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Gemischte Reaktionen

Thomas Horn schlägt vor, den Frankfurter Zoo in die Nähe von Steinbach zu verlegen

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Thomas Horn (CDU), Direktor des Regionalverbands Frankfurt RheinMain, hat die Debatte um einen neuen Frankfurter Stadtteil rechts und links der A 5 um eine neue Variante bereichert: Er schlägt vor, unweit von Steinbach einen Tier-Landschaftspark zu errichten. Der Vorschlag ist nicht neu – und die Reaktionen im Taunus sind gemischt.

Frankfurt/Steinbach - Der Frankfurter Zoo ist marode, die Gehege für viele Arten zu klein. Doch die elf Hektar große Fläche im Ostend ist begrenzt. Dieses Areal könnte die Stadt auch gut für den Wohnungsbau nutzen. Auch fehlen Parkplätze. Der Direktor des Regionalverbands Frankfurt Rhein-Main, Thomas Horn (CDU), schlägt nun vor, den Zoo auf ein „bis zu 50 Hektar großes Gebiet im Nachbarschaftsviereck von Frankfurt, Eschborn, Steinbach und Oberursel westlich der Autobahn 5 und östlich der S-Bahnlinie 5“ zu verlegen.

„Dort haben wir die Chance, das Tiergehege für die nächsten Jahre dauerhaft nachhaltig und attraktiv zu gestalten“, erklärt Horn. Ihm schwebt ein Zoolandschaftspark vor. Schließlich tauche Frankfurt im europäischen Ranking der 120 besten Tierparks gar nicht auf. „Während die ,Eintracht‘ in der ,Europa League‘ spielt, kämpft der Frankfurter Zoo um den Erhalt in der zweiten Liga“, moniert Horn.

Seine Idee ist nicht neu. Bereits Anfang der 1980er Jahre – damals gab es noch eine einsame indische Elefantenkuh im Frankfurter Zoo – hatte man im Römer den Gedanken, den Tierpark an den Niederurseler Hang zu verlegen. Doch ringsum liefen Landwirte und Politiker Sturm; der Vorstoß wurde wieder einkassiert.

Protest gegen Bebauung

Inzwischen ist der Nordwesten von Frankfurt – nicht zuletzt durch den Riedberg – noch dichter besiedelt als damals. Wohnungen werden mehr denn je gebraucht. Auf dem Gebiet an der A 5, das Horn für den Zoo anpeilt, will Frankfurts Planungsdezernent Mike Josef (SPD) bekanntlich einen neuen Stadtteil für mehrere Zehntausend Bürger errichten. Er soll sich auf beiden Seiten der A 5 erstrecken. Im Taunus gibt es heftigen Widerstand gegen die Pläne.

Horns neue Idee, einen Teil der Fläche vor den Toren Steinbachs für die Zoo-Verlegung zu nutzen, stößt im Vordertaunus auf ein geteiltes Echo. Lars Knobloch (FDP), Erster Stadtrat der Stadt Steinbach, beurteilt die Sache positiv. „Ich sehe in erster Linie das Signal des Verbandsdirektors, dass er auf dem Areal keine Wohnbebauung will“, so der Liberale. „Das ist gut und richtig und für uns das Wichtigste.“ Knobloch fragt sich allerdings, was dann mit dem Rest des Areals zwischen der A 5 und Steinbach passieren soll. „Denn das ist ja größer als 50 Hektar.“ Da die Fläche direkt an Steinbachs Gemarkungsgrenze heranreicht, gäbe es noch einige Fragen zu beantworten. Und man müsse auch an den Opel-Zoo denken – der werde es mit einem Tier-Landschaftspark in unmittelbarer Nähe schwerer haben.

Konkurrenz für Opel-Zoo

Dr. Thomas Kauffels, Direktor des Opel-Zoos, sieht in einer Ansiedlung des Frankfurter Zoos eine direkte Konkurrenz – für beide Einrichtungen. Dann lägen „die beiden beliebtesten Freizeitdestinationen Hessens“ nur wenige Kilometer auseinander. Jetzt sind es 25 Kilometer. „Es würde Auswirkungen haben, das liegt auf der Hand“, sagt er. Man solle auf jeden Fall zuvor Erfahrungen von Städten – etwa in Holland – einholen, die ihre Zoos an den Stadtrand gelegt haben. Bange ist Kauffels aber nicht. Horn argumentiert, dass 65 Prozent der Besucher des Frankfurter Zoos mit dem Auto kämen, sie dieses in der Umgebung aber nur schwer abstellen können. „Wir haben 1300 Parkplätze“, hält der Opel-Zoo-Chef dagegen.

Bedenken äußert Oberursels Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD). „Ein Zoo braucht enorm viel Fläche“, sagt er. Somit gelte das Argument der Gegner eines neuen Stadtteils – allen voran der Oberurseler und Steinbacher Landwirte – auch für einen Tierlandschaftspark. Auch gibt Brum zu bedenken, dass dieser viele zusätzliche Autos anziehen werde. „Doch mit einer verkehrlichen Entlastung – etwa einer Südumgehung – und einem zusätzlichen U-Bahn-Anschluss ist es machbar“, räumt er ein.

Positive Töne kommen indes aus dem Landratsamt. „Der Vorstoß von Regionalverbandspräsident Horn bringt Bewegung in eine festgefahrene Diskussion“, sagt Landrat Ulrich Krebs (CDU). „Diese Idee hat viel Charme.“ Grundsätzlich würde er „eine Wohnraumentwicklung in der Innenstadt von Frankfurt immer bevorzugen“, sagt Krebs – dort gebe es schließlich auch schon die entsprechende Infrastruktur.

Ähnlich sieht es Jonny Kumar, Landesvorstandsmitglied der CDU Hessen und Vorsitzender der Steinbacher CDU. „Damit bietet sich auf dem ersten Blick die Chance, den Naherholungscharakter der Fläche zu wahren und andernorts Entwicklungsperspektiven zu schaffen“, sagt Kumar. Die Christdemokraten erinnern daran, dass sie jede Form der städtischen Wohnbebauung westlich der A 5 ablehnen. Auch ein Zoo westlich der Autobahn dürfe nach Ansicht der Steinbacher „kein Einfallstor sein, um dort in der unmittelbaren Umgebung eine Wohnbauentwicklung vorzunehmen“.

In der Frankfurter Politik gibt es dagegen wenig Begeisterung für eine Zoo-Verlegung. „Das ist nicht in unserem Sinne“, so Mark Gellert, Sprecher von Planungsdezernent Mike Josef. In den vergangenen zehn Jahren seien 30 Millionen Euro in den neuen Zoo-Eingang, die Bärenanlage, den Borgori-Wald, die Quarantänestation und in die Pinguinanlage geflossen. Gerade erarbeitet Zoo-Direktor Miguel Casares einen Masterplan, wie auch die übrigen, sanierungsbedürftigen Tiergehege modernisiert werden können.

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