Besondere Aktion

SPD fährt mit Bürgerinitiative durch das Gebiet, das Frankfurt für seinen Stadtteil vorsieht

  • Stefanie Heil
    vonStefanie Heil
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Frankfurts Vorhaben, einen Stadtteil an der A 5 zu schaffen, beschäftigt Politik und Bürger. Parteien bringen sich mit diversen Aktionen ins Gespräch – die einen setzen rein auf Dialog, die anderen auch auf Spezialeffekte.

Der Planwagen zuckelt gemütlich über die Feldwege. Die Abendsonne taucht die Felder in ein romantisches Licht, die Frankfurter Skyline ist in einiger Entfernung sichtbar. Auf den Bänken des von einem Traktor gezogenen Wagens sitzt eine kleine Gruppe der Steinbacher SPD, außerdem Vertreter der Bürgerinitiative „Unser Heimatboden vor Frankfurt – Feld statt Beton“.

Die Sozialdemokraten haben um die Fahrt gebeten, sie wollen sich über die Arbeit und Existenzängste der Landwirte informieren. Denn die Tour, die in Weißkirchen startet und über Niederurseler und Praunheimer Gemarkung gen Steinbach führt, geht durch Felder, die bebaut werden könnten. Dann, wenn Frankfurt seinen geplanten Stadtteil realisiert (siehe kleinen Text). Ein Vorhaben, das Taunus-Bürger und Politiker umtreibt – und das noch stärker thematisiert werden dürfte, je näher die hessische Landtagswahl (28. Oktober) kommt. Aber dazu später mehr.

„Im Präzedenzfall geht es hier los“, sagt Niklas Sulzbach, Landwirt und Aktiver der Bürgerinitiative, am Burghof-Hühnerstall. Dort beginnt Frankfurt. „Wenn das hier wirklich kommt, ist es im Usinger Land schöner“, sagt Sulzbach. Er zeigt auf Stromleitungen und erklärt, dass im Boden Nato-Gasleitungen verliefen. „Da fahren wir gerade drüber.“ Die Leitungen könnten einer Bebauung im Wege stehen, den Stadtteil-Gegnern sind sie willkommene Argumente.

Sulzbach und seine Mitstreiter argumentieren auch mit der guten Qualität der Ackerböden, die sie erhalten wollen. 80 bis 95 von 100 Punkten erreichen die Böden laut Sulzbach. 250 Hektar stehen nach seinen Zahlen allein westlich der Autobahn auf dem Spiel. 15 Landwirte seien dort betroffen, sieben davon in ihrer Existenz bedroht. Das dürfe nicht passieren, sagt Steinbachs SPD-Stadtverordnetenvorsteher Manfred Gönsch.

„Für alle Parteien offen“

Aber: Es geht um das Schaffen von Wohnraum – durchaus ein sozialdemokratisches Thema. „Ich glaube, dass sich Städte maßvoll weiterentwickeln müssen“, sagt der Steinbacher SPD-Chef Moritz Kletzka. Karl-Josef Rühl, Sprecher der Bürgerinitiative, ist skeptisch, was Flächenversiegelung angeht. „Heute sind es die Wohnungen, in 20 Jahren fragen wir uns, wo wir die Lebensmittel herkriegen.“ Er will lieber Wohnungen auf Discounter setzen und ausblutende ländliche Regionen stärken.

„Wir sind für alle Parteien offen“, sagt Rühl im Gespräch mit dieser Zeitung. „Unser Ziel ist, das Baugebiet zu verhindern.“ Wenn sich dafür Parteien mit der Initiative solidarisieren, ist ihm das recht.

Die SPD hat ihre Planwagenfahrt abgesehen von Pressevertretern intern gehalten. Von „populistischer Stimmungsmache“ halte er nichts, sagt Kletzka und bevorzugt Gespräche mit anderen SPD-Verbänden, will das Wohnraumthema regional angehen. Es sei niemandem geholfen, „einzelne Leute an den Pranger zu stellen“. Womit Kletzka seinen Parteikollegen, Frankfurts Planungsdezernent Mike Josef, meint. Ähnlich sieht es Oberursels SPD-Vorsitzende Antje Runge, die lieber auf „konstruktiven Dialog“ setzt statt auf Aktionen, die „keinen Newswert haben“.

Sie und Kletzka nehmen Bezug auf öffentlichkeitswirksame Termine der politischen Mitbewerber: Die CDU-Verbände aus Oberursel, Steinbach und Eschborn haben, das ist bereits bekannt, für den 19. August zu einem Sternmarsch aufgerufen, der an einer Scheune von Richard Bickert endet – jenes Landwirts, der gerade mit seinem Planwagen die SPD kutschiert hat.

Einer, der für den Sternmarsch gegen den Stadtteil wirbt, ist Hochtaunus-CDU-Chef und Landtagsabgeordneter Jürgen Banzer. Banzer kandidiert erneut für das Landtagsdirektmandat im westlichen Hochtaunus. Zwei, die es ihm abluchsen wollen, sind Henning Groskreutz (SPD) aus Oberursel und Steinbachs Bürgermeister Dr. Stefan Naas (FDP).

Feuer zeigt Dimension

Während Groskreutz im Wahlkampf zwar das Thema Wohnraum ansprechen will, aber keine Aktionen gegen die sogenannte Josefstadt plant, setzt die FDP auf Politik mit Pomp. Oder greift zu – wie es Naas formuliert – „Spezialeffekten“. Für Sonntag, 2. September, planen Naas und die Steinbacher FDP gemeinsam mit der Bürgerinitiative eine Aktion im Feld. Brennende Strohballen sollen die Dimension des geplanten Stadtteils deutlich machen. Dem Vernehmen nach könnte es begleitend dazu noch eine weitere öffentlichkeitswirksame Protest-Aktion der Taunus-Politik geben.

Und auch der Planwagen darf als Mittel der Politik noch mal ran: Die Steinbacher FDP geht mit ihrer Ferienfraktion am Mittwoch, 18. Juli, auf Fahrt und nimmt anders als die SPD auch Bürger mit. Treffpunkt ist um 18 Uhr auf der Weißkirchener Seite des S-Bahnhofs Weißkirchen/Steinbach.

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