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Hier, im Bereich Bahnstraße/Industriestraße, soll ein Kreisel errichtet werden, über den es ins zukünftige Gewerbegebiet ?Im Gründchen? geht.

Gewerbegebiet

Gründe fürs Gründchen

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Ein politischer Dauerbrenner hat’s in eine weitere Wahlzeit geschafft – das Gewerbegebiet „Im Gründchen“. Die Politik ist dafür, trotzdem gibt es unterschiedliche Interessen. Ein Zwischenstand in Nach-Wahlkampf-Zeiten.

Der Bauausschuss tagt am kommenden Dienstag noch in alter Zusammensetzung, die Stadtverordnetenversammlung konstituiert sich am Montag, 11. April, dem Ergebnis der Kommunalwahl entsprechend. In beiden Sitzungen steht eine Änderung des Bebauungsplanentwurfs „Im Gründchen“ auf der Agenda.

Dieser wird aller Voraussicht nach beschlossen werden. Schließlich sind sich die Parteien grundsätzlich einig. FDP, SPD und CDU hatten sich in ihren Kommunalwahlprogrammen für das Gewerbegebiet ausgesprochen. Die Grünen auch, allerdings treten sie für ein Mischgebiet ein, in dem sich nicht nur Gewerbe ansiedeln, sondern auch preisgünstiger Wohnraum entstehen kann. Ein entsprechender Änderungsantrag der Grünen liegt für die Ausschusssitzung am Dienstag (19 Uhr, Rathaus) vor.

Das Gründchen war auch Thema im Kommunalwahlkampf gewesen. Teils war mit offenem Visier gekämpft, teils aus der zweiten Reihe versucht worden, Einfluss zu nehmen. Denn die Interessen sind unterschiedlich.

Der Politik geht es hauptsächlich ums Finanzielle: „Das Gewerbegebiet ist dazu da, Steuern zu generieren“, sagt Bürgermeister Dr. Stefan Naas (FDP). Der Gewerbesteueranteil am Haushalt soll steigen. Auch der Gewerbeverein hofft auf die Entwicklung des Areals, über das schon weit länger als zehn Jahre gesprochen wird.

Sahen die Pläne einst etwa 13 Hektar sowie eine Entwicklung mit Oberursel vor, so ist die aktuelle Planung nur noch auf Steinbacher Gemarkung gegenüber dem bestehenden Gewerbegebiet beschränkt und verkleinert. Es geht um rund 7,5 Hektar, von denen Wege, Grünflächen und Versorgungsanlagen abzuziehen sind. Bleiben etwa 4,5 Hektar fürs Gewerbe. Mit der Vermarktung ist als Treuhänder die Terramag GmbH beauftragt. Sie kauft auch die Grundstücke an.

Sie werden für 35 Euro pro Quadratmeter erworben, andere Summen seien nicht gezahlt worden, betont Naas. Mehr als 80 Prozent der Flächen habe die Stadt bereits. Weniger als eine Handvoll Grundstücke fehlten noch, sagen Naas und Bauamtschef Alexander Müller unisono.

Die Grundstückseigentümer sind als weitere Interessengruppe im Spiel. Ihnen ist daran gelegen, den höchstmöglichen Preis zu erzielen, ihnen käme ein Mischgebiet entgegen: Für Wohnbauflächen werden höhere Preise erzielt als für Gewerbegrundstücke.

Wer nicht verkaufen möchte, bekommt im Zuge des Umlegungsverfahrens ein wertgleiches Grundstück und kann dieses selbst B-Plan-konform auf dem Markt anbieten. Mindestens 2000 Quadratmeter sollen die Gewerbeflächen groß sein. Wer einen kleineren Anteil besitzt, muss sich also bei der Vermarktung mit anderen Eigentümern einigen.

Der Stadt ist daran gelegen, alle Grundstücke über die Terramag vermarkten und so Einfluss haben zu können. Klar ist so oder so schon, dass wegen der Verkehrsbelastung keine Logistikunternehmen und Einzelhändler angesiedelt werden. „Da kommt keine große Firma“, sagt Naas.

Stichwort Verkehr: An der Einmündung Bahnstraße/Industriestraße wird ein Kreisel errichtet. Anders als zuvor vorgesehen soll er jedoch keinen Bypass, eine zusätzliche Spur zur Entlastung, bekommen. Das sei verkehrlich nicht notwendig, erklärt Müller.

In Oberursel hatte es in puncto Verkehr Bedenken gegeben – auch dort gibt es also Interessen in Zusammenhang mit dem Gründchen, die berücksichtigt werden wollen. Daher war ein gemeinsames Verkehrsgutachten erstellt worden. Dessen jüngste Überarbeitung – Berücksichtigung von Tempo 30 auf der Kurmainzer Straße in Weißkirchen und auf der Steinbacher Ortsdurchfahrt, wo es noch eingeführt werden soll – gehört zu den Änderungen, weswegen der B-Plan-Entwurf erneut den Gremien vorliegt. Auch das Entwässerungskonzept wurde geändert, das Regenrückhaltebecken liegt nun an der Bahnstraße am östlichen Rand des Plangebiets.

Nach Zustimmung der Gremien wird der Entwurf erneut offengelegt. Die Stadt hofft, dass der Plan bis Jahresende Rechtskraft hat.

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