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Weil der europäische Holzmarkt durch ein immenses Überangebot komplett gesättigt ist, wird im Taunus geschlagenes und vom Borkenkäfer befallenes Stammholz – wie hier am Hessenpark – direkt für die Verschiffung nach China in Übersee-Container geladen.

Taunus-Fichten für China

Sturmschäden und Borkenkäferbefall: Überangebot drückt den Marktpreis

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Die Windwurf-Schäden von Sturmtief Friederike und der massive Borkenkäferbefall des Dürre-Sommers haben zu einer Schwemme bei Fichtenholz in ganz Europa geführt. Der damit einhergehende massive Preisverfall führt zu ungeahnten Export-Wegen von heimischem Holz.

Überrascht bleiben Passanten am Rande des Hessenparks stehen. Die in dem Wald oberhalb des Freilichtmuseums gefällten Fichtenstämme werden mit einem Kran kurzerhand vom Auflieger eines Sattelschleppers in einen Container umgeladen.

Der Grund für den ungewöhnlichen Abtransport in einem Übersee-Container ist ein wirklich kurioser. „Das Fichtenholz wird zu einem Hafen an der Nordsee transportiert und von dort aus nach China verschifft“, sagt der Mitarbeiter eines Holzhändlers aus Baden-Württemberg, der die Verladung vor Ort koordiniert.

Der europäische Holzmarkt für Fichten sei komplett verstopft. Europaweit falle massenhaft Schadholz durch den Borkenkäferbefall an. Die Holzindustrie habe noch nicht einmal das im Januar durch Sturmtief Friederike anfallende Fichtenholz abgearbeitet.

Name bleibt geheim

Die hiesigen Sägewerke platzen demnach aus allen Nähten und nehmen kein Fichtenholz mehr an. „Da bleibt nur die Möglichkeit, das Holz im Wald verrotten zu lassen oder andere Vertriebswege aufzutun“, sagt der Holzhändler, der im Auftrag vom Forstamt Weilrod einen solchen neuen Absatzmarkt in China aufgetan hat.

Den Namen des Partnerunternehmens möchte auch Forstamtsleiter Bernd Müller nicht nennen, da man froh sei, überhaupt einen Käufer für Fichtenholz gefunden zu haben. Zu groß ist die Notlage der Branche in einer Zeit des Überangebotes. „Nicht erst in der aktuellen Krisenzeit ist Holz ein Rohstoff, der auf dem Weltmarkt gehandelt wird“, sagt Müller.

Seit vielen Jahren schon werde Holz aus deutschen Wäldern in andere Länder exportiert. Die dort produzierten Produkte würden dann wieder importiert und hierzulande verkauft. Doch das aktuelle Überangebot öffne sogar den chinesischen Markt, wo das Taunusholz in der Baubranche verarbeitet werde.

Froh über den Verkauf

Das Holz sei eigentlich so schadhaft, so der Holzhändler aus dem Schwabenland, dass es in Deutschland nicht einmal als Bauholz Verwendung finden könne. Zum erzielten Preis will freilich keiner der Beteiligten etwas sagen. Hauptsache ist, dass das eigentlich wertvolle, aber durch den Borkenkäfer arg malträtierte Fichtenholz überhaupt verkauft werden konnte.

„Aktuell haben wir im Taunus die bis zu dreifache Menge an Fichtenholz eingeschlagen als es in einem gewöhnlichen Jahr nach dem Forstwirtschaftsplan vorgesehen ist“, erklärt Müller die Notlage. Seit dem letzten Sommer habe man 50 000 Kubikmeter (Festmeter) wegen des Borkenkäferbefalls fällen müssen.

Wenn die Borkenkäfer nach der Winterstarre wieder aktiv werden, werde sich die Lage weiter zuspitzen. „Wir können einen weiteren Befall nicht verhindern, sondern nur eindämmen“, sagt Müller. „Wir sind froh, in der kritischen Lage auf langjährige Geschäftspartner bauen zu können. Der Holzexport wird eine immer größere Bedeutung gewinnen.“

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