+
Auf der eigenen Wiese in Oberreifenberg oberhalb Schmittens ließen (von links) Wolfgang Peuker, Alfred Westenberger und Dr. Hans-Georg Mark die Schmetterlinge frei. Dort gibt's genügend Pflanzen für die Tiere.

Neue Heimat am Feldberg

Taunus: "Haftentlassung" für Schwalbenschwanz

  • schließen

Schmetterlingszüchter unterstützen die Artenvielfalt im Taunus.

Noch etwas schwankend starteten sie gestern, dann aber ging's für etwa 40 Schmetterlinge zielstrebig in die Freiheit. Noch drei Tage zuvor waren sie in Wiesbaden die kleinen Stars einer Ausstellung über Schmetterlinge, nun sind sie auf den bereits saftigen Wiesen in Oberreifenberg, einem Ortsteil Schmittens am Feldberg, heimisch.

Für etwa zwei Wochen, denn dann endet das kurze Leben des Lilagold-Feuerfalters und der Schwalbenschwänze auch schon. Und bis dahin werden sie, so hoffen Wolfgang Peuker, Dr. Hans-Georg Mark und Alfred Westenberger als Schmetterling-Papis, Partner finden und danach auch Eier legen.

Alle drei gehören zum Frankfurter Verein Apollo, einem entomologischem Verein, aber jeder mit unterschiedlicher Herkunft. Westenberger ist im Main-Taunus-Kreis der Fachmann, Mark für den Hochtaunus und Peuker sitzt in Frankfurt. Im Sommer befindet sich das Vereinsheim in Königstein mitten auf einer Wiese, im Winter treffen sich die Schmetterlingskenner im Bürgerhaus Bornheim in Frankfurt.

Eine eigene Wiese für die Tiere

Dass die große Wiese bei Schmitten Ort der Freilassungsaktion ist, kommt nicht von ungefähr. Denn Westenberger, seit den 70ern mit dem Hobby aktiv, hat dort die Wiese einst entdeckt. Und auch, dass sich viele Schmetterlinge dort tummeln. Auf 5,5 Hektar hat er 36 Arten gezählt. Genug, um sich der Wiese anzunehmen. Und als dann eines Tages ein Landwirt das Grün abmähte, ohne sich um die Schmetterlinge zu scheren, war Schluss mit lustig. Übers Regierungspräsidium kam durch Westenbergers Einsatz die Order, künftig erst am Ende des Sommers zu schneiden. Und dann wurden gleich Nägel mit Köpfen gemacht: Die Wiese gehört nun durch die Vermittlung des Hofheimers einem Naturschutzverein, der sich 20 000 Quadratmeter von den insgesamt 27 Eigentümern sicherte, Fortsetzung des Ankaufs erwünscht.

Und nun ist das Schmetterlingsparadies perfekt. Hier und da eine Feuchtstelle und genügend passende Pflanzen wie Witwenblume, Hornklee, Arznei-Baldrian, Löwenzahn und Knoblauchsrauke, gerne auch Schmetterlingsflieder oder Flockenblume - eben je nach Art.

Ein Hobby, das Geduld benötigt

Von heute auf morgen wurden die drei nicht Schmetterlingszüchter. Angefangen haben sie mit dem Sammeln der Arten. Dann gab's in den 70ern das Verbot, Tagesschmetterlinge zu fangen - und so verlegte man sich aufs Züchten. Durch eine Sondergenehmigung können sie eine Schmetterlingsdame der Natur entnehmen, lassen sie Eier legen - und brauchen dann viel Geduld. Gut Schmetterling will Weile haben. Denn aus dem Ei kommt die Raupe, was zehn Tage dauert. Die Raupe wiederum macht vier Häutungen durch, aber nach der zweiten ist sozusagen "Mittag", sie verschwindet im Boden und überwintert, gerne in ein Sauerampferblatt gehüllt.

Gräser dürfen nicht gemäht werden

Mit den wärmeren Tagen kommt sie wieder zum Fressen nach oben, häutet sich noch zweimal, bis dann die Puppen-Phase folgt. Und aus dieser entschlüpft der Schmetterling dann in sein kurzes Leben. Und genau deshalb dürfen die Wiesen nicht im Sommer gemäht werden. Oder beweidet, denn Schafe oder Kühe stehen zwar nicht auf Raupen, aber wenn sie schon mal auf dem Gras sitzen . . .

Während der Schwalbenschwanz ein Herumtreiber ist und sich durch ganz Deutschland frisst, ist der Lilagold-Feuerfalter standorttreu. Was auch bedeutet: Wird eine Wiese durch eine Straße geteilt, ist's aus mit seiner Heimat. Und er kommt auch nicht wieder. Im nächsten Jahr also könnte die Wiese wieder tummeln vor Schmetterlingen, so wie sie es bereits in den kommenden Tagen tun wird, denn sobald die Temperaturen steigen, sind die Schmetterlinge da, um sich an der Pflanzenvielfalt zu stärken.

Wer wissen will, was so alles an Schmetterlingen heimisch ist, dem sei das gemeinsam verfasste und mit eigenen Fotos ausgestattete Werk "Tagfalter und Widderchen der Stadt Frankfurt, der Kreisgebiete Hochtaunus, Main-Taunus und der näheren Umgebung" ans Herz gelegt. Keine Sorge, das Buch macht dem sperrigen Namen keine Ehre, sondern Laune beim Blättern. Zu erhalten im Buchhandel oder über Westenberger per Mail an apwestenberger@aol.com. von Andreas Burger

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare