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Steinbach: Mit dem Aufschwung kamen die Stadtrechte

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Von: Christiane Paiement-Gensrich

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Erinnerungen an alte Zeiten: Bürgermeister Steffen Bonk (l.) interviewt Klaus Döge (Mitte) und Lars Knobloch.
Erinnerungen an alte Zeiten: Bürgermeister Steffen Bonk (l.) interviewt Klaus Döge (Mitte) und Lars Knobloch. © cg

Beim der zentralen Feier im Bürgerhaus zur Verleihung vor 50 Jahren schwelgen die Gäste in Erinnerungen.

Steinbach -Die Geburtstagstorte war der Clou. „50 Jahre Stadt Steinbach (Taunus)“ stand in Schokoladen-Buchstaben auf der weißen Glasur. Die cremig-süße Biskuit-Überraschung zum Ende des Festabends war Bürgermeister Steffen Bonk (CDU) gelungen. Am Donnerstagabend feierte die Stadt den 50. Jahrestag der Verleihung der Stadtrechte. Und Stadtverordnetenvorsteher Jürgen Galinski (SPD) begrüßte die zahlreichen Gäste aus Politik und Gesellschaft, die ins Bürgerhaus gekommen waren.

Am 22. September 1972 hatte der damalige Hessische Ministerpräsident Albert Osswald (SPD) seinem Parteigenossen, dem Steinbacher Bürgermeister Walter Herbst, die vom Innenminister unterzeichnete Urkunde zu den Stadtrechten bei einer Feierstunde überreicht. Schwarz-weiß-Fotos von damals erschienen auf der Bühnen-Leinwand, ebenso der einstige Slogan „Steinbach, die junge Stadt der offenen Herzen“. Von nur rund 1900 Einwohnern im Jahr 1962 war der Ort dank umfangreichen Baus günstiger Wohnungen bis Mitte der 1970er- Jahre auf mehr als 10 000 Einwohner gewachsen. Das entspricht in etwa auch der heutigen Einwohnerzahl.

Landrat Ulrich Krebs (CDU) verriet, dass Steinbach einst „ein kleines Taunusdorf mit Offenbacher Wurzeln“ war. In der Tat hatte der Ort bereits zum Kreis Offenbach gehört. Und er betonte: „Für Steinbach hat es sich gelohnt, selbstständig zu bleiben.“ Auch sei er froh, dass Steinbach den Erweiterungsgelüsten der großen Nachbarstadt entgegengetreten sei (gemeint war die von Frankfurt geplante „Josefstadt“). Gemeinsam dürften die Steinbacher und die Kreisverwaltung stolz auf die neu errichtete Geschwister-Scholl-Schule sein, so Krebs weiter. Deren Namenspatrone seien für Freiheit und Demokratie eingetreten, und hätten das mit ihrem Leben bezahlt, fügte er hinzu und zog eine Parallele zur aktuellen politische Situation in Russland und dem „verbrecherischen russischen Angriffskrieg auf die Ukraine“.

Schlamm und Schlaglöcher

Johannes Heger, Geschäftsführer des Hessischen Städte- und Gemeindebundes, berichtete über die Gebietsreform der 1970er-Jahre, aber auch dass Steinbach einst eine „hessische Enklave in preußischem Territorium“ gewesen sei. Und dann war da noch die Hauptstraße von Homburg nach Höchst. „Die gut ausgebaute Straße endete vor den Toren Steinbachs“, erzählte Heger. Auf dem Steinbacher Gebiet der Strecke habe es lediglich „zwei Kilometer Schlamm und Schlaglöcher“ gegeben.

Bonk erklärte, dass Steinbach eine der ältesten Gemeinden im Vordertaunus sei. Die urkundliche Ersterwähnung stamme aus dem Jahr 789, schon zuvor seien die Römer hier gewesen. Der Ort habe in der Vergangenheit unter anderem zu Falkenstein, Kronberg, Königstein und Hanau gehört, „und wir sind seit langer Zeit Hessen“. Aber bis 1954 habe es hier keine Wasserleitung gegeben. Daher habe die Stadt auch einen Brunnen, „die Bütt’“ im Stadtwappen. Denn die Bütt’ sei der Dreh- und Angelpunkt des Ortes gewesen. Der wirtschaftliche Aufschwung sei erst gekommen, als der Ort zum damaligen Obertaunuskreis gehörte. Zahlreiche Investitionen seien getätigt worden, für Wohnungen, Bürgerhaus, Schulturnhalle, Sport- und Erholungszentrum sowie das 1972 eröffnete erste Hallenbad im Vordertaunus (das heute nicht mehr existiert).

„Der Aufbruch mündete in die Verleihung der Stadtrechte“, berichtete Bonk und holte dann „Zwei die aus der Vergangenheit berichten können“, auf die Bühne: Klaus Döge, 37 Jahre lang Vereinsring-Vorsitzender, erzählte, wie er als junger Mann mangels Bus von Steinbach bis Oberhöchstadt laufen musste und wie ihn der Busfahrer wegen seiner schmutzigen Schuhe dann nichteinmal in den Bus nach Kronberg steigen lassen wollte. Und Erster Stadtrat Lars Knobloch (FDP), der seit seinem zweiten Lebensjahr Steinbacher ist, verriet fröhlich: „Dass ich nach Steinbach komme, war eigentlich klar, denn ich bin in Offenbach geboren.“

Als Überraschungsredner kaperten der Erste Beigeordnete Torsten Hoffmann (FDP) aus der Partnerstadt Steinbach-Hallenberg (Thüringen) und der „edle Burgvogt“ (Stephan Herwig) die Bühne. Hoffmann überbrachte die Grüße des Bürgermeisters, der nicht selbst kommen konnte, weil dessen Hochzeit anstand. Und er lud alle Steinbacher in die Partnerstadt ein.

Der Burgvogt, in mittelalterlichem Lederwams und mit wollener Haube, berichtete von der altehrwürdigen Burganlage auf der nächstes Jahr kräftig gefeiert werden soll. Die beiden gehörten zu einer achtköpfigen Delegation, darunter auch die Steinbach-Hallenberger Wirtschaftförderin Antje Hoffmann. Sie überreichte mit Spezialitäten gefüllte Rucksäcke an Bonk und Stadträtin Claudia Wittek (FDP).

Grüße aus Thüringen

Und der „Burgvogt“ drückte Bonk schließlich noch einen Taler in die Hand und erklärte launig, das sei „ein original silberner Hallenburger, damit Sie die Chose hier bezahlen können“.

Später lobte Entertainer Walter Renneisen die Musikalität der hessischen Sprache und sang zur Melodie von „Es war ein König in Thule“ Friedrich Stoltzes Gedicht vom „Wermsche uff’m Termsche“ (die Übersetzung für Nichthessen: Würmchen auf dem Türmchen). Und er trompetete und sang Louis Armstrongs romantisches Stück „What A Wonderful World“. Der Auftritt des Künstlers war das Geburtstagsgeschenk des Gewerbevereins an die Stadt.

Damit sich die Gäste musikalisch in die Stimmung der 1970er-Jahre zurückversetzen konnten, erklangen zudem wunderschön gespielte Abba-Melodien wie „Mamma Mia“, „Waterloo“ und „Dancing Queen“, dargeboten von Ellen Breitsprecher (Klavier), Beatrice Orth (Violine) und Basile Orth (Violoncello).

Schneiden gemeinsam die Geburtstagstorte an (v. l.): Stadtverordnetenvorsteher Jürgen Galinski, Gewerbevereins-Vorsitzender Walter Schütz und Bürgermeister Steffen Bonk.
Schneiden gemeinsam die Geburtstagstorte an (v. l.): Stadtverordnetenvorsteher Jürgen Galinski, Gewerbevereins-Vorsitzender Walter Schütz und Bürgermeister Steffen Bonk. © cg

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