Katholische Pfarrei

St. Ursula hat eine Vision

  • Stefanie Heil
    vonStefanie Heil
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Die katholische Pfarrei St. Ursula stellt am Pfingstmontag ihre Vision vor, die als Leitbild dienen soll. Mehr als eineinhalb Jahre haben die Oberurseler und Steinbacher Christen daran gearbeitet. Sie sind Vorreiter im Bistum.

„Das Phlegma ist raus“, sagt Andreas Unfried, Pfarrer der katholischen Pfarrei St. Ursula Oberursel und Steinbach. Seine Aussage bezieht sich auf die Situation der etwa 14 500 Mitglieder zählenden Großgemeinde nach Abschluss des Visionsprozesses von St. Ursula. Im Advent 2015 hatte die Pfarrei bekanntgegeben, ihr Zukunftsbild – die Vision – zu erarbeiten, das Grundlage des Handelns sein soll.

Nun, gut eineinhalb Jahre später, ist „das Phlegma raus, weil sich Hunderte Frauen und Männer an dem Prozess beteiligt haben, 350 Interviews mit Katholiken und Nichtkatholiken geführt wurden, sich mehr als 200 Menschen bei einem Visionstag mit Ideen eingebracht haben, die Gemeindemitglieder ins Gespräch gekommen sind und weil „wir uns über die Grundsätze des Glaubens so viel Gedanken gemacht haben“, wie Pfarrgemeinderatsvorsitzende Marcelline Schmidt vom Hofe sagt. Und es steht auch eine Vision, die im Gottesdienst an Pfingstmontag in Kraft tritt und, kurz gefasst, eine Öffnung nach außen, Ins-Gespräch-Kommen mit vielen Menschen sowie kritische Auseinandersetzungen und neue Wege zum Ziel hat (siehe ZUM THEMA).

„Wir stellen die Vision vor, aber am nächsten Tag ist die Welt noch keine andere“, sagt Pastoralreferentin Susanne Degen. Sie ist eine der treibenden Kräfte des Visionsprozesses und hatte die Idee mit Unfried von den Philippinen mitgebracht. Was sie meint: Das Papier allein genügt nicht. Vielmehr, das betonen Degen, Schmidt vom Hofe und Pfarrer Unfried unisono, soll sie Grundlage des Handelns sein.

Die Vision ist sehr allgemein gefasst, der Text könnte auch in jeder anderen Stadt entstanden sein. Daran hat es in der Gemeinde Kritik gegeben – wie auch vereinzelt am Prozess an sich, den manche laut Unfried „nervig und überflüssig“ fanden. Doch der Pfarrer und die Pastoralreferentin berichten von vielen positiven Rückmeldungen generell und verteidigen die Art, wie die Vision zu Papier gebracht wurde. Sie solle weder ein Handlungskonzept noch ein Fünfjahresplan sein, sondern von möglichst vielen Menschen geteilt werden.

Straßenkreuzer als Start

Ihre Entscheidungen, in welchem Bereich auch immer, wollen die Akteure stets auf Grundlage der Vision treffen. Tatsächlich hat sie sogar schon in einigen Fällen gegriffen, was die Öffnung nach außen angeht. Als eines der ersten Beispiele nennt Schmidt vom Hofe den Straßenkreuzer, das rollende Café, mit dem die Pfarrei in Oberursel und Steinbach unterwegs ist. Außerdem wird sich St. Ursula Anfang September an der städtischen Aktion „Ab in die Mitte beteiligen“ und an einer Tafel etwa 200 Menschen bewirten.

Und die Pfarrei ist als erste Kirchengemeinde dem Selbstständigenforum Fokus O. beigetreten, möchte sich dort in der Erwachsenenbildung einbringen. „Da fühlen wir uns ganz wohl“, sagt Pfarrer Unfried. „Ich find’s toll“, sagt Fokus-O.-Chef Michael Reuter, der die Katholiken zum Beispiel bei Vortragsabenden einbinden mag.

Ein Bereich, in dem die Gemeinde nicht für sich agieren kann, ist die Modernisierung der Kirche. Frauen im Priesteramt oder das gemeinsame Abendmahl mit Protestanten nennen Degen und Unfried als Beispiele. Denn auch das sind Themen, die von Gemeindemitgliedern angesprochen wurden. Gut möglich, dass sie Thema eines Gesprächs sein werden, zu dem Bischof Georg Bätzing eine Oberurseler Delegation eingeladen hat, nachdem in der Brunnenstadt einige Fragen formuliert worden waren.

Im Bistum Limburg sieht man die Vision in St. Ursula positiv. Der Prozess sei gewollt und werde gefördert, sagt Bistumssprecher Stephan Schnelle. Oberursel ist die erste Pfarrei im Bistum, die einen Visionsprozess gestartet hat – laut Schnelle „sicher auch einer der profiliertesten Ansätze im deutschsprachigen Raum“. Direkt vergleichbare Prozesse aus Deutschland sind nicht bekannt.

St. Ursula präsentiert die Vision im Gottesdienst an Pfingstmontag, der um 10 Uhr in der Kirche Liebfrauen, Berliner Straße/Herzbergstraße, beginnt. Daran schließt sich gegen 11 Uhr ein Pfarrfest in Liebfrauen an.

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