Amtsleiter Alexander Müller erläutert das Oberflächenwasser-Einzugsgebiet Steinbachs.
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Amtsleiter Alexander Müller erläutert das Oberflächenwasser-Einzugsgebiet Steinbachs.

Hochwasserschutz

Steinbach willFluten die Spitze nehmen

Aus aktuellem Anlass stellen Bürgermeister Steffen Bonk und und Amtsleiter Alexander Müller die Maßnahmen der Stadt gegen Überflutungen vor.

Mit Blick auf das Ahrtal in Rheinland-Pfalz und die Katastrophengebiete in Nordrhein-Westfalen hat Steinbach beim Stichwort Schutz vor Starkregen und Überflutungen vergleichsweise ein Luxusproblem: Es ist in den sanften Hügelchen des Vordertaunus kein Risikogebiet.

Dennoch nutzten Bürgermeister Steffen Bonk, Alexander Müller, Leiter des Amts für Stadtentwicklung und Verkehr, und Stadtbrandinspektor Mathias Bergmann am Donnerstag den traurigen Anlass, um über die Hochwasserprävention in dem Taunusstädtchen zu informieren. "Die Menschen stellen uns wegen der aktuellen Ereignisse Fragen", begründet Bonk. Das sei auch kein "politischer Aktionismus" der sich schon gar nicht parteipolitisch instrumentalisieren lasse, stellt er klar. Seit Jahrzehnten sei der Hochwasserschutz Thema im Steinbach und er werde ständig verändert, verbessert, optimiert und ausgebaut. "Vom Taunus kommt schon einiges runter", erklärt Müller. Immerhin habe der Steinbach ein Einzugsgebiet von gut 500 Hektar. "Und das Wasser drückt von Stierstadt her." Der Steinbach fließe aber in einem breiten, sanften Tal mit einem generell geringen Überflutungsrisiko - trotz des hier vorherrschenden Lehmbodens, der wenig Regenwasser aufnehmen könne. Staukapazitäten zu schaffen und möglichen Starkregenfluten die Spitze zu nehmen, sei erklärtes Ziel der Stadtplanung.

Stets würden Kanalkapazitäten etwa durch Staurohre erhöht. Teils parallel zur bestehenden Kanalisation, auch um Abwasser von Regenwasser zu trennen. Derzeit werde das komplette, 38 Kilometer lange Kanalnetz mit Kameras abgefahren, nicht nur um Schäden aufzuspüren, sondern auch um mögliche Engpässe, die Dimensionen und hydraulischen Kapazitäten neu zu bemessen und zu erfassen. Im Rahmen des Städtebauförderprogramms würden etwa die Erneuerungen von Straßen und Wegen auch dazu genutzt, die Kanalkapazitäten auszubauen. "Immerhin sei die Obergasse schon geflutet gewesen", erinnert der Bürgermeister. An vielen Stellen würden oft Kleinigkeiten verbessert, wie etwa ein raffiniertet Rost an einem Durchlauf, der auch noch Wasser durchlässt, wenn er etwa mit Grasschnitt, Laub, Geäst zugesetzt ist.

Regenrückhaltebecken

geplant

Konkret geplant sei ein Regenrückhalte- und Retentionsbecken an der Waldstraße, das bereits zum Jahreswechsel herum entstehen solle.

Dennoch sei der Hochwasserschutz ein kompliziertes und mühsames Unterfangen, erklärt der Amtsleiter. Zum einen wegen stellenweise komplizierten Gemengelagen bei den Gemarkungsgrenzen, zum anderen wegen den Verhandlungen mit vielen Grundstückseigentümern. Diese habe die Stadtverwaltung vor dem Hintergrund der aktuellen Katastrophe angeschrieben, um sie auf die Möglichkeiten zur Verbesserung des Hochwasserschutzes hinzuweisen. "Vieles liegt auch gar nicht in unserer Hand", stellt der Bürgermeister klar. Für die Verbesserung des Hochwasserschutzes müsse die Stadt Grund erwerben, auch wenn es sich nur um wenige Quadratmeter für einen Flutgraben, einen Durchlass oder eine Retentionsfläche handele. Der Hochwasserschutz sei zudem keine Pflichtaufgabe der Kommune. Bonk appelliert auch an die private Vorsorge. "Wenn ein Keller vollgelaufen ist, muss man sich auch fragen lassen, warum er vollgelaufen ist." Wenn etwa eine Hebeanlage fehlt oder Lichtschächte der Kellerfenster der Flut Tür und Tor öffnen. Einig sind sich Bürgermeister und Amtsleiter auch darin, dass der Hochwasserschutz deshalb so komplex ist, weil er von so vielen Variablen abhängt. Welche Wassermenge kommt wann wo auf welche Fläche runter und wo fließt sie hin?

Bonk weist darauf hin, dass die Stadt inzwischen die Begrünung aller Flachdächer in ihren Bebauungsplänen festschreibe, um auch so Starkregenereignissen zumindest einen Teil ihrer Spitze zu nehmen. "Der Hochwasserschutz ist bei uns ständig im Fluss", so der Bürgermeister sinnig.

Letztlich gehe es auch darum, die Menschen im Katastrophenfall zu warnen. Anfang der 1990er Jahre habe man mit dem Ende des Kalten Krieges landauf, landab die altbewährten Sirenen abgebaut. Das solle sich in Steinbach wieder ändern. Derzeit würden potenzielle Sirenenstandorte geprüft, um drei bis vier Sirenen im Stadtgebiet wieder zu installieren, um die Menschen bei Gefahren- und Katastrophenlagen zu warnen.

Bei der Feuerwehr kennt man die neuralgischen Punkte in Steinbach, berichtet der Stadtbrandinspektor.D "Wir haben schon einige Keller ausgepumpt, aber es gibt auch viele merkliche Verbesserungen", erklärt Bergmann. Auch deshalb sei die Hochwassergefahr in der Stadt vergleichsweise moderat. Bergmann weiß, wovon er spricht: Er war mit dem hessischen Feuerwehrkontingent vor wenigen Tagen im nordrhein-westfälischen Katastrophengebiet im Einsatz. "Das waren ganz andere Dimensionen, die man sich kaum vorstellen kann." Da helfe auch kein Regenrückhaltebecken oder eine Hebeanlage im Keller mehr. jo

Einfach, aber wirksam. Dieser schlaue Käfig lässt auch noch Wasser durch das Rohr, wenn er mit Laub und Geäst verstopft ist.

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