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Fahrradwege durch den Taunus: Strecken sollen bis 2032 feststehen

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Von: Matthias Pieren

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Entlang der Kronberger Straße soll zwischen Steinbach und Oberhöchstadt auch ein Radweg gebaut werden.
Entlang der Kronberger Straße soll zwischen Steinbach und Oberhöchstadt auch ein Radweg gebaut werden. © as

Der geplante Radweg aus dem Vordertaunus nach Frankfurt stößt auf eine enorme Bürgerbeteiligung. 822 Kilometer sind für die Strecke geplant.

Hochtaunus – Der Radschnellweg vom Vordertaunus nach Frankfurt in Regie des Regionalverbandes Frankfurt-Rhein-Main steht ebenso erst in den Vorplanungen wie die von Hessen Mobil geplanten Radwege zwischen dem Usinger Land und dem Vordertaunus über die Saalburg (parallel der B 456) sowie jenem entlang der Landstraße im Köpperner Tal zwischen Wehrheim und Friedrichsdorf.

Radfahrerinnen und Radfahrer müssen sich daran gewöhnen, dass es beim Radwege-Neubau zuweilen genauso schleppend vorangeht wie beim Neubau von Bundesstraßen oder Schienenwegen. Da die genannten Prestige-Projekte nicht in Trägerschaft des Hochtaunuskreises erfolgen, konnte Landrat Ulrich Krebs (CDU) bei der Präsentation des neuen Radverkehrskonzeptes auch keine Angaben für den Baubeginn der genannte Radwege nennen.

Große Beteiligung für Radschnellweg Richtung Frankfurt

Das neue Radverkehrskonzept des Hochtaunuskreises, das vom Planungsbüro RVK erarbeitet wurde, ist vielmehr ein Grundlagenwerk mit einer Bestandsaufnahme aller bereits existierenden Radwege - plus Vorschlägen für hunderte Maßnahmen, die zu einer Optimierung des Radverkehrs in den kommenden zehn Jahren beitragen können. Diese wurden vor allem auch von Radfahrern selbst beigesteuert.

Angesichts der stolzen Zahl von 689 Personen, die mit insgesamt 1664 Meldungen bei der Ende 2020 gestarteten Online-Befragung zum Gelingen der nun vorgelegten Planungsgrundlage beigetragen haben, dankte der Landrat dem großen bürgerlichen Engagement und Interesse.

Bestehende Wege nach Frankfurt sind meist in gutem oder passablem Zustand

"Das Radverkehrskonzept umfasst 822 Kilometer Radwege", sagte Verkehrsplaner Paul Fermer vom Büro RVK. Der studierte Bauingenieur (Verkehrswesen) hat bei seiner Arbeit aber nicht nur bestehende Radwege zwischen den Kommunen und Städten erfasst, sondern auch Straßen, die stark von Radfahrern frequentiert sind. "Ein größerer Teil der Radwege sind in gutem Zustand, andere Passagen sind es hingegen nur mäßig. Ein kleinerer Teil der Wegstrecke sei in einem miserablen bis nicht befahrbarem Zustand", teilte Fremer mit.

Nun wird es die Aufgabe von Landkreis, den Kommunen, aber auch von Bund und Land (entlang der Bundes- und Landstraßen) sein, bis 2032 das so genannte Zielnetz mit 822 Kilometern sicheren und attraktiven Radwegen aufzubauen. Dazu zählen 244 Kilometer überregionaler und regionaler Radwegeverbindungen ebenso, wie 578 Kilometer nahräumlicher Verbindungen. Neben unzähligen kleineren Maßnahmen und einigen vorgeschlagenen mittelgroßen Verbesserungen, sieht das Radverkehrskonzept insgesamt 187 bauliche Maßnahmen vor. Alleine 85 km Radwege sollen neu gebaut werden.

Radschnellweg nach Frankfurt: Großteil der Baumaßnahmen vom Bund gefördert

"In Regie des Hochtaunuskreises wird zuerst ein neuer Radweg zwischen Steinbach und Oberhöchstadt gebaut. Wir werden überall im Kreis darauf Wert legen, dass gerade die Radwege für Schüler optimiert werden". teilte Krebs mit. Der Finanzbedarf für den Hochtaunuskreis für die Umsetzung aller aufgezeigten Maßnahmen wird in den kommenden zehn Jahren rund 28 Millionen Euro betragen.

70 Prozent davon werden gefördert. Im Haushalt 2022 und 2023 sind bereits zusammen 2,4 Millionen Euro dafür im Kreishaushalt angesetzt", so Krebs. Hinzu müssen aber auch der Bund (38 Millionen Euro), das Land (34,5 Millionen Euro) und die Kommunen (56 Millionen) in ihren jeweiligen Zuständigkeitsgebieten investieren. Detaillierte Informationen und grafische Darstellungen sind auf der Homepage www.hochtaunuskreis.de über einen aktuellen Button aufzurufen: www.rv-k.de/Hochtaunuskreis/Radverkehrskonzept/Final/WebGIS.html.

Radweg vom Hochtaunus nach Frankfurt: Kompromisse mit Landwirten und Förstern nötig

Landrat Ulrich Krebs (CDU) sieht im neuen Radverkehrskonzept die Grundlage dafür, um im Hochtaunuskreis in den kommenden zehn Jahren eine Mobilitätswende zu erreichen. Zugleich weiß er aber auch, dass gerade beim Neubau oder der Verbreiterung von bestehenden Radwegen "dicke Bretter zu bohren sind". So können beim Neubau des Radweges zwischen Oberhöchstadt und Steinbach wegen der intensiven Nutzung der bestehenden Forst- und Feldwege durch Fahrzeuge der Landwirtschaft diese nicht genutzt werden.

Wie an dieser Radwege-Kreuzung in Ober-Erlenbach können sich Radfahrer bereits aktuell durch Schilder orientieren.
Wie an dieser Radwege-Kreuzung in Ober-Erlenbach können sich Radfahrer bereits aktuell durch Schilder orientieren. © map

Alternativen bei der Wegeführung machen Grunderwerb notwendig, was sich überall als schwierig erweist. "Wir werden fortan bei baulichen Maßnahmen an Kreisstraßen die Radnutzung mit einplanen", so der Landrat. Bei der demnächst anstehenden Sanierung der Kreisstraße zwischen Gemünden und Emmershausen (Weilrod) zeigt sich aber bereits das nächste Problem. Aufgrund der Topographie sowie umwelt- und naturschutzrechtlichen Vorgaben sei es dort nicht möglich, einfach einen parallel verlaufenden Radweg neu zu bauen. "Wir werden bei der Wegführung auf bestehende Feldwege ausweichen. Dabei müssen mit Forst und Landwirten Kompromisse gefunden werden", so Krebs. Auch fehle es angesichts des bundes- und hessenweit zeitgleich angemeldeten enormen Bedarfs bei den zuständigen Stellen im Bund und bei Hessen Mobil vor allem am Personal für die Planung und Durchführung. (Matthias Pieren)

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