Steinbach

So war das Fest am St.-Avertin-Platz

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Gut 1000 Besucher sind am Samstag zum Fest am St.-Avertin-Platz gekommen. Sie entdeckten bei einem Markt der Möglichkeiten, was das Leben in Steinbach bietet und hörten bei der Einweihung der neuen Stadtmitte einen Vergleich mit Rom und Venedig.

Wenn eine Kölnerin sagt, dass sie nicht mehr in die Domstadt zurückwill, dann ist das ein ziemlich dickes Kompliment für das aktuelle Zuhause, in diesem Fall Steinbach. Ihr Herz schlage zwar für Köln, sagt Seniorin Hilde Hasberg, die seit über 40 Jahren in Steinbach lebt. Aber: „Ich möchte hier nicht mehr wegziehen.“ Am Samstag ist sie zur Einweihung der neuen Stadtmitte gekommen. „Ist toll geworden“, meint sie über das Zentrum. Eine Meinung, die viele Besucher teilen.

Die durch private und öffentliche Millionen-Investitionen modernisierte Stadtmitte rund um den St.-Avertin-Platz (siehe kleinen Text) ist nach vielen Jahren voller Baustellen endlich fertig. „For The Longest Time“ ist denn auch das Lied, mit dem der Popchor „Sing 4 Joy“ des Gesangvereins Frohsinn die Feierstunde neben dem Bürgerhaus-Eingang eröffnet.

Das Bauliche sei die Hardware, stellt Stadtverordnetenvorsteher Manfred Gönsch (SPD) fest. Und die Software? „Das sind die Steinbacher“, sagt er. Am Samstag läuft diese Software ziemlich gut: Knapp 200 Menschen engagieren sich für diesen Festtag, schätzt Bärbel Andresen. „Sagenhaft“, sagt sie stolz.

Sie ist die Quartiersmanagerin der Sozialen Stadt, jenes Förderprogramms, das den Steinbacher Osten baulich und sozial voranbringen hilft und das sich wie viele Vereine und Gruppen beim Einweihungsfest einbringt. Ein „Markt der Möglichkeiten“ mit zahlreichen Ständen ist gleichzeitig Beitrag zur Interkulturellen Woche des Hochtaunuskreises. „Hier sieht man Möglichkeiten, die man vielleicht noch nicht gesehen hat“, sagt Andresen.

Was ist möglich in Steinbach? Kinder können Anschluss finden an Sportgruppen, selbst wenn sie das von zu Hause nicht kennen. Beim Fest werfen sie Körbe mit Ex-NBA-Profi Stuart Truppner, der sich in Steinbach sozial engagiert, und dem Skyliners-Basketballer Felix Hecker. Möglich ist auch, im Bürgerselbsthilfe-Verein „die brücke“ Hilfe zu geben oder zu bekommen, in den Gruppen der Sozialen Stadt so ziemlich alles von der Fahrradreparatur bis zum Blumenplanzen im Team zu erledigen, hin und wieder am Straßenkreuzer-Café der katholischen Kirche über Gott und die Welt zu plaudern, um nur wenige Beispiele zu nennen.

Kurzum: Gemeinschaft ist möglich – Begegnung. Darum geht es in der Stadtmitte mit Bürgerhaus und St.-Avertin-Platz. Schon ein Marktfrühstück am Morgen hat regen Zuspruch gefunden, am Nachmittag kommen noch mal etwa 1000 Besucher – so die Schätzung von Bürgermeister Dr. Stefan Naas (FDP). „Ich glaube, dass die neue Stadtmitte ein Identifikationspunkt sein kann“, sagt Naas zu dieser Zeitung; ein „Treff im Herzen Steinbachs, für alle, die hier leben“, sagt Quartiersmanagerin Andresen.

Noch etwas ist vielen an diesem Tag wichtig: Das gemeinsame Leben aller in der Stadt, die bekanntlich einen hohen Migranten-Anteil hat, wird mehrfach beschworen. „Hassmails dürfen kein Gehör finden“, sagt Parlamentschef Gönsch.

Beim Fest klappt das Miteinander. Die Bandbreite der Besucher reicht von Frauen mit Kopftuch bis zu Muskelmännern mit Tattoos. Der katholische Pastoralreferent Christof Reusch, Uwe Eilers vom evangelischen Kirchenvorstand sowie Kashif Janjua und Anique Shahid von der muslimischen Ahmadiyya-Gemeinde bitten gemeinsam um Gottes Segen für den Platz und wünschen sich – Begegnungen. Solche wird die Soziale Stadt später noch mit einem Flashmob inklusive „Ode an die Freude“ demonstrieren.

Landrat Ulrich Krebs (CDU) blickt auf die politisch „schwere See in Europa“ und hofft, Deutschland und Frankreich blieben Europas Motor. Aus Steinbachs französischer Partnerstadt St. Avertin ist Stadträtin Françoise Gourin gekommen. Sie lobt die „lange und herzliche Partnerschaft“ und bezeichnet den St.-Avertin-Platz als „beeindruckend“ und „großzügig“.

Ein „gelungener Platz“ meint Landrat Krebs und sieht darin „ein gelungenes Gegenbeispiel“ zu „unstrukturierter“ Stadtplanung – er bezieht sich auf Frankfurts geplanten Stadtteil, dessen Dimension in Steinbach auf Widerstand stößt. Auch Stefan Naas schaut nach Frankfurt, allerdings auf den Römerberg. Ebenso nennt er in seiner Rede den Petersplatz in Rom und den Markusplatz in Venedig.

Plätze seien die entscheidenden Bezugspunkte einer Stadt. „Da, wo Markt gehalten, die öffentliche Meinung gebildet, Verschwörungen angebahnt werden.“ Was die Bedeutung im Ort angehe, sei der St.-Avertin-Platz mit den genannten Plätzen vergleichbar. Wobei . . . „Eigentlich ist der St.-Avertin-Platz viel bedeutender“, sagt Naas. Es widerspricht ihm niemand. Ist schließlich Feier-Tag.

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