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Frankfurts Planungsdezernent Mike Josef (links) und Steinbachs Bürgermeister Dr. Stefan Naas haben konträre Auffassungen zum geplanten Frankfurter Stadtteil.

Neuer Stadtteil

Frankfurt bietet Steinbach Belegungsrechte für Sozialwohnungen an

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Die Stadt Frankfurt hat Belegungsrechte für über 400 Sozialwohnungen in Steinbach und bietet diese Rechte nun der Taunus-Kommune an. Das hat mit Frankfurts Stadtteil-Plänen zu tun – weshalb in Steinbach die Alarmglocken angehen.

Auf der einen Seite die Stadt Frankfurt, die an der A 5 einen neuen Stadtteil für bis zu 30 000 Menschen schaffen möchte, auf der anderen Seite die Taunus-Kommunen, die Sorgen in Bezug auf Umwelt, Verkehr und Sozialstruktur haben und sich gegen das Ausmaß von Frankfurts Vorhaben wehren. In dieser Diskussion um den Stadtteil ist jetzt ein neues Angebot Frankfurts bekanntgeworden: Die Großstadt lockt die kleine Taunuskommune mit den Belegungsrechten, die Frankfurt dort seit Jahrzehnten für Sozialwohnungen hat.

Nach Vorschlag von Frankfurts Planungsdezernent Mike Josef (SPD) könnte Steinbach künftig die Wohnungen belegen. Eine der „großen Sorgen der Menschen in Steinbach“ sei die soziale Struktur, sagt Josefs Sprecher Mark Gellert im Gespräch mit dieser Zeitung. Das habe Josef bei seinen Besuchen im Vordertaunus erfahren.

Hintergrund: Steinbach hat einen hohen Anteil Sozialwohnungen, was mitunter zu Problemen geführt hat, und fürchtet angesichts erwarteter dichter Bebauung Ähnliches im geplanten Stadtteil. „Wir wollen weder unbedingt auf die Gemarkungsgrenze bauen, noch ausschließlich Sozialwohnungen“, sagt Gellert.

Gleichwohl gibt es das Angebot an Steinbach, die Wohnungen – Frankfurt hat die Rechte für mehr als 400 – selbst zu belegen. Das jedoch im Rahmen einer „Gesamtlösung“ über den neuen Stadtteil.

„Das ist Teil des vergifteten Apfels“, sagt Steinbachs Bürgermeister Dr. Stefan Naas (FDP) in Anspielung auf Lockangebote Frankfurts. Als solches war in Steinbach auch die in Aussicht gestellte Verlängerung der U-Bahn-Linie 6 gewertet worden.

Die Stadt Steinbach und Naas bleiben bei ihrem Kurs, dass sie eine Bebauung westlich der Autobahn ablehnen. So schreit der Bürgermeister dann bei Frankfurts Offerte auch nicht gleich laut Hurra, wenngleich Steinbach sich derzeit um neue Belegungsrechte bemühe. „Nicht um den Preis eines Blankoschecks“, sagt Naas in Bezug auf die von Frankfurt gewünschte „Gesamtlösung“.

Er hat nach eigener Darstellung erst durch einen Medienbericht von der Offerte Frankfurts erfahren und ärgert sich darüber, dass ihn aus Frankfurt niemand angesprochen habe. Von einem schriftlichen Angebot, von dem in dem Pressebericht die Rede war, wisse er nichts. Bis gestern sei im Rathaus nichts angekommen.

Laut Gellert waren die Belegungsrechte schon mal Gesprächsthema zwischen Frankfurt und Steinbach – laut Naas jedoch nur allgemein, also nicht konkret in der Stadtteil-Diskussion.

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