Michael Farquharson will auch in diesem Jahr wieder Quinoa ernten. Die ersten Pflänzchen haben sich schon aus "Auf der blauen Erd" herausgearbeitet.
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Michael Farquharson will auch in diesem Jahr wieder Quinoa ernten. Die ersten Pflänzchen haben sich schon aus "Auf der blauen Erd" herausgearbeitet.

Ackerbau

Steinbacher Quinoa geht in die vierte Runde

  • vonGabriele Calvo Henning
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Michael Farquharson hat auch Lupine "Auf der blauen Erd" gesät und seine Produkte kommen bestens an.

Zum vierten Mal baut der Kelkheimer Michael Fraquharson in Steinbach Quinoa an. Auf einem von ihm gepachteten Acker "Auf der blauen Erd" hat er vor kurzem wieder das ursprünglich aus den südamerikanischen Anden stammende Pseudogetreide, Sorte Kaslala, ausgesät. Es hat bei Vegetariern und Veganern nicht zuletzt wegen des hohen Eiweißgehalts und den vielen essenziellen Aminosäuren den Ruf eines "Superfoods".

Auch bei Menschen, die Gluten vermeiden müssen oder wollen, steht Quinoa hoch im Kurs. Mit seiner erneuten Aussaat beweist Farquharson einmal mehr, dass die Samen, die wie Reis gekocht werden können, nicht den langen Weg aus Südamerika antreten müssen. Das anspruchslose und robuste Quinoa wächst auch in europäischen Gefilden wunderbar, und erst recht in Steinbach.

Ortstermin "Auf der blauen Erd", wo er dabei ist, mit der Hacke in der Hand seinen Feldstreifen von Unkraut und anderem an dieser Stelle nicht erwünschtem Grün zu befreien. Viermal pro Woche jeweils vier bis fünf Stunden macht er das, wenn er nicht gerade beim Fernsehen des WDR als Cutter arbeitet. Die wilden Brombeeren kommen immer wieder durch, dazu der Löwenzahn. "Disteln und Ampfer wachsen wie die Pest" sagt Farquharson, der, weil alles "bio" sein muss, keinen Unkrautvernichter einsetzt.

Für unser Gespräch lässt der Quinoa-Fan das Unkraut kurz mal Unkraut sein und nimmt sich Zeit für eine Bilanz. Dabei ist "Auf der blauen Erd" so etwas wie die Keimzelle für sein Quinoa-Projekt. Zwischenzeitlich konnte er auch die hiesige Landwirtsfamilie Windecker mit ins Boot holen und mit ihrer Unterstützung zwei Jahre lang auf einem Teil ihrer Felder säen und ernten. In diesem Jahr bestellt er in Steinbach nur "Auf der blauen Erd", außerdem in Wallau und in der Nähe von Hofheim - insgesamt komme er auf einen Hektar.

Aufs Säen und Jäten folgen, wenn die bis zu zwei Meter hohen Pflanzen reif sind, das Ernten und Dreschen. Einen Teil der kleinen Körner hält Farquharson für die nächste Aussaat zurück, den anderen Teil verkauft er in verschiedenen Bio- und Unverpacktläden in der Region und im Steinbacher Hofladen Windecker. Sein Steckenpferd aber ist sein Pesto "Quinada", das er, als Einziger auf der Welt, wie er sagt, aus den Blättern macht. Das verkauft er unter anderem in Feinkostläden in Königstein und Frankfurt. 300 Gläser habe er abgefüllt, verkaufen können hätte er privat und in den Läden noch mehr.

Erst mälzen, dann knuspern

Seine neueste Erfindung ist gemälzter Quinoasamen, der über Salat gestreut, kernig-nussig knuspert. "Fürs Mälzen lässt man den Samen vorher keimen. Das gibt noch mal mehr gute Inhaltsstoffe", weiß Farquharson, der seine Erzeugnisse immer wieder wissenschaftlich prüfen lässt. Über das Mälzen ist er übrigens auch in Kontakt zu einer Frau im Iran gekommen, mit der er sich austauscht,

In diesem Jahr wächst neben Quinoa Süßlupine zum ersten Mal in Steinbach. Die hatte er im vergangenen Jahr schon woanders angebaut, die Bohnen geröstet und Kaffeepulver gemalen. Inspiriert durch eine spanische Leckerei, "habe ich die Lupine aber auch keimen lassen und in Reisessig eingelegt. Ein super leckerer Snack mit viel Protein", sagt Farquharson dazu. Der soll in diesem Jahr noch vermarktet werden.

Was allerdings sein Quinoa-Projekt betrifft, bedauert er, dass nur wenige Landwirte in der Region und in Deutschland Interesse am Anbau haben. "Auch die Verarbeitung ist schwierig. Für mich vor allem, weil ich nicht die Mengen anbaue, die eine industrielle Verarbeitung lohnen würden." Das laufe erst ab 50 Tonnen, davon ist der leidenschaftliche Amateurfarmer weit entfernt.

Also geht es für ihn erstmal so weiter, klein, regional und mit viel persönlichem Einsatz. Zurzeit ist er auf der Suche nach neuen Möglichkeiten fürs Dreschen und Lagern.

Die eigens aus China importierte feinkörnige Dreschmaschine liegt so langsam in ihren letzten Zügen. Hier braucht es demnächst mal Ersatz. Bislang kann Farquharson nicht von seinem Quinoa-Anbau leben. Schon deshalb hätte er nichts gegen professionelle Partnerschaften. An seinem Ziel hält er aber auf alle Fälle fest: "Die Leute auf Quinoa und die vielen gesunden Möglichkeiten aufmerksam zu machen." Denn, so sagt er weiter: "Quinoa ist so viel mehr als die kleine Tüte aus dem Supermarkt."

Wer mehr über den Quinoa-Fan wissen will, schaut auf Instagram unter taunusfarmboy oder auf YouTube auf dem Kanal Taunus Farmboy nach den neusten Infos. Per Mail ist er über farmboy@gmx,de erreichbar. alv

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