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Der große Radlader ist eines von 15 Fahrzeugen des Technischen Hilfswerkes beim Ortsverband Bad Homburg. Lucas Jung ist der Ortsbeauftragte beim THW.

Viele Einsätze im In- und Ausland

Technische Hilfswerk: Für jede Katastrophe zu haben

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In Not- und Unglücksfällen steht das Technische Hilfswerk (THW) der Bevölkerung mit Technik und Know-how helfend zur Seite – in Deutschland und weltweit. Auch im Hochtaunuskreis stehen fast 60 Männer und Frauen im Auftrag der Bundesregierung auf Anforderung von Feuerwehr, Polizei, Kreis und Kommunen im Einsatzfall bereit.

Der Tornado hatte Ende Mai vergangenen Jahres rund um die Hessenmühle vor den Toren Usingens mit voller Wucht gewütet. Zwischen umgestürzten Bäumen knatterten Motorsägen und surrten Notstromaggregate im Usatal.

Bei der Beseitigung der Schäden am Hof und im umliegenden Wald rückte Ende Mai vergangenen Jahres das Technische Hilfswerk (THW) mit schwerem Räumgerät aus. Es waren ebenso Mitglieder des THW Bad Homburg, die durch den Einsatz im Juni 2016 verhinderten, dass die Hausfassade eines Fachwerkhauses in der Oberurseler Altstadt einstürzte.

Nach dem Kran-Unglück, bei dem im Dezember 2013 in Bad Homburg eine Frau durch einen umstürzenden Baukran in einem Aldi-Markt erschlagen wurde, waren ebenfalls das THW im Einsatz. „Wir werden immer dann angefordert, wenn viel Technik, eine spezielle Ausrüstung und besonderes Know-how im Zivil- und Katastrophenschutz gefragt ist“, sagt Lucas Jung, der Ortsbeauftragte des Technischen Hilfswerk Bad Homburg. „Man könnte fast sagen, wir sind das Schweizer Taschenmesser der Bundesregierung.“

Tatsächlich steht das THW der Bevölkerung in Not- und Unglücksfällen helfend zur Seite – in Deutschland und weltweit. Fünf Mitglieder der 56-Mann starken Bad Homburger Truppe gehören sogar der schnellen Einsatzeinheit „Bergung Ausland an“.

„Innerhalb von vier Stunden muss die speziell geschulte Einsatzgruppe am Flughafen Frankfurt einsatzbereit zum Abflug sein“, sagt Richard Schnopp. Er ist seit bald 40 Jahren beim THW in Bad Homburg aktiv. „Der Grund ist einfach: bei Erdbeben verunglückte Menschen haben 48 Stunden nach einer Naturkatastrophe die größten Chancen, lebend gerettet zu werden“, erklärt der 58-jährige THWler.

Die beiden langjährig erfahrenen Retter des THW können atemberaubende Geschichten von ihren Einsätzen erzählen. Bei den beiden Elbe-Hochwassern und der Oder-Flut waren Kameraden aus dem Taunus ebenso vor Ort, wie nach dem verheerenden Brand der Taunus-Therme am Faschingsfreitag 1983. Und natürlich beim Aufbau der Flüchtlings-Erstaufnahmelager im Hochtaunuskreis vor zweieinhalb Jahren.

Es ist ein hoheitlicher Auftrag, dem Schnopp, Jung und die anderen etwa 60 Aktiven des THW in Bad Homburg folgen. Während die Einsätze im Zivilschutz im Auftrag der Bundesregierung erfolgen, gibt die Landesregierung den Marschbefehl im Katastrophenschutz.

„Unsere Einsätze in der Region werden stets von anderen Organisationen wie der Polizei oder der Feuerwehr, sowie vom Kreis oder Kommunen angeschoben“, sagt Lucas Jung. „Im Hochtaunuskreis sind wir zum Glück sehr stark in die örtlichen Einsatzstrukturen von Kreis und Kommunen eingebunden.“

Das 5000 Quadratmeter große THW-Areal liegt kaum einsehbar, versteckt hinter dem Umspannwerk und der regionalen Syna-Zentrale an der Urseler Straße. In der großen Fahrzeughalle stehen 15 Fahrzeuge – vom Mannschaftstransporter bis hin zum Radlader. Die Gerätekraftwagen sehen äußerlich nicht anders aus, als die Einsatzwagen der Feuerwehren – nur sind sie nicht rot, sondern blau.

Doch das Innenleben und die verstauten Gerätschaften sind grundlegend andere. Was aufgrund der Einsatzlagen nicht verwundert. Die Mitglieder des Technischen Hilfswerks müssen nicht löschen, sondern stehen bei

Bombenentschärfungen

, wie jüngst in Frankfurt oder bei der Hochhaussprengung des AFE-Turms oder bei der Fußball WM 2006 für den Krisen- und Ernstfall bereit.

„Wir sind für den Fall gerüstet, den keiner erleben will. In den Einsatzszenarios sind wir im Rhein-Main-Gebiet fest eingeplant“, sagt der 41-jährige Lucas Jung nüchtern. „Wir stellen einen technischen Zug, der aus 30 Mann besteht. Er ist unterteilt in zwei Bergungsgruppen, und je einer Fachgruppe ,Räumen’, ,Infrastruktur’ sowie ,Führung und Kommunikation’.“

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