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Noch hat die Taunusbahn die Nase vorn, wenn es um die Zugverbindungen von Bad Homburg ins Usinger Land geht. Doch die S-Bahn liegt sinnbildlich in Lauerstellung.

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Taunusbahn: Ausbau teurer und umfangreicher als geplant

Nicht nur 500 Strommasten müssen bis Dezember 2022 entlang der Gleise der Taunusbahn errichtet werden. Für die Elektrifizierung der Bahnstrecke zwischen Friedrichsdorf und Usingen müssen bis zum Start des S-Bahn-Betriebes ins Usinger Land noch ganz andere Projekte gestemmt werden.

Hochtaunus - Das Rhein-Main-Gebiet platzt aus allen Nähten. Das spürt auch der Hochtaunuskreis. Der Pendlerstrom aus dem Usinger Land über Bad Homburg nach Frankfurt schwillt weiter an. Mit der Verlängerung der S-Bahn-Linie S 5 bis Usingen wollen der RMV und der Hochtaunuskreis den Druck abfedern.

"Mit der dafür notwendigen Elektrifizierung der Taunusbahn stärken wir die Mobilität und Attraktivität des Usinger Landes", sagte Landrat Ulrich Krebs (CDU) als Vorsitzender des Verkehrsverbandes Hochtaunus (VHT) gestern auf einer Pressekonferenz im Bahnhof Usingen. "Der S-Bahn-Anschluss von Usingen ist ein Meilenstein, der uns als Wohn- und Arbeitsstandort noch näher an Frankfurt rückt."

Planungen fast fertig

Das bedeutende ÖPNV-Infrastruktur-Projekt ist freilich nicht zum Nulltarif möglich. Nachdem die detaillierten Planungsarbeiten fast abgeschlossen und im Herbst das Planfeststellungsverfahren anlaufen kann, steht auch ein neuer Kostenrahmen fest.

Waren Anfang vergangenen Jahres noch 47,5 Millionen Euro Gesamtkosten veranschlagt, so sind diese nach Angaben von VHT-Geschäftsführer Frank Denfeld auf mittlerweile 59 Millionen Euro gestiegen. "Wir haben weitere Baumaßnahmen auf dem Streckenabschnitt zwischen Usingen und Grävenwiesbach hinzugenommen, der erst zu einem späteren Zeitpunkt elektrifiziert wird", so Denfeld.

Konkret bekennen sich der Hochtaunuskreis und der RMV damit zu ihrem Versprechen, auch den weiteren Streckenverlauf bis Grävenwiesbach in den Folgejahren zu elektrifizieren und mit der S-Bahn in die Frankfurter City anzubinden. Der Hochtaunuskreis hat insgesamt einen Kostenanteil von 19 Millionen Euro zu tragen.

Neben der bislang schon vorgesehenen Elektrifizierung der Strecke bis Usingen, dem zweigleisigen Ausbau zwischen den Stationen Saalburg und Wehrheim sowie dem Bau eines neuen Bahnsteiges in Usingen und der Erneuerung der Leit- und Sicherungstechnik im bestehenden Stellwerk in Usingen sind folgende Maßnahmen vorgesehen:

"Wir werden an einem zusätzlichen Gleis in Friedrichsdorf die Oberleitungen bauen", erläutert Denfeld. Von den aus Frankfurt kommenden dreiteiligen Vollzügen fahren demnach künftig nur zwei S-Bahn-Züge nach Usingen weiter. Der dritte wird in Friedrichsdorf abgekoppelt und auf Gleis 401 abgestellt.

Info-Abend im Herbst

Ganz neu wird die Modernisierung der Leit- und Sicherungstechnik entlang der Bahngleise von Usingen bis Brandoberndorf bereits zum jetzigen Zeitpunkt in das Bauprojekt mit aufgenommen.

"Weil die verlängerte S 5 reibungslos in das Fahrplankonzept des gesamten S-Bahn-Verkehrs des RMV eingepasst wird, bauen wir einen weiteren zweigleisigen Abschnitt und einen neuen Bahnsteig in Hundstadt", erläutert Denfeld. "So können dort auch Züge flüssig passieren und nicht nur in Wilhelmsdorf, Usingen, Neu-Anspach und zwischen Wehrheim und der Saalburg sowie Köppern. Das verbessert die Pünktlichkeit."

Der Landrat und der VHT-Geschäftsführer wollen im Herbst die Bürger und alle interessierten ÖPNV-Kunden durch eine ausführliche Informationsveranstaltung über die detaillierten Pläne und den Zeitplan der Umbau- und Baumaßnahmen informieren. Dabei wird auch über die notwendigen temporären Sperrungen des Bahnbetriebs informiert.

Die ursprünglichen Planungen sahen ganz anders aus. Im Beschluss der VHT-Verbandsversammlung vom 27. März 2015 ging man davon aus, dass die Baumaßnahme 2018 umgesetzt wird und die S 5 mit dem Fahrplanwechsel 2019 / 20 nach Usingen fährt. In den vergangenen vier Jahren haben sich die geschätzten Projektkosten jedoch deutlich erhöht - vor allem, weil der Umfang der erforderlichen Maßnahmen wesentlich wuchs. Statt der gestern genannten 59 Millionen Euro Projektkosten (inklusiv zehn Millionen Planungskosten, von denen der RMV die Hälfte übernimmt) ging man von Gesamtkosten von rund 17 Millionen Euro (ohne Planungskosten) aus. "Der Verkehrsverband Hochtaunus geht davon aus, dass sich der Eigenanteil, der vom VHT getragen werden muss, auf 5,6 Millionen Euro beläuft", heißt es im damaligen Beschluss. Der Grund für die Kostensteigerung: Seinerzeit waren weder das neue Stellwerk Usingen noch der zweigleisige Ausbau der Schieneninfrastruktur oder die neuen Bahnsteige in Usingen und Hundstadt vorgesehen. Zudem wird auch die Sicherungstechnik zwischen Usingen und Brandoberndorf bereits jetzt erneuert. map

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