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Steinkaut soll Biotop werden

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Ein idyllisches Fleckchen Westerfeld. Die alte Steinkaut soll als Ausgleichsfläche ökologisch aufgewertet werden. © Red

Neu-Anspach-Westerfeld. Großes Interesse fand die jüngste Bürgerversammlung der Stadt Neu-Anspach in Westerfeld. Rund 60 Besucher saßen auf Abstand und mit Maske vor dem Podiumstisch im Saal des Tanzzentrums (ehemaliges Dorfgemeinschaftshaus) und beteiligten sich rege. Denn: Das Hauptthema war die Zukunft der alten Steinkaut.

Der alte Steinbruch oberhalb des Dorfes ist schon lange Gegenstand von Diskussionen. Die Stadt hatte die Steinkaut als Ausgleichsmaßnahme für die Taunusbahn, die elektrifiziert wird, angeboten. Denn als Veranstaltungsort der Vereine war sie schon lange nicht mehr benutzt worden. Einst fanden dort Feste der Feuerwehr und anderer Gruppen statt, ein Unterstand zeugt noch von diesen Aktivitäten. Noch weiter zurück und nur noch in der Erinnerung der ältesten Westerfelder liegen Aufführungen auf der Naturbühne, die inzwischen nur noch schemenhaft wahrzunehmen ist.

In der Diskussion über die jetzt zur Debatte stehende künftige Nutzung, war eine Gruppe aufgetreten, die an alte Traditionen anknüpfen wollte, aus der auf der Bürgerversammlung aber keiner in Erscheinung trat. Von verschiedenen Seiten wurde gefordert, dass der Steinbruch für die Bürger zugänglich bleiben solle. Eine erste Frage aus dem Publikum war, warum die Steinkaut, die ja bereits ein sich natürlich entwickelte Biotop sei, als Ausgleichsmaßnahme herangezogen werde und nicht eine andere in eine solche umgewandelt werde.

Neuer Lebensraum für die Natur

Zum einen müssten solche Fläche zur Verfügung stehen zum anderen könne man nicht jede beliebige Fläche in ein Biotop umwandeln, lautetet die Erklärung von Dorit Thurm von Planungsgesellschaft Natur und Umwelt (PGNU), die im Auftrag des Bauherrn, dem Verkehrsverband Hochtaunus (VHT), eine Bestandsaufnahme der Steinkaut angefertigt und entsprechende Maßnahmen ausgearbeitet hatte.

Diese Maßnahmen wurden nun in groben Zügen vorgestellt. Die Kompensationsmaßnahmen müssten in einem funktionalen und räumlichen Bezug zu den beeinträchtigten Maßnahmen stehen und eine Verschlechterung des Erhaltungszustandes der betroffenen Populationen vermeiden, trug Thurm vor. Das heißt, dass Tiere und Pflanzen sich in der Nähe der, in diesem Falle der Bahnstrecke, neue Lebensräume erschließen können. PGNU-Kollege Dr. Michael Uebeler erklärte, durch welche Maßnahmen die biologische Vielfalt im Gebiet Steinkaut verbessert werden und der ökologische Wert noch gesteigert werden könne. Ein Beispiel aus seiner Liste war der Rückbau des Unterstandes zugunsten extensiven Grünlandes.

Insgesamt äußerten sich die Bürger zustimmend, da der Platz seine alten Funktionen verloren hat. Bürgermeister Thomas Pauli (SPD) führte noch weitere Gründe für ein Umwidmung an. So müsse der Fels, sofern der Platz zum längeren Aufenthalt von Menschen vorgesehen sei, großflächig gesichert werden, da dort immer wieder Steine abbrechen würde. Des Weiteren sei dort offenes Feuer vom Kreis untersagt. Vorhandene Wege bleiben, so ließ sich zumindest heraushören, erhalten und zugänglich bliebe das Gelände selbst auch. »Es wird nichts eingezäunt, es ist Wald und es bleibt Wald«, sagte der Rathauschef.

Pflege für 30 Jahre

Dem Parlamentschef Holger Bellino (CDU) war es wichtig festzustellen, dass noch nichts entschieden wurde und werde, ohne die Westerfelder, wie jetzt geschehen, informiert und gehört zu haben, denn eine Sorge, die aus dem Besucherkreis vorgebracht wurde war, dass die Bewohner des Stadtteils vor vollendete Tatsachen gestellt würden.

Das Planfeststellungsverfahren zur Elektrifizierung der Taunusbahn läuft seit November 2020. Was die Kompensationsmaßnahme Steinkaut betrifft, regelt eine noch abzuschließende Vereinbarung zwischen der Stadt und dem VHT die Details auf der Grundlage des vorgestellten Gutachtens. »Wer pflegt das Biotop?«, war eine weitere Frage aus dem Publikum. Auch das wird die Vereinbarung festlegen, Der Bauherr, also der VHT, wird für die Pflege verantwortlich sein - für eine Dauer von 30 Jahren, wie in den Raum gestellt wurde.

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