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Ein Mädchen läuft durch eine Kita. Betreuung von Kleinkindern wie diesem ist teuer für Kommunen und Eltern. Symbolfoto: dpa

Beitragserhöhungen

500 Euro pro Krippenplatz? Eltern wehren sich

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Die Stadtverordneten sollen am Montag einer Erhöhung der Betreuungsgebühren zustimmen. Eltern von Kleinkindern wollen das in letzter Minute verhindern.

Es sind arbeitsame Tage für Mütter und Väter, deren Nachwuchs die evangelische Kindertagesstätte besucht: Sie wollen erreichen, dass die Stadtverordneten am Montag doch noch nicht über die neuen Betreuungsgebühren abstimmen, die vor allem Eltern von Kleinkindern deutlich stärker belasten als zurzeit. Deswegen haben die Eltern in den vergangenen Tagen noch Gespräche mit den politischen Parteien geführt, Unterschriften gesammelt und Kontakt zu weiteren Eltern aus anderen Einrichtungen gesucht.

„Nicht zukunftsorientiert“, sagt Franziska Claßen über die Gebühren; „nicht familienfreundlich“, meint Nicolas Dreblow. „Man zwingt uns, mehr zu arbeiten, um dann weniger Zeit mit unserem Kind zu verbringen“, ärgert sich Hannah Listing.

Sie nehmen Bezug auf die Beiträge, die Eltern von Kleinkindern für einen Krippenplatz zahlen müssen. Von derzeit 300 auf 500 Euro sollen die Beiträge für einen Ganztagsplatz steigen. Das ist eines von vielen Gebührenkonstrukten – jenes, das wegen des Anstiegs um 66 Prozent bei der Diskussion im Mittelpunkt steht.

Nach ursprünglicher Vorlage sollte der neue Höchstsatz schon kommenden Sommer erreicht werden. Das ist jedoch vom Tisch. Auf Antrag der FDP/SPD-Koalition hatten der Sozial- und der Haupt- und Finanzausschuss beschlossen, die Erhöhung bis 2021 in Etappen zu realisieren. Dem soll das Stadtparlament in seiner Sitzung am Montag (19 Uhr, Bürgerhaus) folgen.

„Erst heißt es, die Stadt braucht das Geld, und dann ist es plötzlich möglich, die Erhöhung zu staffeln“, wundert sich Benno Listing. Er und die anderen Eltern vermuten dahinter eine Taktik zur Beruhigung. Denn bis die 500 Euro erreicht werden, haben viele von ihnen keine Kinder mehr in der Krippe.

Was sie außer der saftigen Erhöhung stört, ist die Kommunikation. Eine Information für die Elternbeiräte hatte es, ebenso wie ein Schreiben der Verwaltung, just in den Sommerferien gegeben. Letzteres war an die Eltern der städtischen Kitas geschickt worden, hatte offenbar nicht alle Eltern in den kirchlich getragenen Einrichtungen erreicht. Und darin ist erstmal von der Beitragsfreiheit für Kindergartenkinder die Rede, ehe die Erhöhungen angekündigt werden.

Ihnen sei vermittelt worden, dass die Erhöhung schon beschlossen sei, sagen die Mütter und Väter zur TZ. Dass die Sache noch politisch diskutiert werde, sei ihnen erst spät deutlich geworden. Sie wollen gerne mitreden, lehnen Erhöhungen nicht grundsätzlich ab, wollen aber Zahlen als Grundlage sehen.

Noch gestern haben sie Unterschriften gegen die Anhebung auf 500 Euro gesammelt. Aber: In den städtischen Kitas wurde ihnen das von der Verwaltung untersagt, sie mussten vor der Tür sammeln. „Die Eltern sind ziemlich sauer“, sagt Hannah Listing. „Wir wollten die Erzieherinnen nicht in Loyalitätskonflikte bringen“, erklärt dazu Hauptamtsleiter Steffen Bonk.

Die Verwaltung geht davon aus, dass die neuen Gebühren am Montag beschlossen werden, und die Koalition will offenbar bei ihrer Linie bleiben. „Wir sind den Eltern entgegengekommen“, sagt FDP-Fraktionschefin Astrid Gemke in Bezug auf die Staffelung. Die gefundene Lösung sei tragbar.

Die CDU, die im Ausschuss noch mit der Koalition gestimmt hatte, spricht sich hingegen dafür aus, das Thema erneut im Ausschuss zu behandeln. Die Erhöhung sei nämlich nicht, wie von der Verwaltung dargestellt, mit allen Beteiligten besprochen und von diesen akzeptiert worden. Zu viele Fragen seien noch offen, gewünschte Zahlen seien erst jetzt vorgelegt worden, sagt Fraktionschef Holger Heil zur TZ.

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