erreichte nach insgesamt 30 Minuten die Haltestelle Waldsiedlung. Zu Fuß ging sie die letzten wenigen Hundert Meter zur Privatschule.

Gestern wollte sie gleich die Möglichkeit der neuen Buslinie 91, die mit dem Fahrplanwechsel vom Wochenende ihren Betrieb aufgenommen hat, nutzen. „Klasse, dass die neue Buslinie direkt von der S-Bahnstation Weißkirchen-Steinbach zur Phorms-Schule fährt“, hatte die junge Frau gedacht. Doch wie andere ÖPNV-Kunden stand sie sich gestern Morgen am S-Bahnhof die Beine in den Bauch. Der für 8.54 Uhr angekündigte Bus verkehrte ebenso wenig wie der um 9.54 Uhr.

Stattdessen fuhren gleich zwei Busse im Abstand von zehn Minuten kurz vor und kurz nach 9 Uhr. Weil kein Zielort am Fahrzeug angezeigt war, mussten die Kunden den Busfahrer fragen. „Ich fahre die Linie 252 nach Weißkirchen-Ost“, war die gleichlautende Antwort der beiden offenkundig gestressten Fahrer – sehr zur Irritation der wartenden Fahrgäste. „Das kann doch nicht wahr sein, dass die beiden Busse kurz hintereinander nach Weißkirchen fahren“, schimpfte die wartende Eike Löhr.

„Heute läuft nichts rund“

An der Bushaltestelle am S-Bahnhof war nur der Fahrplan der Linie 251 aktuell. Statt des neuen 91ers (kein Fahrplan) hing noch ein alter der Linie 252 im Kasten. Gegen 9.40 Uhr kam ein Gelenkbus, der auch keinen Zielort anzeigte.

Die mittlerweile 15 Fahrgäste wollten vom Fahrer wissen, welche Linie das sei und wo er hinfährt: „Wir sind der 251er nach Kronberg. Schnell, steigen Sie ein“, sagte ein Mitarbeiter der zuständigen DB Busverkehr Hessen GmbH, der sich gerade beim Fahrer um die Programmierung des Fahrkartendruckers bemühte. „Heute läuft noch gar nichts rund. Aber wir werden schon irgendwann ankommen.“

Im Bus hatte auch Metzak Hayat mit Sohn Nouah einen Platz gefunden. Die Verspätung war der jungen Frau aber egal. Hauptsache, sie kam ans Ziel. „Wir sind vor einer Woche von Frankfurt nach Steinbach gezogen. Hier ist es nicht so hektisch wie in der Großstadt“, nahm die Mutter die Verspätung gelassen.

Am Pijnacker-Platz warteten viele Fahrgäste vergeblich auf die Busse der Linie 252 nach Eschborn. „Ich warte bereits seit einer Stunde. Zwei Busse sind ausgefallen“, ärgerte sich Constanze Weimann. „Ob da überhaupt noch einer kommt?“

An der Bushaltestelle in der Gegenrichtung zum S-Bahnhof war gestern ein aktueller Fahrplan ebenfalls Fehlanzeige. „Wann fährt überhaupt der nächste Bus?“, fragte Ilyas Derrouiche in die Runde. „Überhaupt kommt der 252er – wenn er kommt – immer 15 Minuten zu spät.“

Weil kein Bus zum S-Bahnhof weit und breit zu sehen war, machten sich immer mehr Fahrgäste zu Fuß auf den Weg. An den anderen Haltestellen schlossen sich die Menschen zu einer immer größer werdenden Karawane zusammen.

„Wir haben zum Fahrplanwechsel mehrere Linien im Vordertaunus übernommen. Es gab tatsächlich Anlaufschwierigkeiten. Das tut uns leid“, teilte Thomas Bischoff, Pressesprecher der DB Busverkehr Hessen GmbH, auf TZ-Anfrage mit. „Das sollte nicht sein – doch für die Busfahrer ist es immer eine sportliche Herausforderung, mit neuen Bussen und neuer Technik in einem neuen Stadtgebiet zu fahren. In den nächsten Tagen müsste alles nach Fahrplan laufen.“

Auch der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) weiß, dass es beim Fahrplanwechsel Schwierigkeiten geben kann und beobachtet den Betrieb. „Leider mussten auch wir feststellen, dass die Fahrgastinformation noch nicht an allen Haltestellen aktualisiert wurde und die Technik noch nicht in allen Bussen funktioniert“, sagte RMV-Sprecher Sven Hirschler. Der RMV stehe mit den örtlichen Partnern und Busunternehmen in Kontakt, um herauszufinden, warum die Technik in den Bussen noch nicht wie vorgesehen funktioniere. Die Busfahrer seien angewiesen, Liniennummer und Ziel auf Zetteln auszuhängen und ersatzweise Papierfahrkarten auszustellen.

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