1. Startseite
  2. Region
  3. Hochtaunus
  4. Steinbach

Steinbach: Die Verschönerung des Ortskerns ist komplex

Erstellt:

Von: Gabriele Calvo Henning

Kommentare

Zu einem lebendigen Zentrum soll der historische Ortskern samt "Freier Platz" und "Bütt" dank des Förderprogramms in den nächsten Jahren werden.
Zu einem lebendigen Zentrum soll der historische Ortskern samt "Freier Platz" und "Bütt" dank des Förderprogramms in den nächsten Jahren werden. © Priedemuth

Die Stadt stellt einen konkreten Maßnahmenkatalog vor. Der Beschluss hängt von der Zustimmung der Stadtverordneten am Montagabend ab.

Steinbach - Wenn am Montagabend die Stadtverordnetenversammlung zusammentritt, dann steht ein "dickes Papier" zur Abstimmung auf der Tagesordnung. Diese Worte fand Bürgermeister Steffen Bonk (CDU) bei der Pressepräsentation des "Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts" (ISEK). Dabei handelt es sich auf fast 170 Seiten um einen festgezurrten Maßnahmefahrplan, mit dem der historische Stadtkern städtebaulich aufgewertet werden soll.

Hintergrund ist die Aufnahme Steinbachs 2020 in das Landesförderprogramm "Lebendige Zentren" mit einem Fördervolumen von zehn Millionen Euro in zehn Jahren. Kernthemen dabei sind der Erhalt oder die Erneuerung historischer Bausubstanz und vorhandener Straßen, eine vernünftige Nachverdichtung und neue Wegebeziehungen. Auch Klima- und Wasserschutz und Ökologie spielen eine wichtige Rolle. Mindestens eine Maßnahme für die sogenannte "grüne und blaue Infrastruktur", muss es zwingend in jedem Förderjahr geben, will man ans Geld. Das als Beschlussvorlage vorliegende ISEK wurde vom beauftragen Karlsruher Planungsbüro "Werkplan" erstellt und ist das Ergebnis eines längeren Analyse- und Planungsprozesses, in das Handlungsvorschläge aus der Stadtverwaltung ebenso eingeflossen sind wie Kritik und Anregungen aus der direkt betroffenen Anwohnerschaft. Berücksichtigt wurden auch Elemente des Stadtentwicklungskonzepts 2006 und das aktuelle Radwegekonzept, genauso wie Klimaschutzmaßnahmen. Als eine Art übergeordnete Steuerungsgruppe fungiert die "Lokale Partnerschaft" mit personeller Beteiligung aus der Stadtverwaltung, der Politik und Akteuren wie beispielsweise vom Gewerbeverein, Vereinsring und Geschichtsverein.

Es geht nur mit den privaten Eigentümern

Mit einer Fragenbogenaktion bei Anwohnern galt es unter anderem abzuklopfen, ob und welche privaten Sanierungs- oder (Um-)Baumaßnahmen angedacht sind und beim ISEK mitgedacht werden können. Denn Tatsache ist, dass private Eigentümer von Liegenschaften im Fördergebiet, eine wichtige Rolle im Maßnahmenkonzert spielen. Die beabsichtigte Verschönerung des alten Ortskerns wird ohne sie nicht funktionieren. Schon jetzt ist die Stadt dabei, Grund von Privat zu erwerben, um baldmöglichst an die Umsetzung bestimmter Maßnahen zu gehen. Als Beispiel sei hier der "Alte See" genannt, dessen Areal man für die Naherholung besser nutzen möchte und der eine Wegeverbindung in den alten Ortskern bekommen soll.

Insgesamt, so Bauamtsleiter Alexander Müller, "hat das ISEK einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem eins ins andere greift." Deshalb sei es schwierig, einzelne Maßnahmen isoliert zu betrachten und prägnant nach außen darzustellen. Zwar gehe es um konkrete Ziele wie die Komplettsanierung der Bornhohl, ein Kultur- und Heimathof, oder auch der barrierefreien Ausbau des Backhauses. Außerdem soll der Steinbach als Namensgeber der Stadt sichtbarer werden. Am Ende aber hänge alles mit allem zusammen, so Müller, was das Ganze sehr komplex mache.

Das ISEK soll an das Förderprogramm "Soziale Stadt" anknüpfen. Wie bei diesem teilen sich Bund, Land und Stadt Maßnahmekosten wieder zu je einem Drittel. Der Unterschied ist, dass es bei den "Lebendigen Zentren" keine ausgeprägt soziale Komponente wie ein Quartiersmanagement gibt. Dafür wird neben dem viel stärker betonten Klimaschutz ein Beratungsangebot für Anwohnende geschaffen. Für sie wird es außerdem ein finanzielles Anreizprogramm gegeben, das quasi "on top" Gelder zur Verfügung stellt, wenn für ein Sanierungs- oder Bauprojekt andere Finanzierungsmöglichkeiten wie KfW-Kredite oder Zuschüsse für den Denkmalschutz, ausgeschöpft sind.

Teil der Beschlussvorlage des Magistrats ist allerdings auch, dass das Fördergebiet zum Sanierungsgebiet erklärt wird. Für Bürgermeister Bonk ist das nur auf den ersten Blick eine dicke Kröte, die Eigentümer mit Blick auf den Wert ihrer Liegenschaften zu schlucken haben. "Der Schatz, den wir mit diesem Schritt heben können, ist viel größer", versichert er. Denn damit könnten zugleich Sanierungsmaßnahmen zu 100 Prozent steuerlich geltend gemacht werden. Das wiederum sei ein wichtiger Hebel für Investitionen in die städtischen Liegenschaften. Auch für Privatbesitzer sei das interessant und wiege mögliche Nachteile auf, so Bonk und Müller.

Für den Sommer sind eine ganze Reihe von Infoveranstaltungen zum ISEK geplant. Unter anderem informiert die Stadt beim Stadtfest des Gewerbevereins am 18. und 19. Juni auf dem Freien Platz. Nach den Sommerferien ist eine Bürgerversammlung geplant. Und nach der Stadtverordnetenversammlung am Montag wird die Politik ein gewichtiges Wörtchen bei den einzelnen Maßnahmen mitzureden haben.

Auch rund um die alte Schmiede soll der Straßenraum neu und besser gestaltet werden.
Auch rund um die alte Schmiede soll der Straßenraum neu und besser gestaltet werden. © Priedemuth

Auch interessant

Kommentare