Keine Angst vorm roten Martin

CDU im Taunus sieht in Martin Schulz eine Herausforderung

Lange Jahre war die SPD lediglich der kleine Partner der CDU. Doch das hat sich mit dem Tag geändert, an dem die SPD Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten gekürt hat. Plötzlich schießen die Sozialdemokraten aus der Decke. Erst am Wochenende haben die Genossen die Union in einer weiteren Umfrage überholt. Doch wie reagiert die CDU im Taunus auf das Wiedererstarken der SPD? Die TZ hat nachgefragt.

Wer hat Angst vorm roten Martin? „Niemand“, schallt es aus der CDU zurück. Doch klingt dieser Ruf nicht wie das berühmte Pfeifen im Walde? Nein, sagt Jürgen Banzer. Für die Demokratie sei es nur förderlich, wenn es bei der Bundestagswahl starke Kandidaten zur Auswahl gebe. „Der derzeitige Aufwind von Herrn Schulz ermutigt die Union geradezu mehr denn je, einen engagierten Wahlkampf zu führen“, sagt der Kreisvorsitzende der CDU. Seine Mitglieder seien motiviert, die Auseinandersetzung anzunehmen. Banzer: „In schwierigen Zeiten, in denen wir uns mit Blick auf die Weltlage befinden, braucht es Erfahrung, wie die von einer Bundeskanzlerin Angela Merkel, um Deutschland in der 1. Liga zu halten.“

In Oberursel freut man sich für die SPD, einen Kanzlerkandidaten gefunden zu haben. Aber den „Hype um Martin Schulz“ findet Parteichef Thorsten Schorr völlig übertrieben. Inhaltlich habe der bisher noch nicht so viel losgelassen. Und das, was Schulz kritisiert habe, hätten zuvor SPD-Minister verzapft. Auf die Frage, ob Angela Merkel noch immer die richtige Wahl für die CDU sei, antwortet er ohne zu zögern: „Ja, auf jeden Fall. Sie hat bewiesen, dass sie die Bundesrepublik führen kann.“ Zu ihren Erfolgen zählten ein stabiles Wirtschaftswachstum, niedrige Arbeitslosenzahlen und der Haushaltsausgleich im Bund. Daher mache ihm Schulz’ Kandidatur auch keine große Angst. Wie man den Wahlkampf angehe, wollen Schorr und sein Team Ende Februar festlegen.

„Ich sehe der Kandidatur von Martin Schulz mit maximaler Gelassenheit entgegen“, sagt Jonny Kumar, Vorsitzender der CDU Steinbach. Diese Meinung teile übrigens auch der Steinbacher Stadtverband der Union. Kumar setzt auf die Kanzlerin, die es erneut für die CDU richten soll. Die Merkel-Welle, da ist Kumar überzeugt, sei die nachhaltigere als die Schulz-Welle. Aus seiner Sicht wird es darum gehen, die Unterschiede zwischen Schulz und Merkel deutlich zu machen.

Susanne Odenweller, CDU-Vorsitzende aus Wehrheim, hat festgestellt, dass der momentane Schulz-Hype nicht nur die SPD-Basis zu motivieren scheine. „Fast täglich erhalte ich Rückmeldungen von CDU-Mitgliedern, die sich wundern, dass die SPD erst zu sich selbst finden muss, und sie versichern mir ihre Unterstützung im Wahlkampf – jetzt erst recht!“ Zudem habe man Kontakt zu zwei Wehrheimer Bürgern, die an einer Mitgliedschaft in der CDU interessiert seien, „weil ihnen die Werte der Christlich Demokratischen Union Deutschlands – Einigkeit, Recht, Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit – wichtig sind“.

Auch in Neu-Anspach verzeichnet man Neuzugänge – vier seit September. Entsprechend gut sei die Stimmung im Ortsverband. Was Martin Schulz angeht, so findet CDU-Chefin Corinna Bosch, dass eine Auswahl immer klasse für die Demokratie sei – sowohl auf Bundes-, Landes- als auch auf Kommunalebene.

„Wir stehen dem sogenannten Aufwind der SPD ziemlich gelassen gegenüber. Zumal ja laut Forsa-Umfragen der Aufwind schon stagniert – mehr noch, die CDU/CSU liegt wieder vorn“, konstatiert Ellke Dielmann, CDU-Chefin in Weilrod. Martin Schulz müsse schon ein überzeugendes Programm präsentieren, um Merkel als Bundeskanzler abzulösen. Das habe er aber bisher verweigert. Dielmann: „Gespräche mit Mitgliedern oder Bürger hier in Weilrod bestätigen mir, dass wir die Unterstützung im Wahlkampf bekommen werden.“

Der Usinger Matthias Drexelius hält Schulz für einen „ernstzunehmenden Kandidat, der aktuell den Vorteil hat, dass er noch nichts entscheiden musste, und so Versprechen machen kann, deren Erfüllung noch niemand beurteilen kann“. Man müsse aber abwarten, ob das im September auch noch so sein wird. „Wir sind gut beraten, nicht auf die Gegenkandidaten zu schauen, sondern uns unseren Herausforderungen zu widmen und die Menschen zu überzeugen, dass die gute Wirtschaft und das Wachstum in den letzten Jahren Ergebnis der CDU-Politik war.“ bur, she, mj, pet, col, hko

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