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Kai Hilbig und Heidrun Möhle freuen sich über die Säule fürs Heimatmuseum. Derzeit sind an der Säule Fotos aus der Brummermann-Siedlung befestigt.

Ausstellung in Steinbach

Geschichten aus 50 Jahren Brummermann-Siedlung

Vor gut 50 Jahren entstand die Brummermann-Siedlung mit ihren 149 Häusern. So gleich die Gebäude aussehen, so unterschiedlich sind die Bewohner – und ihre Geschichten. Davon zeugt die neue Ausstellung des Geschichtsvereins, der darüber hinaus moderne Konzepte ins Heimatmuseum bringt.

Das war in den 1960er Jahren wie heute: Wer ein Eigenheim kaufen wollte, musste oft lange suchen. Familie Volkmann hat es dokumentiert, mehr als 30 Orte notiert. Diese Liste hängt nun im Heimatmuseum im Backhaus. Sie ist Exponat der neuen Ausstellung des Vereins für Geschichte und Heimatkunde. „Die Brummermann-Siedlung im Wandel der Zeiten“ lautet der Titel der Schau. In jene Siedlung ist Familie Volkmann seinerzeit gezogen.

Gut 50 Jahre ist die Brummermann-Siedlung im Steinbacher Norden jetzt alt – und ein Quell an Geschichten. Die Schau und ihre geplanten begleitenden Thementage (siehe kleiner Text) wollen diese erzählen. Dabei gab es anfangs durchaus Zweifel, ob sich die Siedlung – benannt nach der Vertriebsorganisation, der Brummermann KG – als Thema für eine Ausstellung eignet. „Oje, nur Flachware“, habe sie zunächst gesagt, erinnert sich Heidrun Möhle. Was die stellvertretende Vorsitzende des Geschichtsvereins befürchtete: Es gäbe wohl hauptsächlich Pläne zu sehen.

Die Küche als "Arbeitsbezirk der Hausfrau"

Von wegen! Möhle, Vereinschef Kai Hilbig und ihre Mitstreiter haben zahlreiche Exponate aufgetrieben. Prospekte, in denen die Küche noch als „eigentlicher Arbeitsbezirk der Hausfrau“ beworben wird, sowie Pläne und Papiere – zum Beispiel über die politischen Beschlüsse zum damals noch „Hinter der Obergasse“ genannten Baugebiet – gehören zwar dazu, haben aber augenfälligere Konkurrenz.

Da steht ein Sessel aus einem Keller der Siedlung, da glänzt eine alte Turnhose von TuS-Urgestein Jochem Entzeroth nahe Kunstwerken von Elisabeth Reichert, und da wird Elfriede Weners Kaffeekanne gezeigt. Und, man sehe und staune: Virginia Vahl hat das Winkeleisen der Terrassenbank beigeschafft, die die 149 Häuser obligatorisch hatten. Die Gebäude sahen so gleich aus, dass jemand eine jetzt ausgestellte Figur nach draußen hängte, damit das Kind nach Hause fand.

Fotos und Filme erinnern an die Bauzeit der Brummermann-Siedling

Fotos aus der Bauzeit hängen an einer Art Litfaßsäule, die Hilbig in Norddeutschland fürs Museum organisiert hat. Sie ist ebenso neu wie die Bildschirme, mit denen Moderne im Museum Einzug gehalten hat. Auf den Monitoren ist ein Film zu sehen, der das Umschauen der Kaufinteressierten in Steinbach und den Hausbau zeigt. Eine Mozart-Sonate, gespielt von Musiker Joachim Volkmann, erklingt nur vordergründig aus einem Retro-Radio – auch dahinter steckt moderne Technik, die Hilbig eingeführt hat.

Im Museum gibt es jetzt Monitore (links), auf denen Filme gezeigt werden. Auch zeitliche Einordnungen (oben) gehören fortan dazu.

Zudem wurde auf Initiative des Vereinsvorsitzenden ein Zeitstrahl über den Exponaten angebracht. Die Besucher erfahren also nicht nur, was gerade in Sachen Brummermann-Siedlung passierte, sondern werden auch auf überörtliche Ereignisse wie den Besuch der Queen (1965) und den Tod Benno Ohnesorgs (1967) hingewiesen. „Die Verbindung Steinbachs zur Welt“, sagt Hilbig.

Ebenfalls neu: Der von Stefan John entworfene Ausstellungskatalog soll noch ergänzt werden durch Infos, die durch die laufende Schau und die Thementage hinzukommen. Erst später kommt die finale (Kauf-)Version auf den Markt.

Ausstellungsplakat zeigt die 72 Türen der Siedlung

Stichwort Merchandising: Das Ausstellungsplakat ist gegen Spenden erhältlich. Sabine Wolf hat für dieses 72 Türen der Siedlung fotografiert, mit Erlaubnis der Hausbesitzer. Die Türen haben eine besondere Bedeutung – anfangs hatten alle Häuser die gleiche blaue Tür.

Fürs Museum hat Kai Hilbig aber noch mehr Zukunftsideen: Sie reichen von Vereinsnachmittagen über Geburtstage bis zu Aktionen wie „Nachts im Museum“.

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