Ruhestand

Familie Althaus gibt ihr Schreibwarengeschäft in Steinbach ab

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Nach dem Stadtfest Anfang Juni ist Schluss: Irmgard und Bobbi Althaus gehen in den Ruhestand und legen ihr Schreibwarengeschäft an der Bahnstraße in neue Hände. Der Laden war für viele Steinbacher mehr als eine Einkaufsmöglichkeit.

Ob der frühere englische Fußballer Bobby Charlton, Weltmeister 1966, das weiß – dass es in der kleinen Taunusstadt Steinbach einen Mann gibt, der sich nach ihm benannt hat? Einen, der auch den Fußball mag, aber vor allem als Geschäftsmann in Steinbach mindestens so bekannt ist wie Bobby Charlton bei englischen Sportfans.

Die Rede ist von dem Mann, der mit Nachnamen Althaus heißt, mit erstem Vornamen Klaus und mit zweitem Joachim. „Mit Bindestrich?“ Die typische Journalistenfrage überrascht Althaus. So genau weiß er es gar nicht mehr. Warum auch? Es kennt ihn ohnehin jeder als Bobbi. Er hat sich diesen Namen als Bobby-Charlton-Fan selbst gegeben und lediglich die Schreibweise eingedeutscht. „Stempel-Bobbi“ heißt denn auch das Geschäft an der Bahnstraße, das Irmgard und Bobbi Althaus seit 21 Jahren führen – und aus dem sie sich jetzt zurückziehen. Nach dem Stadtfest, das die Steinbacher am Wochenende 2. und 3. Juni feiern, bleiben die Türen des Schreibwarengeschäfts erst mal geschlossen.

Das Ehepaar Althaus will sich zur Ruhe setzen. Sie ist 65, er 71, die Familie umfasst vier Generationen, langweilig wird’s also nicht. Die beiden freuen sich drauf, auch mal um 10 Uhr noch am Frühstückstisch sitzen zu können und nicht um halb zehn die Ladentür aufschließen zu müssen. Gleichwohl – mindestes ungewohnt dürfte der neue Alltag für das Paar werden, war ihr Geschäft doch auch Treffpunkt und Nachrichten-Umschlagplatz. Quasi ein analoges soziales Netzwerk. „Bei uns erfährt man alles“, sagt Irmgard Althaus.

Die Kundschaft ist treu: „Manche habe ich mit Babybauch gesehen“, erinnert sich die Geschäftsfrau, die diese Kinder dann aufwachsen sah. Sie hat viele Trends erlebt wie die Diddl-Maus. Unlängst hat sie noch eine Diddl-Tüte gefunden und jemandem mitgegeben.

Auch die kleine Büroecke, die sich der gelernte Schriftsetzer und ehemalige FDP-Kommunalpolitiker Bobbi Althaus im Laden eingerichtet hat, sieht aus wie aus vergangenen Zeiten. Ein alter Computer-Bildschirm, unzählige Telefonnummern auf Zetteln. In der Ecke eine Leinwand, vor der Passbilder gemacht werden.

Diese Fotos gehören genauso zum Angebot wie Hefte und Grußkarten, ein Schuhmacherservice, der Hermes-Paketshop und vieles mehr. Die breite Aufstellung hat dem Geschäft geholfen. „Manchmal waren wir auch Auskunftei“, sagt Bobbi Althaus. Er hat gern weitergeholfen.

Den Hermes-Dienst führt schon von Juni an der benachbarte Barbershop „Maskulin“ von Daniel Kitanovski fort, seine Frau Kimy Kitanovski wird später das Schreibwarengeschäft übernehmen. Zunächst soll der Laden allerdings von Grund auf renoviert werden.

Noch mal zurück zum Ehepaar Althaus: Sie erlebten einst, wie die nebenan gelegene Bank überfallen wurde. Bobbi Althaus brachte in seinem Geschäft noch schnell ein paar verängstigte Bankkunden in Sicherheit und schloss die Tür ab. Seine Frau stand allerdings noch draußen. Das hatte er in der Hektik gar nicht mitbekommen. Aber: Alles gut gegangen . . .

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