Zahlreiche Menschen sind bei winterlichen Bedingungen am beliebten Ausflugsziel "Fuchstanz" kurz vor dem Gipfel des Großen Feldbergs im Taunus unterwegs. Im Vordergrund hängen Eiszapfen von einem Verkaufsstand für Essen und heiße Getränke.
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Corona-Ansturm am Feldberg: Hochtaunus im Besucher-Chaos

Ausflügler

Verkehrschaos rund um den Großen Feldberg – Hochtaunus versinkt im Besucheransturm

Dem Großen Feldberg und umliegenden Gemeinden droht ein Verkehrskollaps. Der Besucherandrang ist zu groß.

Hochtaunus – Endlich ein paar Tage frei zwischen den Jahren, und im nahen Taunus liegt sogar Schnee! Warum nicht mal mit Kind und Schlitten (oder auch ohne) ein bisschen Winterwald genießen nach all den Wochen im Homeoffice? Das haben sich in dieser Woche viele gedacht - wohl weit mehr, als die Feldbergregion verträgt und die Verkehrslenker gedacht hatten. Denn auch gestern gab es auf den Zufahrtsstraßen in die Höhenlagen wieder Verkehrschaos.

Ausflug auf den Großen Feldberg im Taunus: Parkplatz-Chaos

Auf zahlreichen der rund 100 Parkplätze im "Naturpark Hochtaunus" herrschte wildes Rangieren. An der Saalburg standen überall, wo es ging, Autos; zwischen den zugänglichen Ausgrabungen und in den Waldstücken der Umgebung wurde eifrig gerodelt. Wahre Völkermassen wanderten die Straße hinauf zum Herzberg; das Areal um den Turm sowie so manchen Baumstumpf nutzten Spaziergänger zum Picknicken.

Parken im Naturpark Hochtaunus: Chaos rund um den Großen Feldberg

Weniger idyllisch ging es weiter westlich zu. Wegen hoher Schneelast auf den Ästen, Eisschlag und umgestürzter Bäume hatte die Straßenbehörde "Hessen mobil" am Dienstag und Mittwoch auf Anordnung der Kreisbehörde sämtliche Zufahrtsstraßen zum Großen Feldberg abgesperrt. Noch bis einschließlich 4. Januar werden die L 3025 ab Anschluss Eselsheck an der B 8, die L 3276 zwischen Sandplacken und Oberreifenberg sowie die L 3004 zwischen Oberursel und Sandplacken (Kanonenstraße) bis Schmitten, Höhe Schwimmbad, unpassierbar sein.

Ausflügler stürmen trotz Corona Feldberg – Chaos in Falkenstein

Somit kamen diese Woche zwei Ausnahmezustände zusammen: besonders viele Ausflügler im Naturpark und gesperrte Straßen schon vor der Höhe. Unzählige Autofahrer versuchten, durch Falkenstein doch noch in den Taunuswald zu kommen. Nichts ging am Mittwoch mehr in dem auf 500 Metern Höhe gelegenen Königsteiner Stadtteil.

Blechkolonnen schoben sich den Berg hinauf, verstopften die schmalen Straßen im Stadtteil und nutzten alles, was irgendwie nach Parkplatz aussah, um ihre Autos abzustellen - gerne auch Grundstücksausfahrten. Eine Anwohnerin meldete in den Sozialen Medien, sie habe aus ihrer Ausfahrt mehr als 20 Minuten bis zur B 455 gebraucht. Zeitgleich wälzte sich der Verkehr durch den Königsteiner Kreisel zunächst die B 8 in Richtung Feldberg-Region hinauf und später wieder hinunter.

Der Polizei Westhessen waren am Vormittag schon zahlreiche Verstöße gemeldet worden. Am Eselsheck sei sogar auf der B 8 geparkt worden, berichtete eine Sprecherin - die Wagenhalter hätten ein dickes Knöllchen bekommen. Aus Falkenstein und Oberems hätten sich zahlreiche Anrufer über Wildparker beschwert; auch ein gefährliches Überholmanöver wurde aktenkundig. Der Stau auf der B 455 habe sich bis zur A 661 gezogen.

