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Ob Senioren oder Schüler – alle leiden

Tränen wegen Bus-Chaos

  • Stefanie Heil
    vonStefanie Heil
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  • Matthias Pieren
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Seit dem Fahrplanwechsel am vergangenen Sonntag läuft im Busverkehr kaum etwas, wie es soll. Die Kunden laufen Sturm, und der Bürgermeister schlägt Alarm.

Kommt ein Bus? Wenn ja, wann? Und wohin fährt er? Fragen, die sich die Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel im Hoch- und Main-Taunus-Kreis seit Wochenbeginn jeden Tag stellen. Der Fahrplanwechsel am Sonntag hat zu einigen Änderungen geführt. Doch Busse kommen verspätet oder gar nicht, weil die auch die Steinbacher Linien bedienende DB Busverkehr Hessen GmbH offenbar nicht genug Busse und Fahrer hat (siehe Seite 27).

In Steinbach gibt es mehr als die Startschwierigkeiten, über die die TZ am Dienstag berichtete. „Meiner Meinung nach handelt es sich nicht nur um Anfangsschwierigkeiten, sondern um Fehlplanung“, sagt die Steinbacherin Stefanie Halling. Sie hat zwei Söhne, die die Altkönigschule (AKS) in Kronberg besuchen und seit dem Fahrplanwechsel häufiger auf das Mama-Taxi angewiesen sind.

Nach Ansicht Hallings orientieren sich die Abfahrts- und Ankunftszeiten der Schul- und Linienbusse (251), mit der Steinbacher Schüler nach Kronberg zur AKS fahren, nicht am Unterrichtsbeginn oder -schluss.

Sie berichtet von Fünftklässlern, die mittags bis zu eine Stunde nach Hause gelaufen seien, nachdem kein Schulbus kam und der Linienbus überfüllt war.

Der Rhein-Main-Verkehrsverbund antwortet dazu auf TZ-Anfrage schriftlich: „Um den Schülerverkehr mit bedienen zu können, setzten wir zusätzlich zwei Gelenkbusse ein, die morgens zum Schulbeginn (1. Stunde) und nachmittags zum Schulende (nach der 6. Stunde) fahren. Darüber hinaus fährt noch ein Gelenkbus zusätzlich nach der 8. Stunde.“

Das bedeutet aber auch: Für Mädchen und Jungen, die zum Beispiel erst zur zweiten Stunde Schulbeginn oder nach der fünften Stunde Schluss haben, gibt es keinen Schulbus – dann müssen die Kinder den Linienbus nehmen.

Zeit zu knapp?

Halling kritisiert zudem, dass die Fahrzeit zu knapp bemessen sei. Vom Pijnacker-Platz bis zur Schule seien nur acht Minuten berechnet. „Die Fahrzeiten werden von uns geplant und auf die normalen Gegebenheiten ausgelegt. Der Bus hat Puffer in Kronberg, um dann dort den Bahnhof pünktlich zu erreichen“, erklärt dazu der RMV. Sprecher Sven Hirschler verspricht, dass sich für die Planung verantwortliche Kollegen an Ort und Stelle umsehen und sich des Themas annehmen wollen, um „gegebenenfalls hier reagieren zu können“.

Nicht nur ihre Kinder, auch Stefanie Halling selbst hat schon vergeblich auf einen Bus gewartet. Sie wollte am Donnerstagmorgen um 8.15 Uhr Richtung Weißkirchen-Ost fahren. Als kein Bus kam, gab sie auf und holte ihr Fahrrad.

Bürgermeister Dr. Stefan Naas (FDP) ärgert sich über das Chaos und ist seit Montag mit den zuständigen Verkehrsverbänden in Kontakt, um Druck zu machen. „Die Buslinienbetreiber haben uns sehr enttäuscht“, sagt er. Die Stadt hätte gut verhandelt, nun enttäuschten die Betreiber mit Verspätungen und Fahrtausfällen. „Unprofessionell“, meint Naas.

Gut verhandelt – das bezieht Naas darauf, dass in Steinbach seit dem Fahrplanwechsel eine eigene Buslinie fährt: die 91. Sie soll bekanntlich das ausgedünnte Angebot auf den Linien 251 und 252 kompensieren, fährt außerdem den Edeka-Markt und die Phorms-Schule an.

Doch Helga Hasberg sieht in der 91 keinen guten Ausgleich. Die Seniorin beklagt, dass sie aus der Berliner Straße nicht mehr ohne Umsteigen ins Nordwestzentrum fahren kann. Zur Erklärung: Vor dem Fahrplanwechsel hat der 251er, der in die Nordweststadt nach Frankfurt fährt, den Ring durch die Berliner Straße genommen. Nun fährt dort der 91er. Hasberg, die gern im Nordwestzentrum einkauft, muss umsteigen oder zur – respektive von der – Bahnstraße laufen.

Für Senioren mitunter beschwerlich, erst recht, wenn sie auf einen Rollator angewiesen sind. „Sie hätten die Tränen von der einen Frau sehen sollen“, sagt Hasberg über eine andere Busnutzerin.

„Das nützt nichts“

Dass der 91er direkt zum Edeka fährt, ist für sie kein Trost. „Das nützt doch nichts“, sagt sie. „Die zwei Leutchen, die da hinfahren.“ Als die TZ gestern Nachmittag mit der Seniorin sprach, saß sie gerade in einem 91er Bus: als eine von drei Fahrgästen, wie sie sagt.

Doch Hoffnung, dass der Bus 251 wieder durch die Berliner Straße fahren wird, kann Bürgermeister Naas ihr und den anderen Senioren nicht machen. Schließlich sei als Ausgleich für die Ausdünnung der 251 die 91 geschaffen worden.

In einem anderen Fall, den Naas schildert, könnte sich aber etwas tun. Der Rathauschef versucht derzeit nachzuverhandeln, dass die 251 wieder, wie vor dem Fahrplanwechsel, eine Haltestelle an der Niederhöchstädter Straße bekommt. Über den Wegfall waren bei ihm Beschwerden eingegangen.

Wegen Wartungsarbeiten ist die Homepage der Stadt an diesem Wochenende vom Netz genommen – kommende Woche wird auf aber wieder eine Info zu den Busproblemen zu finden sein mit Service-Telefonnummern der Verkehrsverbände. Alternativ können Beschwerden per Mail an info@stadt-steinbach.de gesendet werden.

(she,map)

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