Bouffier in Steinbach

Wahlkampf mit amerikanischen Elementen

  • schließen

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hat am Freitagabend im Steinbacher Bürgerhaus Station gemacht. Die etwa 200 Zuhörer erlebten einen Wahlkampfauftritt mit amerikanischen Elementen.

Die Präsenz ist wuchtig: Nicht nur Plakate, selbst Lieferwagen sind mit großen Bildern von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) bedruckt. Im Landtagswahlkampf ist der Tross der Hessen-CDU am Freitag in Steinbach angekommen, mit Team und Technik. Die Entourage ist jung, die Gestaltung des Podiums im Bürgerhaus hip mit Bistrostühlen. Rednerpult war gestern.

Etwa 200 Gäste sind der Einladung gefolgt, darunter auch Vertreter anderer politischer Parteien. Auf Monitoren sehen sie CDU-Werbefilme für Bouffier. Winken, Lachen, Klatschen. Botschaft: alles toll. „Sogar unserem Hund geht es besser“, sagt eine Frau im Film.

Gebellt wird nicht im Saal, der Ton ist zunächst sanft. Moderatorin und Partei-Mitarbeiterin Julia Hartmann spricht mit den beiden CDU-Direktkandidaten im Hochtaunuskreis, Jürgen Banzer und Holger Bellino, hauptsächlich über deren private Seite. Beide machen schon lange Politik, beide engagieren sich fürs Rote Kreuz, beide sind im Taunus wohlbekannt. Wie ist das, wenn man sich selbst auf dem Wahlplakat sieht? „Man grüßt höflich“, sagt Banzer.

Bouffier kommt verspätet mit dem Flieger aus Berlin – von dort, wo sich Bellino den frischen Wind wünscht, „lieber als aus München“. Eine Anspielung auf die CSU und Horst Seehofer. Bouffier ist auch im Bund gefragt, gehört zu den namhaften Akteuren der Union. In Steinbach wird sein Erscheinen inszeniert: Musik wie beim Einzug von Boxkämpfern, dazu Männer in dunklen Anzügen, entschlossenen Schrittes auf dem Weg durch den Saal.

Dieses Drehbuch erinnert an US-amerikanische Wahlkämpfe, ebenso der Schriftzug „Bouffier 2018“. Der Landesvater kommt in Begleitung seiner Frau Ursula Bouffier. Wieder zuerst Privates. Der potenzielle Wähler weiß nun, was bei Bouffiers auf dem Esstisch immer geht (Schnitzel mit Gemüsereis) und dass der Landesvater ein Elektrofahrrad hat.

Die Queen hat er mal getroffen, als diese auf Deutschland-Besuch war. Volker Bouffier erzählt vom strengen Protokoll, wie sein Arm verbotenerweise auf dem Stuhl Ihrer Majestät lag und wie er nicht wusste, wo er sein Redemanuskript ablegen sollte.

Das kann ihm im Taunus nicht passieren. Der 66-Jährige spricht frei, über eine Stunde lang darf er für sich und seine Politik werben. Die hohen Stühle sind beiseite geschoben, Bouffier läuft vor der Werbewand wie ein Motivationstrainer, gestikuliert. „Hessen ist ein bärenstarkes Land“, sagt er. Wirtschaftspolitik, Bildungswesen, er findet einiges, was aus Sicht der Union gut ist. „Wir wollen nicht eine Schule für alle, wir wollen für alle die beste Schule.“

Unterschiedliche Positionen in der Bildungspolitik sind Dauerbrenner in Hessen. Bouffier schaut Steinbachs SPD-Vorsitzenden Moritz Kletzka an, der wie FDP-Chef Lars Knobloch in der ersten Reihe sitzt. Mehrfach wendet sich der CDU-Frontmann an die beiden. Wer wahlkämpft, buhlt sogar um die Stimmen der Mitbewerber.

Bouffier ist direkt vom Wohnbaugipfel gekommen. Er will, dass neuer Wohnraum geschaffen wird, sowohl sozialer Art als auch als Eigentum. Aber ihm ist bekannt, dass das Thema den Taunus umtreibt (siehe weiteren Text).

Bouffier wurde einst als „schwarzer Sheriff“ bezeichnet. Er kokettiert damit, und er weiß, was die klassische CDU-Klientel hören will. „Wenn es um innere Sicherheit geht, machen wir keine Kompromisse“, sagt er und erklärt dann in Bezug auf Flüchtlinge: „Wer hier leben will, muss mit uns leben.“ Heißt: Sich an die Regeln der hiesigen Gesellschaft halten.

Nein, „wir brauchen die AfD nicht“, meint der Ministerpräsident. „Es ist eine Truppe, die ganz bewusst den Weg in den Extremismus geht“, sagt Bouffier, dessen Auftritt parteiübergreifend Anerkennung findet.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare