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Wer lernen will, muss säen

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Von: Robin Kunze

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Stolze Paten eines eigenen Blühstreifens: die Zweitklässler der Geschwister-Scholl-Schule.
Stolze Paten eines eigenen Blühstreifens: die Zweitklässler der Geschwister-Scholl-Schule. © Robin Kunze

Die Zweitklässler der Geschwister-Scholl-Schule übernehmen eine Patenschaft für einen Blühstreifen. Dass dieser nicht nur für Bienen gut ist, lernen die jungen Naturforscher vor Ort.

Steinbach - Rund vier Hektar Feld hat Landwirt Andreas Jäger in den letzten zwei Wochen bestellt. Einen großen Ertrag wird der Betreiber des Fohlenhofs an der Eschborner Straße auf diesen Feldern allerdings nicht ernten - zumindest keinen monetären. "Man muss ja nicht immer ans Geld denken, manchmal kann man auch einfach mal was für die Natur machen", erklärt Jäger, warum er jetzt bereits im zweiten Jahr eine so große Fläche für Blühstreifen verwendet. Auf diesen wird eine Saatgutmischung ausgesät, die zum Lebensraum für Tiere und Insekten heranwächst.

Insgesamt 35 Blühstreifen hat Jäger angelegt. Unterstützt wurde er dabei von bisher 15 Paten, die jeweils eine oder auch mehrere dieser Parzellen sponsern. Und seit dem vergangenen Donnerstag gehört auch die Geschwister-Scholl-Schule zu diesen Paten - genauer gesagt sind es die Zweitklässler, die für einen Blühstreifen zusammengelegt haben.

"Neben vielen Eltern haben sich tatsächlich auch Kinder mit ihrem Taschengeld beteiligt", berichtet Pia Schneider, Lehrerin der 2d. Für 118 Euro hatte man eigentlich ein Teilstück in der Größe von 140 Quadratmetern finanziert, Jäger rundete großzügig auf 300 Quadratmeter auf und schenkte den Schülern zusätzlich noch ein eigenes Schild, das nun die Schulfläche im Steinbacher Feld für jeden ersichtlich markiert. Da aller guten Dinge bekanntlich drei sind, hatte Jäger außerdem noch Wolfgang Denhardt eingeladen, der als wandelndes Naturlexikon den knapp 80 Schülern wissenswerte Infos an die Hand gab. Dass diese nicht nur nützlich, sondern unbedingt notwendig sind, daran ließ er keinen Zweifel aufkommen. "Meine Generation und die Generation davor hat eurer Generation eine kaputte Natur hinterlassen", erklärte Denhardt ungeschönt, "ihr müsst deshalb wissen, wie ihr sie wieder reparieren könnt." Obwohl kein gelernter Pädagoge, war Denhardt toll im Umgang mit den Kindern, brachte vorbereitete Fakten ein, ging aber genauso auch spontan auf Beobachtungen und Fragen des jungen Publikums ein.

Wo wohnen die emsigen Bienchen? Klar, in einem Bienenstock. Was macht man, wenn man von einer gestochen wurde? Na, einfach eine Zwiebel aufschneiden und mit der flachen Seite auf die Einstichstelle drücken. Warum heben Ameisen eigentlich Blattläuse an? Man höre und staune - um diese wegen des sogenannten Honigtaus zu melken. Und warum sollte man als Hobby-Gärtner trotz der unschönen Optik dennoch ein paar Brennnessel stehen lassen? Denhardt klärt auf: "Weil so gut wie alle Nachtfalter sich auf Brennnesseln verpuppen." Da machten nicht nur die Schüler große Augen.

Grundschüler züchten Schmetterlinge

Vom geballten Wissen Denhardts war Tanja Dechant-Möller schon im vergangenen Jahr begeistert. Julius, der Sohn der stellvertretenden Elternbeirätin, hatte sich zu seinem Geburtstag eine Patenschaft für einen Blühstreifen gewünscht, und so traf sie den mit Landwirt Andreas Jäger seit Jahren befreundeten Pflanzen-Guru. "Seitdem wollte ich ihn auch mal für die Schule gewinnen, aber er ist äußerst schwer zu bekommen", erklärte Dechant-Möller schmunzelnd. Studiert hatte Denhardt einst Maschinenbau, doch das mit "dem Schlipstragen" war nicht seins, weswegen er umsattelte und bei einer Baumschule in die Lehre ging. Heute ist er unabhängiger Umweltgutachter. Vorträge zu seinem liebsten Thema, der Natur, hält er selten, dann aber mit Verve. "Blühstreifen wurden ursprünglich für die Bienen eingerichtet, sind jetzt aber für alle da", erklärte Denhardt den Kindern, "denn in der Natur hängt alles miteinander zusammen." Diese ganzheitliche Betrachtung, derer sich laut Denhardt auch viele Naturschützer zu häufig verweigern, liegt ihm besonders am Herzen. "Wenn wir Menschen in eine Sache eingreifen, dann zerstören wir vielleicht den gesamten Kreislauf." Für die Jungs und Mädchen der Geschwister-Scholl-Schule geht es jetzt aber erst mal ums Entstehen. Der Saatgut-Mix, den Jäger mit seinem Traktor aussäte, wird nun wachsen und gedeihen. Da der Blühstreifen fußläufig gut zu erreichen ist, werden die Schulklassen regelmäßig vorbeischauen. "Parallel dazu werden wir im Unterricht Schmetterlinge züchten, die wir dann am Blühstreifen freilassen", verrät Pia Schneider. Außerdem sollen Blumenkästen den Zaun des Schulgeländes verschönern und gleichzeitig als weiteres Anschauungsmaterial dienen.

Wer es den jungen Naturforschern der Geschwister-Scholl-Schule gleichtun und einen Blühstreifen sponsern möchte, der kann per E-Mail an info@fohlenhof.org mit Andreas Jäger Kontakt aufnehmen.

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