Anja Dürringer (Caritas), Pfarrer Herbert Lüdtke, die neue Jugendpflegerin Antonia Landsgesell sowie Bürgermeister Steffen Bonk (von links) probieren schon mal den Tischkicker im Jugendraum aus.
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Anja Dürringer (Caritas), Pfarrer Herbert Lüdtke, die neue Jugendpflegerin Antonia Landsgesell sowie Bürgermeister Steffen Bonk (von links) probieren schon mal den Tischkicker im Jugendraum aus.

Jugendarbeit

Steinbach: Neue Jugendpflegerin will ganz genau zuhören

  • VonManuela Reimer
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Antonia Landsgesell hat ihre Stelle angetreten und die Kirchengemeinde stellt den Raum als Treffpunkt junger Leute zur Verfügung.

Steinbach -Neues Jahr, neues Gesicht: Fortan ist Antonia Landsgesell Steinbachs Jugendarbeiterin. Die 26 Jahre alte Mainzerin hat die Stelle zum 1. Januar von Thomas Rustler übernommen. "Ich freue mich, die Zukunft der Kinder und Jugendlichen, aber ein Stück weit auch die der Stadt mitzugestalten" - und zwar gemeinsam mit den Mädchen und Jungen, betont Landsgesell.

Die neue Jugendarbeiterin ist wie ihr Vorgänger bei der Caritas Hochtaunus angestellt - fortan aber trägt die Stadt die Kosten, wie angekündigt, allein. Die 19,5 Wochenstunden schlagen mit rund 45 000 Euro im Jahr zu Buche, die im Haushalt vorgesehen seien, unterstreicht Bürgermeister Steffen Bonk (CDU). In einer finanziell schwierigen Zeit - Stichwort: Corona - sei man froh darüber. "Und wenn dann noch mal Mittel für eine Party, ein Turnier oder eine Busfahrt gebraucht werden, werden wir außer der halben Stelle auch das finanziert bekommen", verspricht der Rathauschef.

Im vergangenen Jahr hatte die Caritas der Stadt noch unter die Arme gegriffen, damit Rustler zwischen März und Dezember für die Jungen und Mädchen da sein konnte - die Kommune hatte die Hälfte der Kosten dazugegeben. Dass es wieder einen Jugendpfleger geben soll, war nicht zuletzt im Kommunalwahlkampf Anfang 2021 Thema gewesen. Nun starte man mit neuem Elan durch, so Bonk, der lobt: "Antonia Landsgesell passt bestens hier rein und wird die Jugendarbeit mit Verve voranbringen."

Dass man dabei nach wie vor zu dritt im Boot sitze, sei gut so: "Gemeinsam geht's besser, wie immer in Steinbach." Dritte im Bunde ist die evangelische Kirchengemeinde St. Georg, die seit Ende vergangenen Jahres ihren Jugendkeller an der Kita Regenbogen zur Verfügung stellt.

Zuletzt stand der kleine Raum an der Untergasse mit Tischkicker, Billardtisch und Sofaecke vor allem jenen beiden Gruppen offen, die Rustler aufleben lassen hat: Jugendtreff und Mädchentreff, die sich wieder gefunden hätten, wie Bonk sich freut. Auch Anja Dürringer vom Caritasverband ist begeistert: "Es ist schon richtig was passiert." Landsgesell soll die erfolgreiche Arbeit fortführen. Dürringer: "Besonders freue ich mich, dass wir diese Kooperation jetzt für drei Jahre festschreiben konnten. Das ist eine tolle Sache."

Großer

Bedarf

Der Bedarf an einem professionellen Angebot sei groß, da sind sich alle einig. "Besonders, seit es das städtische Jugendhaus nicht mehr gibt", meint Pfarrer Herbert Lüdtke. 2013 schloss die Stadt die Einrichtung. "Auch wir können zurzeit keine offenen Treffs anbieten, Covid hat da echt reingehauen", sagt Lüdtke.

Immer dienstags, mittwochs und freitags will Antonia Landsgesell ab sofort in Steinbach sein. Beliebte Teenie-Treffpunkte wie den Weiher oder Parkplätze habe sie schon bei einem Spaziergang ausgekundschaftet, erzählt die junge Frau, die frisch von der Uni kommt: In Bamberg hat sie Sozial- und Bevölkerungsgeografie studiert, Schwerpunkte: Sozialraumorientierung, Integration und Partizipation der Zivilgesellschaft. "Jetzt freue ich mich, wieder mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten." Das hat sie schon bei Praktika, zudem trainierte die passionierte Geräteturnerin Nachwuchstalente und organisierte als Gruppenleiterin kirchliche Zeltlager.

Heute trifft Landsgesell, die immer noch dabei ist, die Stadt und die Strukturen vor Ort kennenzulernen, wie sie erzählt, die ersten Jugendlichen. "Ich will alle Gruppen besuchen und ganz in Ruhe auf sie zugehen: Was wollt ihr, was braucht ihr? Und dann planen wir gemeinsam die Projekte, das ist dann auch nachhaltig."

Eine erste Idee gibt's trotzdem schon: Im Frühsommer will sie für die Mädchen einen Selbstverteidigungskurs organisieren. "Da geht es auf der einen Seite um den Sport, auf der anderen Seite können sie ihre innere Stärke wiederfinden und neues Selbstbewusstsein aufbauen." Auch der Fußball-Cup soll, wenn möglich, wieder stattfinden.

Für diese und andere Angebote will die Caritas sich nach Landesfördermitteln umschauen. "Wichtig ist, den Jugendlichen gut zuzuhören. Sie nicht zu verurteilen, auch wenn einem Erwachsenen die Anliegen verrückt erscheinen", sagt Landsgesell. Dann gelte es, die Wünsche aufzunehmen und gemeinsam nach Lösungen zu schauen. "Sie hatten eine schwere Zeit, haben viel verzichtet. Ich weiß, wie man sich fühlt, wenn man zu Hause sitzt und nicht mehr zum Sport kann. Da wird es jetzt viele Anliegen geben - ich habe ein offenes Ohr."

Landsgesell will auch aufsuchend arbeiten, hofft gleichzeitig aber, dass mehr junge Leute kommen, wenn sich das Angebot im Jugendraum herumspricht. "Stabil sind zwischen zehn und fünfzehn Mädchen dabei, zur Jugendgruppe kamen zuletzt drei, draußen, im Sommer, waren es aber mehr."

Ein Ort zur

Entfaltung

Apropos Raum: "Optimal wäre natürlich ein eigener, größerer Ort, an dem sich die Jugendlichen richtig entfalten können." Bürgermeister Bonk nickt und sagt zumindest so viel zu: "Unsere Jugendarbeiterin wird mit den Jugendlichen über den tatsächlichen Bedarf sprechen. In dem Kontext werden wir dann die Frage des Raums - die bekanntlich Mangelware sind - klären."

Auch für die Caritas-Hausaufgabenhilfe in St. Bonifatius, die aktuell zweimal in der Woche stattfindet, soll Landsgesell zuständig sein. Dürringer: "Da werden wir uns neu aufstellen. Der Bedarf der Grundschulkinder ist riesig." Manuela Reimer

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