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Gleich sind sie an der Reihe: Uschi Diederichsen, Almut Rödel, Julia Schelunke und Heike Kanuma (von links) bereiten sich auf das Casting vor.

Weißkirchens Gesangverein Germania

Mit der Stimme ist schlecht mogeln

Der Gesangverein Germania steckt mitten in einem neuen Projekt. Geplant ist eine Chor-Reise nach Japan, um dort den befreundeten Partnerchor zu besuchen. 2017 soll es losgehen, und deshalb werden jetzt per Casting gute Stimmen gesucht.

Von Christine ?arac

Seit drei Minuten wippt Alexander Erdelt schon nervös mit dem linken Fuß auf und ab. Es ist eben nicht leicht, die Nummer eins zu sein. Jedenfalls nicht, wenn man sich zum ersten Mal in seinem Leben einem Gesangscasting stellt und auch noch als Erster an diesem Tag dran ist.

Die Hitze, die sich langsam, aber unaufhaltsam im ersten Stock des Feuerwehrhauses an der Bleiche breitmacht, tut ihr Übriges. Doch Julia Zinser-Hofmann, Vorsitzende des Gesangvereins Germania, der zum Casting geladen hat, und Chormitglied Sabine Schelonke, die die Teilnehmerliste verwaltet, tun alles, um den Ablauf so angenehm wie möglich zu gestalten.

„Hallo, schön, dass Sie da sind“, begrüßt Julia Zinser-Hofman jeden Neuankömmling. Und Sabine Schelonke bietet gegen den Stress Wasser oder ein Tässchen Kaffee an. Auf dem Tisch im Vorraum stehen Schokoladenkekse. So heimelig geht es bei den diversen Casting-Shows im Fernsehen, die ebenfalls Gesangstalente suchen, sicher nicht zu.

Doch da geht plötzlich die Tür auf und Chorleiter Mark Opeskin bittet den ersten Teilnehmer herein. Jetzt schlägt sie also, die Stunde der Wahrheit. „Ich bin zwar ein erfahrener Chorsänger, aber trotzdem ganz schön nervös“, gesteht Alexander Erdelt, der beim Pop-Chor Frankfurt aktiv ist. Kein Wunder, denn mit der Stimme lässt sich schlecht mogeln. Sie verrät, wie man aufgelegt ist.

Im Saal wartet bereits Brigitta Sperl, Stimmbildnerin und Gesangspädagogin am Dr. Hoch’s Konservatorium, die gemeinsam mit Mark Opeskin darüber entscheiden wird, welcher Sänger in Frage kommt für den Projektchor der Germania und somit für die geplante Reise nach Japan 2017. „Was haben Sie denn für uns vorbereitet?“, fragt Opeskin freundlich. „Als erstes das Lied ,Der Lindenbaum‘, antwortet Alexander Erdelt.

A cappella also ohne Instrumentalbegleitung legt er los. Und auch der Pop-Song von Robbie Wiliams „Angels“ in der Bass-Version findet Anklang bei der Jury. Danach setzt sich Brigitta Sperl ans Klavier und spielt Tonleitern, die Alexander Erdelt nachsingen soll. Danach klatscht Mark Opeskin eine Melodie vor, und der Teilnehmer muss diese aus dem Gedächtnis wiederholen.

Nach zehn Minuten, einer gefühlten Ewigkeit, ist es vorbei. Opeskin und Sperl beraten sich kurz, tragen Punkte in eine Liste ein, wobei zehn die höchste zu erreichende Wertung ist und sind sich, wie immer einig. Zu Hause, nach Abschluss des heutigen Castings, wird Mark Opeskin sich noch einmal den Mitschnitt seines Diktiergerätes anhören, um seine Entscheidung zu reflektieren. Eine Kritik vor dem Bewerber gibt es nicht. „Wir versuchen es den Leuten so einfach wie möglich zu machen. Hier wird niemand runtergeputzt“, betont Brigitta Sperl.

Die jüngste Teilnehmerin des gesamten Castings ist die 16-jährige Julia. Sie hat das Kirchenlied „Möge die Straße“ und den Song „10000 Tränen“ der Gruppe „Berge“ vorbereitet. „Ich war sehr aufgeregt“, erzählt sie hinterher. „Bei den Liedern habe ich mich zwar ganz sicher gefühlt, aber das Nachsingen fand ich echt schwer.“ Jetzt hofft sie, dass sie es geschafft hat. „Ich singe total gern, und nach Japan zu reisen, wäre wirklich toll. Also, das ist doch die perfekte Kombi“, sagt sie verschmitzt.

Und falls es klappt, wäre sie gerade 18 Jahre alt, denn Volljährigkeit ist eine Voraussetzung zur Teilnahme an der Reise. Etwa 50 Interessenten haben sich auf den Aufruf des Chores hin gemeldet und sich fürs Casting einen Termin geben lassen. „Das freut uns sehr, dass unser Vorhaben Anklang findet“, erzählt Julia Zinser- Hofmann. Zwei weitere Termine wird es noch geben: Am morgigen Mittwoch, 15. Juli, 19 Uhr, sowie am Freitag, 17. Juli, 17 Uhr. Veranstaltungsort ist stets der Probenraum der Germania im ersten Stock des Feuerwehrgerätehauses in Weißkirchen.

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