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Die heimischen Bauern pflegen mit der Bewirtschaftung von Weiden und Feldern auch die Landschaft in der Region. Archivfoto: Pieren

Sachstandsbericht

Weshalb der Boden im Taunus Pflege braucht

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Die landwirtschaftliche Nutztierhaltung trägt wesentlich dazu bei, das Grünland zu erhalten. Wiesen und Weiden, die sich selbst überlassen werden fallen brach, und verbuschen. Das wiederum würde zum Verlust der besonderen Taunuslandschaft führen. Die Zahl der Nutztiere geht jedoch seit einigen Jahren zurück – ein Sachstandsbericht gibt es bei einem Gespräch mit dem Leiter des Fachbereichs „Amt für den ländlichen Raum“.

Vier bis sechs Wochen „schönen Landregen“, den würde sich Dr. Nikolaus Bretschneider-Herrmann, Leiter des Fachbereichs „Amt für den ländlichen Raum“ beim Hochtaunuskreis wünschen. Denn der Boden muss noch reichlich Wasser speichern, um für den Sommer gerüstet zu sein – doch danach sieht es leider momentan nicht aus.

Was wiederum deutlich zu erkennen ist: Die Zahl der Pferdepensionen und dazugehörigen Koppeln mit vielen Ponys und Pferden darauf steigt stetig, dem steht die immer geringer werdende Zahl der Milchbauern mit Kühen gegenüber. Es gibt noch 2925 Rinder und mittlerweile 2177 Pferde im Hochtaunuskreis, davon sind 1521 Pensionstiere, hat Bretschneider-Herrmann auf Anfrage der Taunus Zeitung recherchiert.

Rückgang seit 30 Jahren

Frank Hammen vom Oranienhof in Wehrheim managt den letzten noch verbliebenen großen Milchviehbetrieb in Wehrheim. Im Usinger Land gibt es noch ein paar weitere, zum Beispiel in Hasselbach und Grävenwiesbach.

Dennoch ist der Rückgang in diesem Bereich drastisch: „Vor 30 Jahren gab es noch 30 Milchviehbetriebe allein in Wehrheim“, weiß Bretschneider-Herrmann und ergänzt: „Der Verlust an regional erzeugten Lebensmitteln wie zum Beispiel Milch ist für den ländlichen Raum sicher sehr nachteilig. Nicht nachteilig ist es zurzeit noch für den Erhalt des Grünlandes, weil Futter für Pferde benötigt wird.“

Worauf es in beiden Fällen ankommt: Die Kulturlandschaft muss erhalten werden. Das geht nur, indem sie genutzt wird – von Rindern oder Pferden. Den Reiz dieser Landschaft mache der Wechsel von Wald und Offenland aus, so der Fachbereichsleiter. Doch gerade in Schmitten liege der Waldanteil bei 70 Prozent. „Dort gibt es etliche Täler, die früher mit der Hand gemäht wurden und heute Wald sind.“

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Nicht nur aus touristischer Sicht muss es neben Wald auch Wiesen geben, sondern auch im Sinne des Artenschutzes, so Bretschneider-Herrmann: Der Wiesenknopf ist – wie der Name schon sagt – eine Pflanze, die auf Wiesen wächst. Auf diese wiederum legt der Schmetterling Ameisenbläuling seine Eier ab. Die Raupen ernähren sich zunächst ausschließlich von den Blüten des Großen Wiesenknopfs. Im Spätsommer werden sie unter anderem von der roten Gartenameise in deren Nester getragen, wo sie überwintern und räuberisch von Ameisenbrut leben. Was macht das Amt, damit dieser Zyklus nicht gestört wird? „Es schließt Verträge mit Landwirten ab, den Wiesenknopf zum Zeitpunkt der Eiablage verfügbar zu halten“, so Bretschneider-Herrmann.

Die Landwirte im Kreis bewirtschaften rund 4600 Hektar Grünland. Darunter fällt aber teilweise auch Grünland, auf dem Streuobst steht. „Weitere Grünlandflächen in geringerem Umfang werden nicht von landwirtschaftlichen Erwerbsbetrieben genutzt, sondern unterliegen einer privaten Nutzung oder werden nicht mehr genutzt“, so Bretschneider-Herrmann. „Aus naturräumlichen Gründen liegt der Großteil des Grünlandes im Usinger Land. Im Vordertaunus, geografisch größtenteils zur Wetterau gehörend, überwiegt auf Grund der Standortgunst (Klima, Böden) der Ackerbau.“

Wo es Defizite gibt

Sowohl ausgewachsene Kühe als auch Pferde werden als eine „Großvieheinheit“ gerechnet (GV). „Es gibt die Faustzahl von einer GV pro Hektar pro Jahr bei mittlerer Intensität“, sagt Bretschneider-Herrmann. In der Regel habe ein Milchviehbetrieb mehr Grünland als er benötige. „Ein Drittel aus dem Vorjahr wird vorrätig gehalten, um auf Jahre mit knappen Ressourcen wie 2018 reagieren zu können.“ Pensionspferdebetriebe würden zum Teil weniger „Heu machen“, müssten dementprechend teuer zukaufen, so Bretschneider-Herrmann.

Soviel zu den Gemeinsamkeiten. Doch natürlich gibt es Unterschiede zwischen Pferdehaltern und Milchbauern. Die betreffen aber weniger die professionellen Pensionsbetreiber als die Hobby-Pferdehalter. „Beim Weidemanagement gibt es gewisse Defizite. Über die Zeit werden zu viele Pferde auf einer zu kleinen Fläche gehalten, darunter leidet die Grasnarbe.“ Eine löchrige Grasnarbe fördere wiederum die Ausbreitung der für Tiere giftigen Pflanze Jakobskreuzkraut. „Einzige effektive Abhilfe dagegen verspricht eine gesunde Grasnarbe und eine gut gepflegte Weide.“

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