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Der Brunnen auf dem Freien Platz ist das Symbol Steinbachs ? jener Stadt, in der Astrid Gemke seit 18 Jahren mit ihrer Familie lebt. Nun will die Liberale als Bürgermeisterin kandidieren.

Bürgermeisterwahl

Steinbach: FDP schickt Astrid Gemke ins Rennen

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Fraktion und Parteivorstand haben am Donnerstag einstimmig entschieden, am Mittwoch soll die Basis ihr Okay geben: Fraktionschefin Astrid Gemke will für die FDP bei der Bürgermeisterwahl im kommenden Frühjahr antreten. Ein Kernthema hat die 51-Jährige auch schon gefunden.

Als erste Partei legt sich die FDP öffentlich fest, wer bei der Bürgermeister-Direktwahl im kommenden Frühjahr in Steinbach antreten soll: Fraktionschefin Astrid Gemke. Die 51-Jährige will Rathauschefin werden und die Nachfolge ihres Parteikollegen Dr. Stefan Naas antreten. Weil dieser am Sonntag in den Landtag gewählt wurde, wird sein Amt frei.

„Ich habe Spaß an der Politik“, ist Gemkes erste Antwort auf die Frage nach ihrer Motivation. Die Mutter zweier Söhne war über den Kampf für Plätze in der Betreuungsschule, sprich über Elternengagement, zur Kommunalpolitik gekommen und habe dort gemerkt, etwas bewegen zu können. Das war in der Zeit des Bürgermeister-Wahlkampfes 2009 – Stefan Naas sei damals der einzige Kandidat gewesen, der auf ein Schreiben geantwortet habe. Sie trat den Liberalen bei („Ich war immer schon FDP-affin“), wurde 2011 in die Stadtverordnetenversammlung gewählt und ist seit 2014 Fraktionsvorsitzende.

Klar ist: Die Freien Demokraten, die seit 2016 stärkste Kraft im Stadtparlament sind und seit 2009 den Bürgermeister stellen, wollen den Chefposten im Rathaus verteidigen. „Wir spielen auf Sieg“, formuliert es Lars Knobloch. Der Parteichef, der den Vorsitz zurzeit ruhen lässt, weil er als Erster Stadtrat die Geschäfte im Rathaus führt, war selbst als Kandidat hoch gehandelt worden – und hatte auch parteiintern das „Erstzugriffsrecht“.

Knobloch hat aber nach langem Überlegen entschieden, nicht zu kandidieren. Er hätte sich gern beworben, betont der 49-Jährige. „Ich habe aber von Anfang an gesagt, dass ich dies nur tun werde, wenn sich für mein Unternehmen eine Nachfolgeregelung findet, die die Zukunft von Krone-Fisch nicht gefährdet.“ Weil das nicht gelungen sei, bleibt Knobloch also Krone-Fisch-Geschäftsführer.

So kommt Astrid Gemke zum Zug, die ebenso großes Interesse an einer Kandidatur geäußert hat. Parteivorstand und Fraktion haben sich am Donnerstagabend einstimmig für sie ausgesprochen. Für kommenden Mittwoch sind die FDP-Mitglieder zur Versammlung eingeladen. Folgen sie dem Votum, wovon auszugehen ist, wird Gemke offiziell als Bewerberin nominiert.

Die gebürtige Aachenerin lebt seit 18 Jahren mit ihrer Familie in Steinbach. Hier engagiert sie sich nicht nur politisch, sondern auch als Vorstandsmitglied des Tennisclubs. „Ich fühle mich hier unglaublich wohl“, sagt Gemke mit Blick auf Steinbach. „Das möchte ich weitergeben.“

Die Kinderbetreuung soll ihr Kernthema werden, kündigt die designierte Kandidatin an. Das überrascht nicht, greift die FDP doch zurzeit vielerorts und in allen Wahlkämpfen Bildungs- und Betreuungsfragen auf. Zudem ist in der Stadt gerade erst über die Erhöhung der Elternbeiträge diskutiert worden. Einige Mütter und Väter hatten sich schlecht informiert gefühlt; und so ist „Transparenz“ ein weiteres Schlagwort für Gemke.

Naas’ Kampf gegen den von Frankfurt geplanten Stadtteil nahe Steinbach und Weißkirchen, die sogenannte Josefstadt, will sie weiterführen. Sie sieht Frankfurts Vorhaben kritisch und sagt: „Auf keinen Fall westlich der Autobahn.“

In der Stadt ist Gemke bekannt und vernetzt. Allein: „Ich habe keine Verwaltungserfahrung, keine Personalerfahrung“, gibt sie zu und kündigt an, sich Wissen aneignen zu wollen. Sie setzt auf gutes Zusammenspiel im Rathaus, auf „learning by doing“. „Bis zu meinem Lebensende möchte ich lernen.“ Und in Bezug aufs Bürgermeisteramt sagt sie: „Ich habe unglaublichen Respekt vor dieser Aufgabe.“

Was sie nach eigener Aussage mitbringt: „Ich habe gelernt, Konflikte zu lösen; wie wir auf sachlicher Ebene aus einer Situation rauskommen“, sagt Gemke, die seit elf Jahren bei „DER Touristik“ beschäftigt ist. Sie arbeitet dort in der Reklamationsabteilung.

Sich in Neues einzuarbeiten ist ihr nicht fremd: Die gelernte Arzthelferin machte ihr Abitur auf dem zweiten Bildungsweg, nahm ein Studium als Diplom-Übersetzerin (Französisch und Spanisch) auf und arbeitete später bei einem Finanzdienstleister in der Aus- und Weiterbildung. Bürgermeisterin wäre wieder ein neuer Job.

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