Telefonaktion von Finanzamt und TZ

Steuertipps: Grundfreibeträge und Verlustbescheinigungen

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Die Telefondrähte glühten bei der gemeinsamen Telefonaktion von Finanzamt und Taunus Zeitung. Knapp 50 Anrufer nutzten die Gelegenheit, Fragen an die Finanzbeamtinnen Anke Drost und Carmen Weihmann zu stellen.

Die am häufigsten gestellte Frage bei der gemeinsamen Telefonaktion von Finanzamt Bad Homburg und Taunus Zeitung war: „Muss ich denn überhaupt eine Steuererklärung abgeben?“ Die Antwort von Anke Drost vom Finanzamt Bad Homburg war immer die gleiche: „Kann ich so nicht sagen. Da muss ich erst mal rechnen.“

Und in der Tat, so einfach ist die Frage nicht zu beantworten. Aber der Reihe nach. Der Grundfreibetrag für Alleinstehende liegt bei 8820 Euro für 2017, Ehepaare, die gemeinsam veranlagt werden, verfügen über den doppelten Grundfreibetrag, also 17 640 Euro. Liegt das Einkommen darunter, wird keine Steuererklärung verlangt. Wie berechnet sich das zu versteuernde Einkommen bei Rentnern? Dies hängt von Zeitpunkt des Renteneintritts ab. Bis einschließlich 2005 sind 50 Prozent der Renten steuerfrei, 50 Prozent müssen versteuert werden. Seitdem erhöht sich der Besteuerungsanteil sukzessive und liegt nun bei 74 Prozent für das Jahr 2017. Rentenanpassungen, die seit 2005 erfolgt sind, müssen sogar vollständig versteuert werden. Von dem so ermittelten Betrag werden die Kosten für Basis-Kranken- und Pflegeversicherung im vollen Umfang abgezogen. Liegt dann der Gesamtbetrag inklusive aller weiteren Einkünfte – etwa aus Vermietung – unter dem Grundfreibetrag, ist keine Steuererklärung notwendig.

„Aber man muss aufpassen“, warnte Anke Drost. Stirbt beispielsweise einer der Ehepartner, dann gilt der doppelte Grundfreibetrag nur für ein weiteres Jahr. Danach wird nur noch der Grundfreibetrag für Alleinstehende gewährt. Bezieht dann der Hinterbliebene zusätzlich zu seiner eigenen Rente eine Witwenrente, kann es schnell geschehen, dass man steuerpflichtig wird. Und noch einen Tipp hatte ihre Kollegin Carmen Weihmann parat: „Man kann beim gesetzlichen Rententräger eine Ausfüllhilfe beantragen, die man dann Jahr für Jahr unaufgefordert zugeschickt bekommt.“ Da stehe genau drin, welchen Betrag man an welcher Stelle in der Steuererklärung angeben müsse. Kann ich eigentlich die Anwaltskosten als außergewöhnliche Belastung absetzen?“, wollte eine Anruferin wissen. „Im Regelfalle nicht“, musste Carmen Weihmann die Anruferin enttäuschen. Rechtsanwaltskosten werden nur als außergewöhnliche Belastungen anerkannt, wenn man ohne den Rechtsstreit Gefahr liefe, seine Existenzgrundlage zu verlieren. Im Allgemeinen gelten unter anderem Krankheitskosten, Aufwendungen für die Heim-Unterbringung von pflegebedürftigen Menschen oder Fahrtkosten für behinderte Personen als außergewöhnliche Belastung.

Eingetragen werden die außergewöhnlichen Belastungen im Hauptvordruck. Kommen dabei mehrere Posten zusammen, empfiehlt es sich, der Steuererklärung eine Aufstellung beizufügen. Für Steuerpflichtige in einem Seniorenheim oder einer Seniorenresidenz könnte zudem ein Blick in die genauen Heimabrechnungen hilfreich sein. Dort werde häufig ausgewiesen, welche der in der Einrichtung entstandenen Kosten beispielsweise als haushaltsnahe Dienstleistung oder als Pflegekosten steuerlich geltend gemacht werden können.

Apropos haushaltsnahe Dienstleistungen: Auch die waren Thema unserer Telefonaktion. Sie sind für Steuerzahler wichtig, die Handwerkerleistungen in ihrem Haushalt in Anspruch genommen haben. Abgesetzt werden können 20 Prozent der Arbeitskosten zuzüglich der darauf entfallenden Umsatzsteuer. Die Steuerermäßigung ist auf

1200 Euro gedeckelt

. Diese haushaltsnahen Dienstleistungen können ebenso für das selbstgenutzte Ferienhaus in Spanien geltend gemacht werden, wie für den Einbau einer Heizung.

Ein Anrufer hatte im vergangen Jahr bei Kapitalgeschäften Verluste gemacht, die er steuerlich geltend machen will. Ob er dafür eine Verlustbescheinigung von der Bank brauche, wollte er wissen. Eine Verlustbescheinigung wird im Prinzip nur benötigt, wenn der Steuerpflichtige bei mehreren Banken Kapital angelegt hat. Denn in der Regel werden Verluste bei der Bank, bei der sie angefallen sind, mit Gewinnen verrechnet. Das Finanzamt berücksichtigt verbleibende Verluste nur dann, wenn eine Verlustbescheinigung eingereicht wird. Diese muss bis zum 15. Dezember des laufenden Kalenderjahres beantragt werden. „Jetzt noch eine Bescheinigung für 2017 zu beantragen, geht nicht mehr“, erklärte Anke Drost.

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