Anja Dürringer von der Caritas und Bürgermeister Steffen Bonk, rechts, freuen sich über den neuen Jugendbetreuer Thomas Rustler.
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Anja Dürringer von der Caritas und Bürgermeister Steffen Bonk, rechts, freuen sich über den neuen Jugendbetreuer Thomas Rustler.

Jugendarbeit

In Steinbach ist neue Stelle für Betreuung besetzt

Der 25-jährige Thomas Rustler hat bereits Anfang März seine Arbeit aufgenommen.

Für die Kommunalwahl am 14. März war es ein Riesenthema: Die Jugendarbeit soll in Steinbach verbessert werden. Alle vier Parteien hatten sich das auf die Fahnen geschrieben. Eine Forderung dabei: Die Schaffung der Stelle eines Jugendpflegers. Tatsächlich aber gab es den am Wahltag bereits, ganz still und leise hatte nämlich Thomas Rustler zum 1. März seine Arbeit als Jugendarbeiter angetreten.

Dass das fast im Geheimen geschah, liegt daran, dass Rustler nicht bei der Stadt angestellt ist, sondern bei der Caritas. "Wir hatten im Haushalt für 2020 eine halbe Stelle für die Jugendarbeit vorgesehen", sagt Bürgermeister Steffen Bonk (CDU). Dann habe man aber wegen der angespannten Finanzlage der Stadt darauf verzichtet.

Stelle zu wichtig, um

darauf zu verzichten

Dennoch: Das Amt sei zu wichtig, um gänzlich darauf zu verzichten. Daher suchte der Bürgermeister den Kontakt zur Caritas, die bekanntlich auch Partner bei der Sozialen Stadt ist, und fand eine Lösung: Die Caritas stellt befristet bis zum Jahresende einen Jugendarbeiter ein mit einer halben Stelle, die Stadt Steinbach beteiligt sich an den Kosten zu 50 Prozent.

Dass die Stelle befristet ist, soll nicht bedeuten, dass sie zum Jahresende wieder eingestellt werden soll, betonen Bürgermeister Bonk und Anja Dürringer vom Cariatsverband Hochtaunus. Vielmehr solle dann im Steinbacher Haushalt die halbe Stelle geschaffen werden. "Uns ist sehr an Kontinuität gelegen", betont der Rathaus-Chef, denn gerade daran habe es in der Vergangenheit gekrankt. Zudem sei gerade jetzt in der Corona-Zeit mit ihren Kontaktbeschränkungen die Jugendarbeit besonders wichtig.

Diese Aufgabe hat nun Thomas Rustler übernommen. Der 25-Jährige kommt aus Karben und hat seinen Bachelor in Sozialer Arbeit mit Schwerpunkt Kinderschutz hat an der Frankfurt University of Applied Sciences (ehemals FH Frankfurt) abgeschlossen und macht derzeit seinen Master in Erziehungswissenschaften an der Goethe-Uni. "Von daher passt das mit der halben Stelle ausgezeichnet", findet er. Da bleibe Zeit, sein Studium in zwei oder drei Semestern abzuschließen. Mittwochs und donnerstags sei er an der Uni, an den anderen Tagen in Steinbach.

Zur Jugendarbeit kam Rustler über den interkonfessionellen Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder. Heute leitet er die Karbener Ortsgruppe mit 70 Mitgliedern.

In Steinbach hat er bislang die Zeit genutzt, sich umzusehen, sich mit den vorhandenen Strukturen bekannt zu machen. Er habe Kontakt zur Jugendabteilung der Feuerwehr und zur TuS Steinbach aufgenommen. Das sei ein erster Schritt. Abends sei er auch schon mal an den Aufenthaltsorten von Jugendlichen gewesen und habe sich vorgestellt. Schließlich sei es besonders wichtig, auch die Jugendlichen zu erreichen, die nicht in einen Verein eingebunden sind. Die beiden Jugendgruppen "Just Girls" und "Cypher 445", die seit sechs Monaten pausieren müssen, wolle er wieder zum Laufen bringen. Für "Just Girls" seien schon jetzt zwei Online-Termine geplant, berichtet Rustler. Gerade in der aktuellen Zeit sei es ihm wichtig, den Kontakt zu halten.

Jugendarbeit brauche Geduld, meint Rustler. Man könne nicht erwarten, dass von jetzt auf gleich alles gelinge, was man sich vorgenommen habe. Sein Ziel sei es, Räume zu schaffen, in denen sich Jugendliche wohlfühlen, wo sie ihre Stärken entdecken, aber auch Probleme besprechen können. Ihm schweben wöchentliche Treffen im Bereich "Am Weiher" vor. "Wir müssen eine gewisse Regelmäßigkeit und Struktur in die Sache bringen", sagt er.

Damit meint er auch, neue Kommunikationswege über die sozialen Medien zu erschließen. "Es werden bei den ersten Angeboten sicher nicht 20 Personen zwischen zwölf und 18 Jahren auf der Matte stehen", sagt er, aber er hoffe, dass sich das Angebot herumspreche, mit der Zeit bekannter werde und immer mehr Jugendliche anziehe.

Ziel sei auch, zunächst einmal herauszufinden, was Jugendliche überhaupt wollen. Den Gesamtstädtischen Beirat sieht er dabei als ein wichtiges Hilfsmittel an, und er hofft, dass sich daran auch viele junge Leute in der Interessengruppe Jugend beteiligen. Das ist auch ganz im Sine von Bürgermeister Bonk. "Die IG Jugend im Beirat könnte so etwas werden, wie das Steinbacher Jugendparlament", schwebt ihm vor.

Wünsche der

Jugend sammeln

Der Rathaus-Chef hofft, dass der neue Jugendarbeiter die Wünsche der Jugendlichen sammelt, kanalisiert und an die Verwaltung weitergibt. Deswegen werden sich Rustler und er in regelmäßigen Abständen zusammensetzen. Dabei soll es dann beispielsweise auch darum gehen, ob und welche Räume für Jugendliche in der kalten Jahreszeit genutzt werden können. "Das ist nichts, was wir sofort entscheiden müssen, wir haben Räume für eine Interimslösung", sagt Bonk. "Aber bevor wir Räume in der Stadtmitte dauerhaft einrichten, die dann von den Jugendlichen nicht angenommen werden, weil sie einen Bauwagen am Waldrand besser gefunden hätten, fragen wir lieber die Jugendlichen direkt."

Mit den Bauwagen hat Thomas Rustler übrigens so seine Erfahrungen. Mit seinen Pfadfindern in Karben hat er einen solchen Bauwagen mit einer Solaranlage ausgerüstet, um Strom und warmes Wasser zu haben. So etwas könne er sich auch in Steinbach vorstellen. Jugendliche könnten dabei erleben, wie viel Potenzial in ihnen steckt.

Alexander Wächtershäuser

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