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Zwei Bewohner des Seniorenzentrums Sankt Elisabeth sitzen am Tisch, im Vordergrund steht ein Rollator.

Avendi

Käufer von Senioren-Wohnungen beklagen nicht eingehaltene Versprechen

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Als die Avendi-Senioreneinrichtung in der Planung und im Bau war, wurde für die Eigentumswohnungen mit hinzukaufbaren Leistungen geworben – für einige Kunden ein Argument pro Kauf. Doch nun sind sie enttäuscht.

Christine Lenz hat den Prospekt aufbewahrt: In diesem wurde für „25 komfortable Senioren-Service-Eigentumswohnungen“ geworben. Dort könnten ältere Menschen „völlig eigenständig“ leben, „unterstützt durch ein vielfältiges, ambulantes Service-Angebot“.

Es ist ein Katalog, der Reklame machte für die 2015 eröffnete Senioren-Einrichtung des Unternehmens Avendi an der Untergasse, die von der Avendi-Mutterfirma Diringer und Scheidel errichtet wurde. Dort gibt es außer einem Pflegebereich auch jene sogenannten Service-Wohnungen.

Christine Lenz hat eine Wohnung gekauft, um ihre Eltern in ihrer Nähe unterbringen zu können. Für sie war das Service-Angebot ein Kriterium pro Kauf gewesen. Letzteres gilt auch für Karin Geromiller, Gustav Schreiber, Wolfgang Schütz und Lars Knobloch. Allesamt sind örtlich bekannt, als Kommunalpolitiker respektive aufmerksame Bürger.

Sie alle sind enttäuscht: „Es gab damals Versprechen, die nicht eingehalten wurden“, sagt Knobloch. Er hat ein Appartement gekauft, um seinem Vater Hilfe zukommen lassen zu können.

Nach Darstellung der Käufer können Dienstleistungen nicht wie angekündigt in Anspruch genommen werden. Gustav Schreiber ist mit seiner Frau in die Einrichtung gezogen und hat auf Unterstützung im Haushalt gehofft – erfolglos.

Er hatte früh um eine Preisübersicht für Dienstleistungen gebeten, aber keine bekommen, wie er sagt. „Wir haben eigentlich eine ganz normale Eigentumswohnung gekauft“, sagt der Senior resigniert.

Avendi stellt die Sache anders dar: Auf Anfrage dieser Zeitung teilt Marketingleitung Sandra Freitag mit, Dienstleistungen wie Reinigung und Haushaltsunterstützung könnten „gern in unserer Verwaltung angefragt werden“. Allerdings lägen dazu keine Anfragen vor. Bewohner des Service-Wohnens beanspruchten „lediglich vereinzelte Leistungen des Haustechnikers sowie das Mittagstisch-Angebot im Gemeinschaftsraum“. Frage jemand konkrete Leistungen an, bekomme er einen Kostenvoranschlag. Auch auf einen Wäscheservice weist Freitag hin – dass es diesen ebenso wie das Mittagessen gibt, stellen auch die Käufer nicht infrage.

Wolfgang Schütz, der auch Vorsitzender des Verwaltungsbeirats ist, hatte Avendi schon vor geraumer Zeit auf deren Homepage hingewiesen und gebeten, Formulierungen in Bezug auf die Serviceleistungen zu ändern. Doch erst jetzt, nach Anfrage dieser Zeitung, hat das Unternehmen etwas geändert.

War zuvor vom „Service-Wohnen im Herzen von Steinbach“ die Rede, wurde das Wort Service jetzt aus dieser Überschrift gestrichen. Und statt von einem „vielfältigen ambulanten Service-Angebot“ von ambulanter Pflege über medizinische Versorgung bis hin zu Hilfe bei der Haushaltsführung ist nun nur von „bestimmten Serviceleistungen“ die Rede. Genannt werden „die Unterstützung im Haushalt oder die Teilnahme am Mittagstisch“.

Zum Thema Pflege heißt es nun nur noch: „Bei pflegerischem Bedarf kann Ihnen das Team unserer Einrichtung ein Angebot unseres kooperierenden ambulanten Pflegedienstes anfragen.“ Dieser Abschnitt sei auf der Homepage „nicht ganz klar formuliert“ gewesen“, gibt Freitag zu.

Das Thema Pflege war Christine Lenz besonders wichtig gewesen. Sie hatte gedacht, bei Avendi „ein tolles Paket“ zu bekommen – inklusive Pflegedienst. Doch dann musste sie sich selbst um einen solchen Dienst für ihre Eltern kümmern. Beide sind mittlerweile, wie der Vater von Lars Knobloch, verstorben.

Die Unzufriedenheit treibt Christine Lenz aber bis heute um. Auch als sie hört, wie Avendi auf TZ-Anfrage den Begriff „Service-Wohnungen“ definiert: „Mit den Service-Wohnungen ermöglichen wir es älteren Menschen, ein selbstbestimmtes Leben in einer barrierefreien Wohnumgebung führen zu können“, sagt Freitag, ehe sie auf die buchbaren Leistungen verweist. „Service bedeutet für uns: „Alles kann, nichts muss!“

„Das ist eine Unverschämtheit“, sagt Lenz dazu. Und auch Schütz bleibt dabei: „Das Leistungsversprechen wurde in keiner Weise eingehalten.“ Knobloch sieht in der Avendi-Reaktion den Versuch, „das Versprochene und das, was man leisten kann, in Einklang zu bringen“. Für ihn ist das Thema noch nicht erledigt: „Wir werden uns anwaltlich beraten lassen.“

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