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Ursula Stiehler hat die Geschichte des ?Struwwelpeters? mit all seinen Abwandlungen fürs Kirdorfer Heimatmuseum aufgearbeitet. Neben Büchern in allen Variationen sind auch Puppen und Spiele ausgestellt.

Sonderausstellung in Kirdorf

Vom Struwwelpeter-Original bis zum heutigen Kinderbuch

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Das Kirdorfer Heimatmuseum widmet dem Kinderbuch-Klassiker „Struwwelpeter“ eine Sonderausstellung. Die Exponate bezeugen die pädagogischen, gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen von 1844 bis heute.

Was hat Kirdorf mit dem Struwwelpeter zu tun? Auf den ersten Blick nichts, doch es darf mal davon ausgegangen werden, dass auch Generationen von Kirdorfern mit diesem Kinderbuch aufgewachsen und zumindest indirekt damit erzogen worden sind. Und so verspricht der Besuch eine kleine Zeitreise in die eigene Kindheit.

„Uschi Stiehler hat uns davon überzeugt, mal was anderes zu machen“, erzählt Hans Leimeister und gibt das Wort an die Historikerin, die die Ausstellung im Heimatmuseum zusammen mit Walter Braun und Birgit Schmidt konzipiert hat. „Unser Anliegen war es, zu zeigen, wie sich das Buch weiterentwickelt hat“, so Stiehler.

Die Ausstellungsstücke stammen von Ursula Kress. Sie ist in Frankfurt geboren, in Kirdorf aufgewachsen und lebt seit langem in Seulberg. Ihre Passion sind alte Bilder- und Märchenbücher, die sie auf Büchermärkten, in Antiquariaten und bei Versteigerungen aufstöbert. Und da kam sie am „Struwwelpeter“ natürlich nicht vorbei. Gemeinsam wurde die Privatsammlung gesichtet – und wahre Schätze kamen zum Vorschein.

Von kommendem Samstag an sind diese im Obergeschoss des Museums ausgestellt, darunter seltene Teile wie der satirische „Jahrhundert-Struwwelpeter“, die kleinste Zündholzschachtel der Welt (Paulinchen lässt grüßen), Karikatur- und Parodie-Ausgaben mit historischem und gesellschaftskritischem Hintergrund. Die Mädchen-Pendants „Struwwelliese“ und „Struwwelpetra“ sind ebenso ausgestellt wie Gesellschaftsspiele und uralte Quartettkarten mit Struwwelpeter-Motiven. Auch die 1895 anonym erschienene Parodie „Der Ägyptische Struwwelpeter“, um die es seinerzeit einige Aufregung gab, ist zu sehen.

Dr. Heinrich Hoffmann (1809 – 1894) war ein sozial engagierter Arzt und gilt als einer der ersten Jugendpsychologen. Ob er in seinem Kinderbuch beschreibt, was wir als Mobbing, Magersucht oder ADHS kennen, wird von Wissenschaftlern diskutiert. Belegt ist, dass der Frankfurter kein Kinderbuch nach seinem Geschmack fand, und so schrieb und zeichnete der „Gelegenheitsversemacher“, wie er sich selbst bezeichnete, zu Weihnachten 1844 für seinen Sohn Carl „Lustige Geschichten und drollige Bilder für Kinder von 3–6 Jahren“. Die kamen nicht nur beim Dreijährigen gut an, sondern auch in Hoffmanns Bekanntenkreis, der ihn dazu drängte, das Buch 1845 unter dem Pseudonym Reimerich Kinderlieb drucken zu lassen. Seit der vierten Auflage im Jahr 1847 trägt das Buch den Titel „Struwwelpeter“, die uns bekannte Fassung entspricht Hoffmanns Überarbeitung aus dem Jahr 1861.

Dass sich die detailliert illustrierten Geschichten um eine Pädagogik drehen, die von Strafe und Abschreckung geprägt ist, und manch eine Formulierung heutzutage nicht mehr politisch korrekt erscheint („Du siehst sie hier, wie schwarz sie sind, viel schwärzer als das Mohrenkind!“), hat dem 173 Jahre alten Kinderbuch-Klassiker nicht geschadet.

Die Sonderausstellung ist für kleine und großgewordene Kinder interessant. „Struwwelpeter – schon vergessen?“ wird am kommenden Samstag um 15 Uhr im Heimatmuseum Kirdorf eröffnet und ist bis zum 2. Juli immer sonntags und mittwochs von 15 bis 17 Uhr zu sehen. In den Schulferien und an Feiertagen bleibt das Museum geschlossen. Auf Anfrage können Führungen für Kindergruppen außerhalb der Öffnungszeiten organisiert werden, Telefon 01 60–5 22 50 50 47. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten.

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