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Susanne Sander (li.) und Elke Paasch in der Beratungsstelle in Oberursel: Sie kümmern sich um die Belange behinderter Menschen.

Hilfe zur Selbsthilfe

Susanne Sander und Elke Paasch leiten eine neue Beratungsstelle für behinderte Menschen

Für behinderte und von Behinderung bedrohte Menschen gibt es eine neue Anlaufstelle: die ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) mit Sitz in Oberursel. Die beiden Beraterinnen Susanne Sander und Elke Paasch helfen Betroffenen dabei, Wege zu möglichst viel Selbstbestimmung und Teilhabe am Leben zu finden.

Der Name ist sperrig: ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB). Doch er erklärt gut, was es damit auf sich hat. Dahinter steht der Gedanke, dass alle Menschen ein Recht auf Selbstbestimmung und Teilhabe am Leben haben. Die Beratungsstelle ergänzt bestehende Angebote anderer Einrichtungen und ist unabhängig von Leistungsträgern. Die beiden Beraterinnen des EUTB-Teams Hochtaunus, Elke Paasch und Susanne Sander, sind noch dabei, ihre Arbeit bekannt zu machen – schließlich sind sie erst seit Frühsommer tätig. Ihre zentral in Oberursel gelegenen Räume in einem Ärztehaus (Oberhöchstädter Straße 4) wurden erst vergangene Woche offiziell eingeweiht. Dass die EUTB in Oberursel und nicht etwa in einer kleineren Kommune angesiedelt ist, halten die Beraterinnen für richtig. Denn besonders Menschen mit psychischen Erkrankungen wollten diese häufig nicht öffentlich machen.

Die bundesweite Einrichtung von EUTB-Stellen resultiert aus dem Bundesteilhabegesetz, kurz BTHG (siehe weiterer Text). Letztlich sollen die EUTB dafür sorgen, dass die Teilhabe ermöglicht wird. Die kostenfreie Beratung zu allen Fragen der Rehabilitation und Teilhabe richtet sich an Behinderte und von Behinderung bedrohte Menschen und ihre Angehörigen. „Wir sollen über das Gesetz informieren und die Menschen auf ihre Rechte hinweisen“, sagen Paasch und Sander. Der Internationale Bund (IB) und das Diakonische Werk Hochtaunus hatten sich gemeinsam als Träger der Beratungsstelle beworben – mit Erfolg. Diplom-Sozialpädagogin Elke Paasch (56) hat bisher beim Diakonischen Werk mit seelisch behinderten Menschen gearbeitet. Diplom-Heilpädagogin Susanne Sander (50) war beim IB im stationären Bereich der Behindertenhilfe tätig.

Einige Beratungen haben die beiden bereits durchgeführt. „Bisher haben sich hauptsächlich Eltern behinderter Kinder gemeldet“, sagt Sander. Eine häufige Schwierigkeit sei es, passende Wohnheimplätze für ältere Kinder zu finden, wenn diese das Haus verlassen, denn die seien Mangelware. Die gut vernetzten Beraterinnen haben einen Überblick über Hilfsangebote und geben Tipps, wohin sich Betroffene wenden können oder setzen sich selbst ans Telefon, recherchieren und helfen dabei, Anträge zu stellen. „Unser Angebot ergänzt das bestehende Beratungsangebot und soll es nicht ersetzen“, betont Paasch. „Die meisten Beratungen sind nicht mit einem Termin abgeschlossen. Wir versuchen, uns Zeit zu nehmen. Oftmals kommt zu einem Problem das nächste hinzu“, erzählen Sander und Paasch. „Ziel ist, die Klienten zu ermutigen, selbst tätig zu werden. Dieses sogenannte Empowerment ist ganz wichtig.“

Ein Baustein sollen künftig Beratungen von Betroffenen für Betroffene werden (Peer Counseling). „Dazu wollen wir

Ehrenamtliche einbinden

“, sagen Paasch und Sander. „Es können auch Tandemberatungen stattfinden, das heißt, dass wir gemeinsam mit einem Betroffenen beraten.“

Die erste Peer-Beratung startet Sabine Pitschula, die an Myasthenie leidet, einer Autoimmunerkrankung, bei der die Impulsübertragung vom Nerv auf den Muskel gestört ist. Sie wird einmal im Monat eine Sprechstunde anbieten. Gerne möchten Paasch und Sander auch Eltern behinderter Kinder einbinden. Für Dienstag, 30. Oktober, ist von 19 bis 21 Uhr ein Abend zum Erfahrungsaustausch geplant (Anmeldung erbeten). Eingeleitet wird er von der Sozialwissenschaftlerin Dr. Gülsün Firat. Sie ist Mutter eines behinderten Kindes und hat über ihre Erfahrungen ein Buch geschrieben.

Sander und Paasch bieten zudem an, bei Bedarf für Beratungen ins Usinger Land zu kommen oder im Einzelfall Hausbesuche zu machen.

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