Sperrung des Feldberg-Gebietes im Hochtaunus: Trotz Corona Besucheransturm

Ein Chaos mit Ansage, kommentierte Königsteins Bürgermeister Leonhard Helm (CDU) die Verhältnisse in Falkenstein. Er habe schon vor Wochen bei den zuständigen übergeordneten Ordnungsbehörden auf das Problem hingewiesen und um ein konzertiertes Vorgehen nachgesucht. "Jedes Mal, wenn es um die Sperrung des Feldberg-Gebietes geht, sage ich, dass man Falkenstein mitdenken muss."

Kopfschütteln über Besucheransturm trotz Corona – Kreis rät vor Besuch auf dem Feldberg ab

Die Park-Situation im Taunus sei ein regionales Problem. "Und dafür brauchen wir eine regionale Lösung." Diese enorme Herausforderung lasse sich mit den überschaubaren Kräften der Königsteiner Stadtpolizei sicher nicht meistern.

Von der Hohemark (Oberursel-Nord) startet normalerweise der Bus in Richtung Feldberg. Auf dem dortigen Bus-Steig konnte man am Dienstag eine Szenerie beobachten, die in Coronazeiten den Kopf schütteln lässt. Schon die U-Bahn zur Hohemark sei sehr voll gewesen, berichtet eine Leserin. "An der Hohemark waren dann die Bushaltestellen zur Weiterfahrt Richtung Feldberg völlig überlaufen, und es wurden keinerlei Abstände eingehalten." Bald könne man wohl auch von einem "Corona-Hotspot Feldberg" sprechen.

Als gäbe es die Pandemie nicht, wurde am Dienstagnachmittag auf dem Bussteig an der Hohemark gedrängelt.

Zuständig für die Überprüfung der Abstände wäre die Stadt Oberursel - doch auch hier reicht das Personal der Ordnungskräfte nicht aus. Letztlich sei es ja eine Situation wie überall an besonders beliebten Plätzen, sagt dazu Ordnungsdezernent Christof Fink (Grüne). Er appelliert an die Eigenverantwortung der Ausflügler. Denn eine große Polizei-Präsenz wolle man ja hier auch nicht haben.

Aufgrund des Andrangs und der Sperrungen wird bis inklusive 4. Januar auch der Busverkehr im Feldberggebiet eingestellt.

Der Hochtaunuskreis rät generell von Ausflügen ins Feldberggebiet ab. Im Laufe des Mittwochnachmittags dramatisierte sich die Lage, so dass die Katastrophenschutzbehörde nun bittet, von Spaziergängen oder sportlicher Betätigung abzusehen. Die Sicherheit der Besucher auf den ausgewiesenen Wegen könne nicht gewährleistet werden; gegen Abend gab es Rettungseinsätze.

Er könne zwar den Wunsch nach einem Ausflug in den Schnee verstehen, so Kreisbeigeordneter Thorsten Schorr (CDU). Dennoch appellierte er an die Menschen im Rhein-Main-Gebiet, sich andere Ziele zu suchen.

Straßensperrungen und keine Busse mehr ins Feldberggebiet

Wegen der Straßensperrungen fahren bis einschließlich 4. Januar keine öffentlichen Busse mehr ins Feldberggebiet, wie der Kreis am späten Mittwochnachmittag mitteilte.

Linie 50: Rod an der Weil-Arnoldshain-Hegewiese regulär; Rückweg über Arnoldshain-Forsthaus, Schmitten und Dorfweil zum Bahnhof Neu-Anspach. Die Fahrgäste können die RB 15 (Taunusbahn) nach Bad Homburg nutzen.

Linie 51:(Hasselbach-Oberreifenberg-Siegfriedsiedlung) regulär. Rückweg über Niederreifenberg, Schmitten und Dorfweil zum Bahnhof Neu-Anspach.

Winterwald mit Blechlawine: Auf den Parkplätzen am Feldberg geht nichts mehr.

Die Linien 50, 51 und 57 sind zwischen Bad Homburg- Bahnhof und Oberursel-Hohemark eingestellt. Die 57 (Feldberglinie) fährt gar nicht mehr.

Linie 80: Linienverlauf erheblich geändert. Die Busse werden von Königstein kommend über Glashütten, Oberems und Kittelhütte nach Niederreifenberg umgeleitet und fahren über Oberreifenberg-Siegfriedsiedlung, Niederreifenberg, Schmitten und Dorfweil nach Neu-Anspach. (ahi/sj/cg/evk)

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